Soziales / 31.05.2019

Wohngeld: 178.000 Haushalte profitieren

Wohngeld statt Hartz IV: Wohngeld künftig für deutlich mehr Haushalte – Bisher oft Hartz IV als Aufstocker – IW fordert weitere Reform

Familie in der Küche beim Geschirrspülen. Viele Aufstocker erhalten künftig Wohngeld.

Köln (kma). Nach vier Jahren Pause erhöht der Staat nun das Wohngeld. Dadurch erhalten künftig 178.000 weitere Haushalte einen Zuschuss. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Insgesamt fließen demnach ab 2020 jährlich 1,2 Milliarden Euro in das Wohngeld. Für die IW-Forscher reicht das nicht: Sie fordern, Wohngeld all jenen zu zahlen, die zwar ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften, aber nur wegen der Wohnkosten zusätzlich auf Hartz IV angewiesen sind. Sie könnten durch das Wohngeld aus der Grundsicherung herausfallen.

Zuschuss für Haushalte mit kleinem Einkommen

Mit dem Wohngeld greift der Staat denen unter die Arme, die keinen Anspruch auf Hartz IV, aber im Vergleich zu ihren Einkommen hohe Wohnkosten haben. Das sind vor allem Haushalte mit geringem Erwerbseinkommen, kleinen Altersrenten oder Beziehern von Arbeitslosengeld I (ALG I). Der Zuschuss soll dabei helfen, die Miete oder – falls Eigentümer ihre Wohnung selbst nutzen – die monatlichen Kosten für den Kredit besser schultern zu können.

Die Höhe des Wohngeldes ist nach dem Wohngeldgesetz abhängig von der Haushaltsgröße, der Wohnkostenbelastung und dem Einkommen. Während Ende 2017 1,31 Mio. Personen Wohngeld bezogen, erhielten 5,98 Mio. Personen Leistungen nach SGB II (Arbeitslosengeld II) und 2,54 Mio. Personen nach SGB XII (Sozialhilfe). Wohngeld führe, so die IW-Studienautoren, ein Nischendasein.

Künftig greift beim Wohngeld eine Dynamik

Vier Jahre lang hat der Bund das Wohngeld nicht erhöht. Da gleichzeitig die Verbraucherpreise, Mieten und Einkommen gestiegen sind, hatten jedes Jahr weniger Menschen Anspruch auf den Zuschuss. Gleichzeitig stiegen die Hartz-IV-Sätze jährlich – folglich wechselten viele Wohngeldempfänger in die Grundsicherung, so die DIW-Forscher. Anfang 2020 steigt das Wohngeld, zudem erhöht der Staat die Bezugsgrenzen und es gibt eine Dynamik, anhand der die Leistungen alle zwei Jahre automatisch an die Mieten- und Verbraucherpreisentwicklung angepasst werden.

24.000 Haushalte künftig ohne Hartz IV

Künftig erhalten dadurch 178.000 Haushalte zusätzlich den staatlichen Zuschuss, zeigt die Studie. Demnach hätten künftig 154.000 jener Haushalte Anspruch auf Wohngeld, die bisher keinen Zuschuss erhalten haben. Weitere 24.000 Haushalte erhielten nach der Reform nicht wie bisher Grundsicherung, sondern ausschließlich Wohngeld. Insgesamt gebe es künftig rund 660.000 Haushalte, die den staatlichen Zuschuss erhalten. Dafür investiere der Bund künftig fast 1,2 Milliarden Euro pro Jahr statt bisher 860 Millionen.

IW fordert weitere Reform

„Die Reform war dringend notwendig“, sagt IW-Ökonom und Studienautor Ralph Henger. „Bisher haben in jedem Jahr, in dem die Beträge nicht angepasst wurden, tausende Haushalte den Anspruch verloren.“ Durch die Reform werden nun die Leistungen des Wohngeldes alle zwei Jahre automatisch erhöht, auch, um künftig Inflation und Mietsteigerungen fortlaufend auszugleichen. Die neue Reform geht in die richtige Richtung – wenn auch nicht weit genug: „Das Wohngeld sollte möglichst allen Haushalten zugutekommen, die zwar ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können, aber allein wegen ihrer Wohnkosten auf aufstockende Grundsicherung angewiesen sind“, sagt der IW-Ökonom.

Weitere Informationen

www.iwkoeln.de
IW-Bericht Wohngeldreform 2020 auf der Internetseite des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Magazinbeitrag auf ihre-vorsorge.de

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Autor

Katja Mathes