Gesundheit / 11.03.2021

Zeckenstich: Wer sich jetzt impfen lassen sollte

Zecken können die gefährliche FSME-Krankheit übertragen. Dagegen helfen keine Medikamente, sondern nur eine Impfung.

Zeckenstich: Wer sich jetzt impfen lassen sollte. – Impfspritze liegt auf Impfausweis.

München/Berlin (dpa/tmn). Weil die Menschen wegen Corona mehr in der heimischen Natur spazierten und zudem viele Zecken unterwegs waren, gab es 2020 einen Höchststand an FSME-Fällen in Deutschland.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine Infektionskrankheit, die im schlimmsten Fall Gehirnentzündungen auslösen und tödlich enden kann. Medikamente gegen die krankheitsauslösenden Viren gibt es nicht, aber eine Impfung.

Wem wird die FSME-Impfung empfohlen?

Allen Menschen, die in ausgewiesenen FSME-Risikogebieten wohnen oder dahin reisen und die dort vor Ort in der Natur unterwegs sind, sagt Prof. Gerhard Dobler. Er ist Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München.

Als Risikogebiete gelten in Deutschland fast gesamt Baden-Württemberg, große Teile Bayerns und Teile Hessens, Thüringens und Sachsens. Einzelne Risikogebiete finden sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und im Saarland. Insgesamt sind 169 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiete erfasst.

Wie hoch ist das FSME-Ansteckungsrisiko in Risikogebieten?

Das lässt sich nicht ganz genau sagen – während manche Regionen mehr Fälle melden, sinken sie in anderen Regionen erheblich. Insgesamt, so Experten, liegt die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich in einem Risikogebiet bei 1:50 bis 1:100. 2020 gab es in Deutschland einen neuen Höchststand an gemeldeten Fällen seit Beginn der Erfassung 2001. Mehr als 700 Menschen sind an FSME erkrankt. Unter anderem gab es im vergangenen Jahr eine extrem hohe Zeckenzahl und auch eine extrem hohe Durchseuchung der Zecken mit den Viren.

Wie läuft die Impfung konkret ab?

In drei Etappen. Nach der ersten Spritze sollte die nächste zwei Wochen bis drei Monate später erfolgen. Wer im Frühsommer geschützt sein möchte und noch nicht geimpft wurde, sollte sich also möglichst zeitnah darum kümmern.

Fünf bis zwölf Monate nach der zweiten folgt die dritte Impfdosis – dann hat man laut RKI eine Grundimmunisierung. Eine Auffrischung empfiehlt sich danach in der Regel nach drei Jahren.

Wie wirksam schützt der Impfstoff?

Laut RKI besteht nach den drei Impfdosen bei 99 Prozent der Geimpften ein vollständiger Schutz. Nach zwei Impfungen sei der Wert zwar schon bei 98 Prozent – dieser Schutz hält ohne dritte Impfung allerdings nur etwa ein Jahr an.

Kann man auch Kinder impfen?

Aus Sicht von Dobler spricht nichts dagegen, auch bei Kleinkindern nicht. Das deckt sich mit der Einschätzung des RKI. Kinder sind viel draußen und damit besonders gefährdet für Zeckenstiche.

Dennoch ist es eine Abwägung: Eine FSME-Erkrankung verliefe bei Kindern im Allgemeinen leichter als bei Erwachsenen, Impfreaktionen wie Fieber könnten nach der Spritze auftreten, erläutert das RKI auf seiner Webseite. Ob man impft, sollte man demnach wie bei Erwachsenen vom Expositionsrisiko abhängig machen.

Nützt es etwas, sich nach einem Zeckenstich zu impfen?

Mit größter Wahrscheinlichkeit nicht, so das RKI. Was unter anderem daran liegt, dass sich schützende Antikörper erst 7 bis 14 Tage nach der Impfung bilden.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst