Rente / 16.04.2021

Wirtschaftsforscher: Mehr Zuwanderung – höheres Rentenalter

Frühjahrs-Gutachten: Perspektivisch steigende Ausgaben für die Rentenversicherung spielen eine große Rolle für die Rückkehr zu soliden Staatsfinanzen.

Bild zum Beitrag "Wirtschaftsforscher raten zu Anhebung des Rentenalter". Das Bild zeigt das Logo der Gemeinschaftsdiagnose

Berlin (dpa/sth). Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute raten angesichts der in der Corona-Krise steigenden Staatsschulden und der alternden Bevölkerung zu mehr Zuwanderung und einem höheren Rentenalter in Deutschland. Es werde eine Herausforderung, die Staatsfinanzen nach der Pandemie wieder auf eine solide Basis zu stellen, heißt es in der am Donnerstag vorgelegten Frühjahrsprognose. Vor allem die perspektivisch steigenden Ausgaben für die Rentenversicherung spielten dabei eine große Rolle.

Deutschland stehe in den kommenden Jahren ein "folgenreicher demografischer Wandel" bevor, heißt es in dem 86-seitigen Gutachten. Mit dem Eintritt der Babyboomer in das Rentenalter werde die Erwerbsbevölkerung schrumpfen und der Anteil der Älteren deutlich steigen. Verschiedene Szenariorechnungen zeigten, dass ein Anstieg des Wanderungssaldos um jährlich rund 100.000 Personen oder eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre diesen Effekt zwar "leicht abmildern, aber bei weitem nicht kompensieren können".

Demografischer Wandel trübt Zukunftsperspektiven

In jedem Fall sei in den nächsten zehn Jahren mit einer "deutlichen Abschwächung des Potenzialwachstums" durch den demografischen Wandel zu rechnen, schreiben die Forscher der fünf beteiligten Forschungsinstitute. Das bedeutet: Die sinkende Zahl von Erwerbsfähigen trübt die wirtschaftlichen Zukunftsperspektiven Deutschlands. "Die eleganteste Lösung wäre eine langsame, schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters", sagte Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung (IWH). Ein höheres Rentenalter könne die Staatsfinanzen stützen, ohne bei wichtigen Zukunfts-Investitionen auf die Bremse treten zu müssen.

In der Frühjahrsprognose liest sich das so: "Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre würde die absehbare Reduktion des Potenzialwachstums um mehrere zehntel Prozentpunkte in den 2020er Jahren mildern." Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose der Institute wird zweimal im Jahr im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt, im Frühjahr sowie im Herbst. Beteiligt sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, das Ifo-Institut in München, das Institut für Weltwirtschaft Kiel, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle sowie das Essener RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Autorenbild

Autor

Stefan Thissen