Finanzen / 05.03.2021

Weniger Privatpleiten – nur die Ruhe vor dem Sturm?

Die Zahl der Privatinsolvenzen sinkt auf den tiefsten Stand seit 2004. Doch der Schein könnte trügen.

Weniger Privatpleiten – nur die Ruhe vor dem Sturm? – Mann sitzt am Schreibtisch voller Rechnungen und vergräbt den Kopf in den Händen.

Hamburg (dpa). Trotz der Corona-Krise hat es 2020 erneut weniger Privatpleiten in Deutschland gegeben als ein Jahr zuvor. Nach Daten der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel sank die Zahl der Privatinsolvenzen um 35,1 Prozent auf 56.324 Fälle. Es war der niedrigste Stand seit 2004. „Die rückläufigen Privatinsolvenzen sind nicht als Zeichen der Entspannung zu interpretieren, sondern als der Anfang einer Insolvenzwelle“, sagte Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein am Donnerstag. Die wirtschaftlichen Folgen durch die Krise würden erst in diesem und im kommenden Jahr durchschlagen.

Privatinsolvenzen kommen zeitverzögert

Ohne die Corona-Pandemie hätte es nach Einschätzung Schleins bereits 2020 bis zu 25.000 mehr Privatinsolvenzverfahren in Deutschland gegeben. „Diese werden nachgelagert zu den diesjährigen Insolvenzen hinzukommen.“ Für dieses Jahr geht Crifbürgel aktuell von bis zu 90.000 Privatpleiten aus. 2022 könnte es dann 100.000 Fälle sein.

Nach Einschätzung Schleins haben Kurzarbeit und auch Ersparnisse die finanzielle Schieflage der Menschen im vergangenen Jahr teilweise abgemildert. Zudem hätten sich Bundesbürger mit Anschaffungen zurückgehalten und ihren Konsum eingeschränkt. Viele überschuldete Verbraucher hätten auf einen Gang zur Schuldnerberatung verzichtet oder diesen verschoben.

Viele warten Gesetzesreform ab

Betroffene warteten dabei auch die Gesetzesreform ab, nach der Verbraucher künftig einfacher nach drei statt wie bisher nach sechs Jahren von ihren Restschulden befreit werden können. Die Verkürzung wird rückwirkend auch für alle Insolvenzverfahren gelten, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. Für Privatpersonen bestehe bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung keine unmittelbare Insolvenzantragspflicht.

Autor

 Deutsche Presseagentur