Gesundheit / 27.07.2017

Wirkung auf Belohnungssystem

Studie: Insulin verändert im Gehirn die Bewertung von Essensreizen

Offenbach/Hamburg (kjs/UKE). Erstmals haben Wissenschaftler eine direkt Wirkung von Insulin auf das Belohnungssystem im menschlichen Gehirn nachgewiesen. In einer Studie fanden Neurowissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) heraus, dass Insulin die Bewertung von Essensreizen verändert. Zugleich konnten sie zeigen, wie sich diese Wirkung bei übergewichtigen Menschen mit Insulin-Unempfindlichkeit (Resistenz) verändert.

Insulin-Resistenz bei krankhaftem Essverhalten von Bedeutung

Im Normalfall reduziert Insulin im Gehirn den Belohnungswert insbesondere für hochkalorische Nahrungsmittel und somit die Gefahr des Überessens. Die Hauptergebnisse der Studie zeigen, dass Insulin im Gehirn bei Probanden mit normalen Insulin-Verhalten (Sensitivität) die Bevorzugung von Nahrungsmitteln deutlich reduziert und das sogenannte Belohnungssystem hemmt. Bei Studienteilnehmern mit Insulin-Resistenz hat sich dagegen keiner dieser Effekte gezeigt. Insulin-Resistenz ist daher für die Ausprägung von krankhaftem Essverhalten bereits bei nicht-diabetischen, jedoch übergewichtigen Menschen von Bedeutung.

An der Studie nahmen 48 normal- und übergewichtige Probanden teil. Ihnen wurde zunächst Insulin in Form eines Nasensprays und an einem weiteren Tag ein Placebo verabreicht. Durch das Insulin-Nasenspray konnte die Blut-Hirn-Schranke umgangen werden, so dass sichergestellt war, dass dieses Insulin direkt im Gehirn ankommt. Die Studienteilnehmer mussten anschließend Bilder von Lebensmitteln (zum Beispiel Schokoladenriegel) und Gegenständen (zum Beispiel Schmuck) hinsichtlich ihrer persönlichen Vorlieben bewerten. Während sie das taten, beobachteten die Forscher ihre Hirnaktivitäten mithilfe der funktionellen Kernspintomografie.

Wirkung gehemmt

Als "Sättigungshormon" wird Insulin von der Bauchspeicheldrüse produziert und nach dem Essen ins Blut abgegeben. Dort führt es im Normalfall zum Abbau des durch die Nahrungsaufnahme gestiegenen Zuckerspiegels. Bei Übergewicht, Adipositas und Diabetes ist diese Wirkung aufgrund zunehmender Insulin-Resistenz vermindert. Laborstudien konnten zeigen, dass Insulin auch im Gehirn in Strukturen des Belohnungssystems wirkt. Beim Menschen konnte diese Wirkung bis zur Studie der UKE-Neurowissenschaftler noch nicht nachgewiesen werden.

Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. In nachfolgenden Studien wollen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf nun untersuchen, wie sich die Gewichtsabnahme nach einer dreimonatigen Diät auf die Wirkung des Insulins im Gehirn auswirkt.

Autor

Karl-Josef Steden