Rente / 15.11.2017

Wie geht's weiter mit der Rente?

Steigende Bezüge und absehbare Finanzprobleme – bei der Rente geht das zusammen. Welche Weichen stellen die Jamaika-Partner nun?

Würzburg (dpa). Drei Dinge sind derzeit ziemlich sicher bei der Rente: Wegen Rekordbeschäftigung, Lohnplus und guter Konjunktur dürfte der Rentenbeitrag Anfang 2018 von 18,7 auf 18,6 Prozent sinken. Die Renten dürften zum 1. Juli um rund 3 Prozent in Ost und West steigen. Und nach wenigen weiteren stabilen Jahren bei der gesetzlichen Rente dürfte die Rentenkasse noch vor 2025 stark unter Druck geraten und das Absicherungsniveau sinken. Doch was dann auf die Rentner wirklich zukommt, hängt auch vom Kurs der Jamaikapartner ab, der sich bisher nur grob abzeichnet.

Alexander Gunkel bringt es auf den Punkt. "Die geburtenstarken Jahrgänge stehen derzeit aufgrund der guten Konjunkturlage noch ganz überwiegend im aktiven Arbeitsleben und bescheren den Sozialkassen ein Zwischenhoch", sagt der Vorstandschef der Rentenversicherung. "Diese erfreuliche Entwicklung dürfte sich jedoch in ihr Gegenteil verkehren, wenn diese stark besetzten Jahrgänge in Rente gehen und damit als Beitragszahler ausfallen."

Beitragssatz wird auf über 20 Prozent steigen

In Ziffern: Die Zahl der Beitragszahler steigt 2018 voraussichtlich noch einmal um 1,8 und 2019 um 1 Prozent – in den Jahren darauf nur noch um 0,4 Prozent. Der Beitragssatz geht wohl ab 2023 in die Höhe – auf stolze 21,6 Prozent 2030. Und das Rentenniveau – das Verhältnis vom Einkommen zur Rente – sinkt vom bis 2020 erwarteten Spitzenwert von 48,3 Prozent bis 2030 wohl auf 45 und bis 2045 auf 42,2 Prozent.

Das spürbare Rentenplus 2018 ist also nicht viel mehr als eine Geldspritze für die derzeit rund 21 Millionen Rentner mit begrenzter Wirkung. Immerhin: Wer 45 Jahre stets ein Durchschnittseinkommen hatte und somit auf 1.396 Euro Rente (west) oder 1.336 Euro (ost) kommt, kann sich über rund 42 beziehungsweise 40 Euro mehr im Monat brutto freuen. Und auch in den kommenden 15 Jahren dürften die Renten steigen, wie Arbeitgebervertreter Gunkel betont – wenn auch mit im Schnitt 2 Prozent deutlich geringer.

Lohn-Rente-Gefälle bringt Probleme

Doch angesichts eines schlechteren Verhältnisses der Rente zum Lohn bei höherem Beitrag warnt Annelie Buntenbach, Co-Vorstandschefin der Rentenversicherung und Gewerkschaftsvertreterin: Das Vertrauen in der Bevölkerung in die Rente könnte Schaden nehmen.

Und bereits heute gibt es viele, die von Altersarmut bedroht sind: Geringverdiener, Soloselbstständige, Menschen mit Erwerbsminderung. Hier verheißen Zwischenstände der Jamaika-Sondierung Verbesserungen – wenn Form und Größenordnung auch noch unklar sind. So könnten Selbstständige etwa generell in die Rentenversicherung eintreten müssen – oder die Wahl für eine Art der Altersvorsorge behalten.

Mögliche Maßnahmen der Sondierer

Geringverdienern könnte mit einem regional unterschiedlichen, prozentualen Zuschlag über die Grundsicherung geholfen werden, wie dies die frühere SPD-Sozialministerin Andrea Nahles noch vorhatte. Bei Erwerbsgeminderten könnten Abschläge abgesenkt werden. Allerdings dürften dann mehr Menschen versuchen, diese dann attraktivere Option zu ergreifen. Das hätte mehr medizinische Gutachten und Gerichtsstreitigkeiten zur Folge, wie selbst Gewerkschafterin Buntenbach kritisch anmerkt.

Ein Ziel, das die Jamaika-Partner eint, war laut deren Programmen schon im Wahlkampf absehbar: Eine weitere Flexibilisierung des Renteneintritts. Die große Koalition hatte mit dem Flexirenten-Gesetz vorgelegt. Teilrente und Teilzeit wurden etwas besser kombinierbar - doch ist das immer noch zu kompliziert und unattraktiv, wie Kritiker meinen. Hier könnte es zu einer viel größeren Aufweichung des festen Rentenalters kommen.

Weiter privat vorsorgen

Das alles ändert aber nichts am Älterwerden der Gesellschaft. Verstärkte Einwanderung kann da helfen, hofft etwa die FDP. Doch da die Rentenkasse absehbar in schweres Fahrwasser gerät, sind sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter bei der Rentenversicherung in einem einig: Keine neuen Leistungen dürften eingeführt werden, "für die keine Beiträge gezahlt wurden", wie Gunkel mahnt. So liegen die Kosten für die von der CSU in der großen Koalition durchgesetzte Mütterrente bei 7 Milliarden Euro pro Jahr – so viel dürfte bei der von ihr gewünschten Ausweitung dazukommen. 

Dass die Menschen nach Möglichkeit auch privat und betrieblich vorsorgen sollen - an diesem Ratschlag dürften auch die Jamaika-Partner festhalten. Die Rentenversicherung will hier schon einmal mehr Transparenz schaffen: 2018 soll ein erster Schritt gemacht werden beim Ziel, eine einzige Übersicht über die zu erwartenden Bezüge aus allen drei Formen der Altersvorsorge auszugeben.

Autor

 Deutsche Presseagentur