Finanzen / 22.03.2018

Wirtschaftswachstum geht in die Verlängerung

Die Rentenerhöhung im Juli ist Folge eines stabilen Arbeitsmarktes. Auch in diesem Jahr sehen Wirtschaftsforscher mehr Chancen als Risiken

Wiesbaden/München (dpa/mjj) - Die deutsche Wirtschaft legt angetrieben vom weltweiten Konjunkturaufschwung und der Kauflust der Verbraucher Ökonomen zufolge in diesem Jahr noch einmal eine Schippe drauf. Die "Wirtschaftsweisen" und mehrere Forschungsinstitute rechnen 2018 mit einem etwas stärkeren Wachstum als zunächst angenommen. Löhne und Gehälter dürften so kräftig steigen wie seit langem nicht mehr.

Allerdings stößt der Aufschwung auch wegen des Arbeitskräftemangels zunehmend an seine Grenzen, wie die Experten am Mittwoch warnten. 2019 erwarten sie ein etwas geringeres Wachstumstempo. Sorgen bereitet der drohende Handelskonflikt mit den USA. Für die Fortsetzung des globalen Aufschwungs sei ein reibungslos funktionierender Welthandel von zentraler Bedeutung, argumentierte Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung - besser bekannt als die fünf "Wirtschaftsweisen".

Deutschland in einer Hochkonjunkturphase

Nach Einschätzung der "Wirtschaftsweisen" befindet sich Europas größte Volkswirtschaft in einer Hochkonjunkturphase. Sie erwarten einen Anstieg des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,3 Prozent in diesem Jahr. Im Herbst hatten die Ökonomen ein Plus von 2,2 Prozent vorhergesagt. Engpässe am Arbeitsmarkt und eine überdurchschnittliche Auslastung von Maschinen und Anlagen dürften die Wachstumsdynamik im kommenden Jahr allerdings dämpfen, erklärten die Ökonomen.

  • Für 2019 rechnet der Sachverständigenrat mit einem Plus von 1,8 Prozent. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 2,2 Prozent gewachsen. Das war das stärkste Plus seit sechs Jahren.
  • Noch optimistischer ist das Ifo-Institut. In diesem Jahr erwarten die Münchner Ökonomen einen BIP-Anstieg von unverändert 2,6 Prozent. 2019 dürften es 2,1 Prozent sein.
  • Das RWI - Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung in Essen erhöhte seine Konjunkturprognose für dieses Jahr von 2,2 auf 2,4 Prozent, für 2019 geht das Institut weiterhin von einem Plus von 1,9 Prozent aus.

Stärkste Säule des Aufschwungs bleibe der private Konsum, sagte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung voraus. Angesichts der immer besseren Lage am Arbeitsmarkt, geplanter Abgabensenkungen und zusätzlicher Leistungen der neuen Bundesregierung werde der private Konsum im kommenden Jahr um beachtliche 2,2 Prozent wachsen, dem höchsten Wert seit 1999, erklärte das Institut für Weltwirtschaft (IfW).

Steigende Gehälter sorgen für mehr Rente

Zugleich stößt das Wirtschaftswachstum in Deutschland immer stärker an seine Grenzen. Das IfW wies daraufhin, dass die Kapazitäten der Industrieunternehmen mehr als ausgelastet seien. Das hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Im Dienstleistungsbereich sei der Arbeitskräfte-Mangel der bedeutendste Hemmschuh. Auch andere Branchen litten darunter. Die Löhne und Gehälter dürften daher so stark steigen wie lange nicht mehr. Das IfW rechnet mit einem Zuwachs von 5,0 Prozent in diesem und 4,7 Prozent im nächsten Jahr. Ähnliche Zuwächse habe es zuletzt 1992 gegeben.

Steigen die Löhne und Gehälter, steigen die Chancen auf eine Rentenerhöhung. "Die für die Rentenanpassung 2018 relevante Lohnsteigerung beträgt 2,93 Prozent in den alten Bundesländern und – für die Vergleichsberechnung – 3,06 Prozent in den neuen Bundesländern", so die Deutsche Rentenversicherung. Dabei folgen die Renten den Löhnen ein Jahr später. Neben der Lohentwicklung spielen weitere Faktoren eine Rolle - die Entwicklung des rentenbeitragssatzes und der Nachhaltigkeitsfaktor. Er bildet Veränderungen im zahlenmäßigen Verhältnis von Rentenbeziehern zu Beitragszahlern ab.

Friederike Marx (dpa), Michael John