Finanzen / 25.07.2019

Zinsen verzweifelt gesucht

Die Geldpolitik der Notenbanken soll weiter gelockert werden. Für Sparer heißt das: Zinsen wird es auch in absehbarer Zeit nicht geben.

Bild zum Thema Zinsen verzweifelt gesucht: Mädchen zählt Münzen in einem Einmachglas.

Frankfurt/Main (dpa/tmn). Massenentlassungen, Gewinnwarnungen, nachlassende Nachfrage – die Aussichten für die Konjunktur trüben sich ein. Die meisten Wachstumsprognosen dürften sich deshalb inzwischen als zu optimistisch erweisen. Hoffnungen auf eine Zinswende braucht sich daher eigentlich niemand mehr machen.

Im Gegenteil: Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert angesichts der Lage auf eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik zu. Experten vermuten, dass die EZB auf ihrer Sitzung am 25. Juli eine Senkung des Einlagezinses von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent beschließt.

Weiterhin keine Zinsen für Sparer in Sicht

Für Verbraucher hierzulande sind das keine guten Nachrichten. Zwar sind die Deutschen eifrige Sparer. Von ihrem geliebten Sparbuch wollen die meisten Bundesbürger aber nicht lassen: Wie die jährliche Statistik der Bundesbank zeigt, steckten allein bis Ende Dezember 2018 rund 2.456 Milliarden Euro in Bankeinlagen oder wurden als Bargeld aufbewahrt. Und das, obwohl Banken und Sparkassen dafür nur spärliche Zinsen bieten.

Wertverlust durch Sparzinsen unterhalb der Inflationsrate

Die Folge: Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres erlitten Sparer 15,9 Milliarden Euro an Wertverlust, wie Berechnungen der Comdirect Bank zeigen. Der Grund sind Sparzinsen, die deutlich unter der Inflationsrate liegen. Im zweiten Quartal des Jahres betrug der durchschnittliche Einlagenzins gerade einmal 0,16 Prozent. Die Inflation lag im selben Zeitraum bei 1,71 Prozent. Daraus ergibt sich ein Realzins von minus 1,55 Prozent. Die Folge: Das Geld der Sparer verliert an Wert.

Tagesgeldkonto

Doch was tun? Auf das Sparen verzichten? „Sparen bei null Prozent Zinsen ist immer noch besser, als gar nicht zu sparen“, findet Max Herbst von der FMH Finanzberatung in Frankfurt am Main. „Wer jeden Monat 100 Euro beiseitelegt, hat nach einem Jahr immerhin 1.200 Euro gespart.“

Sparer, die jederzeit über ihr Geld verfügen wollen, können dafür ein Tagesgeldkonto wählen. Eine nennenswerte Rendite gibt es aber kaum. Die Stiftung Warentest listet in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ (8/2019) 20 Angebote auf. Die Zinssätze variieren zwischen 0,25 Prozent und 0,65 Prozent.

Laut FMH gibt es zwar derzeit auch Anbieter, die 1,00 Prozent Zinsen zahlen. Allerdings sind die Zinssätze nur für vier oder sechs Monate garantiert. Häufige Wechsel beim Tagesgeld zahlen sich für Anleger nach Ansicht von Max Herbst nicht aus. „Sie müssen sich selbst die Frage beantworten, wie viel Aufwand Sie für einen Unterschied von 0,5 Prozent Zinsen betreiben wollen.“

Zinsportale: Gute Zinsen, schlechte Einlagensicherung?

Der Grund ist die Einlagensicherung. Zwar gibt es in Europa laut einer EU-Richtlinie nach einer Insolvenz 100.000 Euro Entschädigung pro Kunde und Bank. In manchen Ländern steckt aber möglicherweise zu wenig Geld in den entsprechenden Sicherungstöpfen. Anleger müssten im Ernstfall entweder lange auf ihr Geld warten oder es im schlimmsten Fall sogar ganz abschreiben. Empfehlenswert sind daher nach Ansicht der Warentester Banken aus Ländern mit guter Wirtschaftskraft.

Aktien-ETFs: Wer Vermögen bilden will, muss mehr Risiko eingehen

Wer langfristig etwas für sein Vermögen tun möchte, muss bereit sein, etwas mehr Risiko einzugehen. Die Renditeaussichten verbessern sich, wenn Tages- oder Festgeld mit einem Aktien-ETF kombiniert wird. Nach einer Studie der Bundesbank stieg zwischen 2014 und 2017 der Wert von Aktien, die Haushalte direkt hielten, um etwa 5.000 Euro beziehungsweise 13 Prozent.

Stellt sich die Frage: Sind Aktien-ETFs angesichts der trüben Konjunkturaussichten jetzt sinnvoll? „Wie sich die Kurse in naher Zukunft entwickeln werden, lässt sich nicht vorhersagen“, erklärt Nauhauser. Grundsätzlich aber gilt: Je länger der Anlagezeitraum ist, desto geringer ist das Verlustrisiko.

Das belegen auch Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI): So konnte man beispielsweise allein mit einer Investition in den Deutschen Aktienindex Dax bei einem Anlagezeitraum von 20 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 8,9 Prozent im Jahr auf das angelegte Geld erwirtschaften. Im schlechtesten Fall lag die jährliche Rendite bei 3,8 Prozent, im besten bei 15,2 Prozent.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst