Finanzen / 03.05.2019

Wie Finanzdienstleister Kunden locken

Besonders im komplizierten Finanzbereich sind Siegel und Bewertungen von Produkten gern benutzte Werbemittel. Aber wie seriös ist das?

Bild zum Thema Wie Finanzdienstleister Kunden locken: Beratungsgespräch zwischen einem Vertreter und einem jungen Paar.

Frankfurt (dpa/tmn). Siegel und Prüfzeichen sind bewährte Methoden, mit denen Firmen Produkte besser anpreisen und teils verkaufen können. Immer wieder werben auch Unternehmen aus der Finanzbranche etwa mit einer Prüfung durch die Bafin – also der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Die Bafin prüft nicht die Qualität der Geldanlage

Nicht immer halten sie sich dabei an die Regeln. Mitunter ist ein Hinweis auf die Aufsicht auch irreführend. „Eine Aufsicht oder Prüfung durch die Bafin ist kein Qualitätskriterium für die ökonomische Tragfähigkeit“, erklärt Lena Ribka vom Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentralen. „Als Gütesiegel für das Produkt sollten Verbraucher das nicht begreifen.“

Die Bafin beaufsichtigt Unternehmen im Finanzdienstleistungsbereich – prüft etwa, ob sie sich an Regeln und Gesetze halten. Wer in Deutschland erlaubnis-pflichtige Versicherungs- oder Bankgeschäfte betreiben, oder Finanzdienstleistungen sowie Zahlungsdienste erbringen oder Investmentvermögen verwalten will, braucht dafür meist eine Erlaubnis der Bafin. Empfehlungen oder Werturteile über Produkte oder Unternehmen gehören dagegen nicht zu den Aufgaben der Behörde.

Doch immer wieder nutzen Unternehmen den Namen der Bafin als Beweis für ihre Qualität. Dagegen geht die Wettbewerbszentrale vor – eine Kontrollinstitution der Wirtschaft gegen unlauteren Wettbewerb.

Bewusste Irreführung der Verbraucher

Syndikusanwalt Peter Breun-Goerke vertritt die Institution in diesen Fällen. „Teilweise nennen die Anbieter schlicht falsche Tatsachen. So behauptete etwa ein Spendeninformationsportal, dass es von der Bafin als einziges Portal eine Freigabe erhalten habe. Das stimmte aber nicht.“ Stattdessen hatte das Unternehmen bei der Behörde angefragt, ob es deren Aufsicht unterliegt. Die Mitteilung der Bafin, dass das Portal keine spezielle Erlaubnis brauche, interpretierte es auf seiner Homepage in eine erfolgte Prüfung um.

Breun-Goerke kennt mehrere solcher Fälle. Ob ein Finanzdienstleister, der Immobilien vermittelt, eine Plattform für Krypto-Crowdfunding oder ein Unternehmen, das Lebensversicherungen aufkauft: Sie alle warben mit der Bafin, obwohl keine Prüfung erfolgt war – teilweise sogar mit einem Logo der Aufsichtsbehörde und teils mit Aussagen wie: Ihre Geldanlage ist sicher. „Für Verbraucher erweckt das den Eindruck, als ob die Bafin tatsächlich die Art und Weise der Geldanlage überprüft“, sagt Breun-Goerke.

Erfundene Gütesiegel und Prüfsymbole sollen Sicherheit suggerieren

Gerne nutzen Unternehmen die Bafin auch in Verbindung mit ausgedachten Gütesiegeln oder Symbolen, die Sicherheit suggerieren sollen, etwa ein Schutzschild, erzählt Verbraucherschützerin Ribka. „Teilweise sehen wir auch Fälle, bei denen Unternehmen aus der Finanzbranche angeben, dass ihr Prospekt von der Bafin ‚gebilligt‘ oder ‚gestattet‘ wurde.“ Auch das erlaube das Gesetz bei bestimmten Anlageprodukten wie Vermögensanlagen nicht.

Die Bafin prüft nicht auf inhaltliche Richtigkeit

Will ein Unternehmen Wertpapiere oder Vermögensanlagen anbieten, muss es vorher ein Prospekt veröffentlichen, das die Produkte beschreibt. Die Bafin muss dieses Dokument vorab billigen. „Die Aufsicht prüft dabei nicht, ob das Produkt gut oder die angegebene Rendite realistisch ist“, erklärt ein Bafin-Sprecher. „Stattdessen geht es darum, ob im Prospekt die gesetzlichen Mindestangaben enthalten sind, ob er vollständig und auch verständlich ist oder ob es offensichtliche Widersprüche gibt.“ Die inhaltliche Richtigkeit darf die Behörde nicht prüfen.

Vorsicht bei Unternehmen, die auffällig mit der Bafin werben

Deshalb gibt es eine Richtlinie, wie Unternehmen mit dem Namen der Bafin werben dürfen: Sie können lediglich neutral darauf hinweisen, dass sie einer Bafin-Aufsicht unterliegen. „Sobald die Werbung keinen rein informatorischen Charakter mehr hat, sondern unsachlich wird und beim Verbraucher falsche Vorstellungen über Art und Umfang der Aufsicht hervorruft, beanstanden wir dies“, erklärt der Sprecher. „Manchmal sind es Feinheiten in der Wortwahl, die entscheiden.“

Doch oft liegt eine Grenzüberschreitung vor: So ist die Nutzung des Bafin-Logos tabu. Auch die Nennung der Aufsicht in Verbindung mit einem erdachten Siegel, untersagt die Behörde.

„Stößt ein Verbraucher im Netz auf wirklich prominente Werbung mit der Bafin, sollte er skeptisch sein“, rät deshalb Ribka. Vor dem Kauf oder Investment empfiehlt sie, angebotene Produkte stattdessen genau und kritisch zu prüfen. „Gibt es einen Prospekt, ist es sinnvoll, die Finanzzahlen, genannte Risiken, Anlagebedingungen und Anlagestrategie durchzuarbeiten.“ Muss das Unternehmen für sein Produkt keinen Prospekt veröffentlichen, ist noch mehr Vorsicht geboten.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst