Gesundheit / 05.04.2018

Wenn die Finger taub werden

Wenn das Handgelenk schmerzt und sich die ersten drei bis vier Finger öfter unangenehm taub anfühlen, kann ein so genanntes Karpaltunnelsyndrom die Ursache sein.

Bad Homburg (kjs/ams). Das Karpaltunnelsyndrom tritt meist im Alter von 40 bis 70 Jahren auf. Pro Jahr erkranken etwa drei von 1.000 Menschen daran. Betroffen ist der Medianus-Nerv, der unter anderem die Innenseiten von Daumen, Zeige-, Mittel- und einen Teil des Ringfingers sensibel versorgt.

Dieser Nerv ist in einem Bereich der Handwurzelknochen – dem Karpaltunnel – stärker als normal eingeengt. Durch die Engstelle ist der Nerv erhöhtem Druck ausgesetzt, was eine Nervenschädigung zur Folge haben kann.

Arbeit am Computer spielt kaum eine Rolle

Eine Ursache für die Verengung des Karpaltunnels können frühere Erkrankungen oder Verletzungen im Bereich des Handgelenks sein. "Auch Über- und Fehlbelastungen wie starker Druck auf das Handgelenk oder eine extreme Streckung oder Beugung des Handgelenks, zum Beispiel beim Arbeiten mit dem Presslufthammer oder am Fließband, können eine Rolle spielen", berichtet der AOK-Medienservice (ams).

Daneben können bestimmte Erkrankungen wie Rheuma, Diabetes mellitus oder Sehnenscheidenentzündungen die Entstehung eines Karpaltunnelsyndroms begünstigen. Anders als häufig vermutet, spielt die Tätigkeit am PC hier kaum eine Rolle.

Frauen häufiger betroffen

Weil weibliche Hormone die Flüssigkeitseinlagerung und die Dichte des Bindegewebes verändern, sind Frauen – vor allem im Alter zwischen 40 und 50 Jahren – dreimal häufiger als Männer davon betroffen. Auch während einer Schwangerschaft oder bei Fettsucht besteht ein erhöhtes Risiko.

Beschwerden oft nachts

Die Beschwerden treten vor allem nachts und gegen Morgen auf, da viele Menschen im Schlaf die Handgelenke angewinkelt haben, was die Durchblutung einschränkt. Neben einem Taubheitsgefühl in den Fingern können auch Schmerzen in der Hand sowie am Handgelenk bis hin zum Ellenbogen die Folge sein. Anfangs sind diese meist nur vorübergehend und verschwinden durch Lageänderung, "Ausschütteln" der Hände oder kurze Massagen wieder.

Wenn die Schiene nicht hilft, wird operiert

Je länger der Druckzustand anhält, desto stärker wird der Nerv geschädigt. Um herauszufinden, ob es sich um ein Karpaltunnelsyndrom handelt, macht der Arzt bestimmte Tests. Bei leichten bis mittelschweren Beschwerden wird die Erkrankung zunächst konservativ im Allgemeinen mit einer Unterarmschiene behandelt. Die Schiene wird nachts getragen und soll verhindern, dass das Handgelenk abknickt.

Bringt die Schiene keine Erleichterung, können die Beschwerden mit Kortisonspritzen in den Karpaltunnel behandelt werden. Bessern sich die Beschwerden dann immer noch nicht oder kommen wieder, kann eine Operation erwogen werden. Sie wird meist minimalinvasiv oder als offene Operation durchgeführt.

Autor

Karl-Josef Steden