Gesundheit / 27.07.2020

Wieder aktiv sein: Worauf es bei einem Rollator ankommt

Ein Rollator kann helfen, mobil zu bleiben. Doch die verschiedenen Modelle haben auch ihre Tücken.

Rollator steht in einem Raum mit Fenster im Hintergrund.

Berlin (dpa/tmn). Ob im Supermarkt oder beim Spaziergang im Park: Rollatoren begegnen einem im Alltag an vielen Stellen. „Der Rollator hat heute kein Stigma mehr, zumindest in der Gesellschaft“, sagt Christine Gaszczyk vom Sozialverband VdK in Berlin.

Für die Personengruppe, die wohl am häufigsten auf solche Gehhilfen angewiesen ist, gilt das nach Expertenmeinung allerdings nicht immer. Mancher Senior habe dennoch Bedenken, sagt Frank Leyhausen, Sprecher der Deutschen Seniorenliga. „Man muss sich damit raustrauen“, meint er. Manche verzierten ihre Gefährte mit Aufklebern oder Bändern – eine Strategie, um die Scheu im eigenen Kopf abzulegen.

Roman Schukies von der Stiftung Warentest hatte den Eindruck, dass sich Männer mit Rollatoren etwas schwerer taten als Frauen. Bei ihnen käme eher der Gedanke auf, mutmaßt Schukies, dass alle Welt nun die eigene Schwäche sähe. Bei einem Test, den die Stiftung im Frühjahr 2019 veröffentlichte, war das Ergebnis der Modelle durchwachsen: Lediglich zwei der zwölf Rollatoren im Feld wurden mit „gut“ bewertet, beides waren Leichtgewichtmodelle.

Nicht immer das ideale Hilfsmittel

Für wen kommt das Hilfsmittel überhaupt in Frage? In der Regel vertrauten Schlaganfall- oder Parkinson-Patienten darauf, erklärt Frank Leyhausen. Auch bei leichter Gangunsicherheit oder Schwindel kann ein Rollator sinnvoll sein.

Andere halten Rollatoren längst nicht immer für das ideale Mittel. „Die Leute verlernen, selbstständig zu laufen, wenn sie sich nur auf den Rollator verlassen und stürzen schneller“, schildert VdK-Expertin Christine Gaszczyk die Argumente. Die Menschen würden unvorsichtiger und achteten nicht mehr auf ihren Körper.

Andererseits gewinnen Senioren durch einen Rollator an Sicherheit. „Man wird wieder aktiver, viele machen aus Angst sonst bestimmte Sachen nicht mehr“, sagt Gaszczyk.

Sie rät aber, vor allem bei Schwindel und Gangunsicherheit mit dem Hausarzt die Ursachen zu erforschen. Eventuell ist ein Rollator in so einem Fall gar nicht notwendig oder kann vermieden werden.

Auf Rezept gibt es in der Regel nur Stahl-Modelle

Stellt der Arzt ein Rezept für einen Rollator aus, haben Versicherte Anspruch auf ein Modell, das die Kasse bezahlt. Das ist in der Regel ein Standardmodell aus Stahl – das durchaus mehr als zehn Kilogramm auf die Waage bringen kann.

Bei manchen Indikationen wie schwerer Atemnot, Muskel- und Gelenkerkrankungen sei es besser, sich einen Leichtgewicht-Rollator verschreiben zu lassen, erläutert Warentester Roman Schukies.

Wer einen leichteren Rollator haben möchte, muss als gesetzlich Versicherter in der Regel zumindest einen Teil der Kosten zahlen. Die bei Stiftung Warentest beschriebenen Leichtgewichte kosteten zwischen 209 und 535 Euro. Das leichteste Modell wog knapp sechs Kilo.

Wer nur leichte Unsicherheiten beim Gehen und genügend Kraft in Armen und Beinen hat, dem könnte nach Einschätzung von Christine Gaszczyk ein Standardmodell genügen. Doch Menschen mit Multipler Sklerose zum Beispiel bräuchten eher ein sehr leichtes Modell, weil sie wenig Kraft in den Armen haben können.

Eine Liste hilft bei der Auswahl

Ihr genereller Tipp: Vor dem Kauf eine Liste machen. Was soll der Rollator können, bei was soll er unterstützen? So findet man heraus, welche Eigenschaften einem eigentlich am wichtigsten sind.

Wollen Sie den Rollator vor allem draußen nutzen? Dann ist es gut, wenn er stabiler konstruiert ist, meint Gaszczyk. In einer Wohnung mit schmalen Fluren und engen Zimmern hingegen sei ein leichteres Modell besser. Tasche oder Korb sind sinnvolles Einkaufszubehör.

Wer mobil mit Bahn, Bus oder Auto unterwegs ist, sollte darauf achten, wie gut sich das Modell zusammenklappen lässt und ob es alleine stehen kann. Auch hier haben die Leichtgewicht-Rollatoren einen großen Vorteil. „Die Standardmodelle stehen nicht von alleine, das ist nicht mehr zeitgemäß“, findet Warentester Roman Schukies.

Die Standard-Rollatoren im Test wurden über die Querachse zusammengefaltet – „Klemmfallen inklusive“, wie Schukies sagt. Die Leichtgewichte dagegen hatten eine Schlaufe, an der man zog – und der Rollator klappte zusammen. Diese Modelle nennt man Längsfalter.

Was ist bei Bordsteinen und Stufen?

Eine Ankipphilfe, das ist ein Hebel an den Hinterrädern, macht es leichter, über einen Bordstein oder Stufen zu kommen. „Sie sollte auf beiden Seiten angebracht und rutschfest sein“, rät Frank Leyhausen. Den Standard-Rollatoren fehlt diese Vorrichtung in der Regel. Stattdessen geben der Stiftung Warentest zufolge viele Anbieter in ihren Gebrauchsanleitungen an, ihre Produkte seien nur für ebenen Untergrund geeignet.

Viele Rollatoren rollten auch zu schnell und zögen den Nutzer quasi hinter sich her, hat Leyhausen beobachtet. „Das lässt sich mit einer Schleifbremse lösen, das erhöht den Rollwiderstand.“

Was auch wichtig ist: die individuelle Anpassung des Rollators. Die Höhe der Griffe zum Beispiel muss sich einstellen lassen. Sie sollte so sein, dass man sich nicht aufstützt, sondern aufrecht stehen kann. Sind die Handgelenke auf gleicher Höhe mit den Griffen und lassen diese sich mit leicht angewinkelten Armen umfassen, dann ist der Rollator in der Regel richtig eingestellt – bei bestimmten Krankheiten könnten andere Einstellungen nötig sein.

„Führen Sie Ihrem Arzt, der Physiotherapeutin oder dem Orthopäden mal vor, wie Sie laufen, um es gegebenenfalls korrigieren zu können“, rät Christine Gaszczyk. Spezielle Trainings können auch mehr Sicherheit geben – für diejenigen, die Bus und Bahn fahren, zum Beispiel.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst