Gesundheit / 06.08.2019

Wenn der Chef zum Arzt schickt

Wann darf der Chef eine Untersuchung beim Betriebsarzt anordnen?

Bild zum Thema Wenn der Chef zum Arzt schickt: Stethoskop liegt auf einer Patientenakte, während der Arzt eine Computermaus bedient.

Gütersloh (dpa/tmn). Ein Arbeitnehmer ist länger erkrankt. Doch nicht jeder Chef hat dafür Verständnis und möchte seinen Mitarbeiter zur betriebsärztlichen Untersuchung schicken. Darf der Chef einen solchen Check anordnen?

Gesetzlich vorgeschriebene Funktion des Betriebsarztes

Für diese Frage ist zunächst der Hintergrund von Betriebsärzten wichtig: „Sie haben eine gesetzlich vorgeschriebene Funktion, und die ist, den Arbeitgeber bei Arbeitsschutzmaßnahmen zu unterstützen“, erklärt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Gütersloh.

Arbeitgeber kann betriebsärztliche Untersuchung anordnen

„Hat ein Arbeitgeber die Vermutung, dass jemand nicht mehr arbeitsfähig ist, kann er den Mitarbeiter aus Sicherheitsbedenken zur betriebsärztlichen Untersuchung schicken“, so Schipp weiter. Das könne zum Beispiel bei Suchterkrankungen von Arbeitnehmern der Fall sein.

Will ein Arbeitgeber aber zum Beispiel eine Krankmeldung überprüfen, indem er den Mitarbeiter zum Betriebsarzt schickt, ist das nicht zulässig – und entspreche auch nicht der Funktion des Betriebsarztes.

Betriebsärzte unterliegen der Schweigepflicht

Zudem gilt: Auch Betriebsärzte unterliegen der Schweigepflicht. „Ohne, dass der Arbeitnehmer den Betriebsarzt von der Schweigepflicht entbindet, bringt eine Untersuchung dem Arbeitgeber nicht viel“, sagt der Fachanwalt, der in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins tätig ist.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst