Soziales / 08.04.2020

Wirtschaftsforscher erwarten 2,5 Millionen Arbeitslose

Frühjahrsprognose von fünf Instituten: Eine schwere Rezession steht bevor. Wie schnell kann sich die deutsche Wirtschaft erholen?

Autofabrik – Bildnachweis: gettyimages.de © Monty Rakusen

Berlin (dpa). Die schweren wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise werden nach einer Prognose führender Wirtschaftsforschungsinstitute deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. In der Spitze werde die Arbeitslosenquote auf 5,9 Prozent und die Zahl der Kurzarbeiter auf 2,4 Millionen hochschnellen, geht aus dem Frühjahrsgutachten der Institute hervor.

Konjunktur bricht aufgrund der Corona-Pandemie ein

Im Durchschnitt werden demnach die Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vorjahr um knapp eine Viertel Million auf 2,5 Millionen steigen, heißt es. Auswirkungen habe die Rezession auch auf die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, die im laufenden Jahr erstmals seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 sinken werden.

Die Konjunktur in Deutschland breche als Folge der Corona-Pandemie drastisch ein, heißt es im Gutachten. Um die Infektionswelle abzubremsen, habe der Staat die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland stark eingeschränkt. Deshalb dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 4,2 Prozent schrumpfen.

Bruttoinlandsprodukt wird drastisch schrumpfen

Bereits im ersten Quartal 2020 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft sein, erwarten die Institute. Das Statistische Bundesamt will die erste Schätzung zum ersten Quartal am 15. Mai vorlegen.

Im zweiten Quartal 2020 bricht es dann laut Gutachten als Folge des „Shutdowns“ um 9,8 Prozent ein. Dies sei der stärkste je seit Beginn der Vierteljahresrechnung im Jahr 1970 gemessene Rückgang in Deutschland und mehr als doppelt so groß wie jener während der Weltfinanzkrise im ersten Quartal 2009.

Erneutes BIP-Wachstum ab drittem Quartal 2020 möglich

Für 2021 sagen die Institute eine Erholung und ein Wachstum von 5,8 Prozent voraus. Die Erholung könnte dem Gutachten zufolge bereits im dritten und vierten Quartal 2020 mit einem BIP-Zuwachs von 8,5 beziehungsweise 3,1 jeweils zum Vorquartal einsetzen.

Weiter heißt es, sowohl die Lohnsumme als auch die Einkommen aus selbstständiger Arbeit und Vermögen werden im laufenden Jahr zurückgehen. Dem wirke der beschleunigte Anstieg von monetären Sozialleistungen infolge steigender Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit entgegen. Gestützt werde die Kaufkraft der privaten Haushalte im laufenden Jahr durch den geringeren Preisauftrieb, der vor allem aus dem Absturz der Rohölpreise resultiert. Die Verbraucherpreise werden in diesem Jahr laut Gutachten nur um 0,6 Prozent steigen.

 

 

Prognose: Die Entwicklung ist schwer abschätzbar

Mit der Prognose seien allerdings erhebliche Abwärtsrisiken verbunden, etwa weil sich die Pandemie deutlich langsamer abschwächen lasse – oder weil das Wiederhochfahren der wirtschaftlichen Aktivität schlechter gelingt als angenommen beziehungsweise eine erneute Ansteckungswelle auslöse.

An der Gemeinschaftsdiagnose beteiligt sind die Institute ifo, DIW Berlin, IfW Kiel, RWI Essen und IW Halle. Sie sind in ihrem Gutachten damit leicht optimistischer als Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), aber pessimistischer als die „Wirtschaftsweisen“.

Weitere Informationen

http://gemeinschaftsdiagnose.de

Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2020 von fünf Wirtschaftsforschungsinstituten

Autor

 Deutsche Presseagentur