Gesundheit / 14.03.2019

Zu wenig Aufklärung über Krebs-Früherkennung

Bei Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung sehen sich viele Patienten nicht genug informiert – über Vorteile und vor allem über mögliche Risiken.

Bild zum Thema: Zu wenig Aufklärung über Krebs-Früherkennung. Es zeigt einen älteren Mann im Gespräch mit einem Arzt im Sprechzimmer.

Bad Homburg/Berlin (kjs/WIdO/dpa). Teilnehmer an Krebs-Früherkennungsuntersuchungen werden zu selten oder nicht umfassend genug über den Nutzen, aber auch über mögliche Nachteile der Untersuchungen aufgeklärt. Das zeigt eine repräsentative Befragung von mehr als 2.000 gesetzlich Versicherten für den „Versorgungs-Report Früherkennung“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Vor- und Nachteile

Nur etwa 55 Prozent der teilnehmenden Frauen wurden nach eigenen Angaben über die Vorteile der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs informiert. Noch geringer war mit 25 Prozent der Anteil der Frauen, die Informationen über mögliche Nachteile der Untersuchung wie falsch positive Befunde erhielten.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei der Darmkrebs-Vorsorge. Die Information über die Nachteile der Darmspiegelung (36 Prozent) erfolgt wesentlich seltener als die Aufklärung über den Nutzen der Untersuchung (75 Prozent).

Nur bei der Brustkrebs-Früherkennung war nach der Befragung das Verhältnis ausgewogen. Jeweils etwa die Hälfte der teilnehmenden Frauen berichtete, dass sie über Nutzen (52 Prozent) beziehungsweise Nachteile (47 Prozent) aufgeklärt worden seien.

Ärzte sollen Nutzen und Risiken stärker vermitteln

In der Studie heißt es einschränkend, eventuell hätten sich Teilnehmer nicht mehr korrekt an die Untersuchungssituation erinnern können. Die Ergebnisse spiegelten aber die Schwierigkeit wider, ein ausreichendes Maß an Aufklärung zu erreichen, das von den Versicherten auch wahrgenommen wird. Der Chef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, rief Ärzte auf, Nutzen und Risiken den Patienten noch stärker zu vermitteln.

Informationen aus dem Internet und vom Hausarzt

Der Nationale Krebsplan hatte bereits im Jahr 2010 das Ziel formuliert, die Versicherten zu einer Entscheidung unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile zu befähigen. Die Befragung zeigt, dass sich die Versicherten vor allem per Internet über das Thema Früherkennung informieren. Dies geben 51 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer an. Eine fast ebenso große Rolle spielt der Hausarzt. 40 Prozent der befragten Frauen und 50 Prozent der Männer nennen ihn als Informationsquelle.

Jeder fünfte Versicherte ab 60 wird nicht erreicht

Neben Defiziten bei der Aufklärung macht der „Versorgungs-Report Früherkennung“ auch transparent, wie viele AOK-Versicherte die Früherkennungs-Untersuchungen wirklich regelmäßig in Anspruch nehmen.

Nach der Langzeit-Auswertungen nahmen 78 Prozent der Versicherten über 60 zwischen 2007 und 2016 entweder den Stuhltest, die Darmspiegelung (Koloskopie) oder die Beratung zur Darmkrebs-Früherkennung in Anspruch. Das bedeutet, dass jeder Fünfte ältere Anspruchsberechtigte überhaupt nicht vom Darmkrebs-Screening erreicht wurde, so das WIdO.

An der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs nahmen im gleichen Zeitraum 85 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen zwischen 30 und 49 Jahren regelmäßig teil. 15 Prozent ließen die Untersuchung dagegen nur selten oder gar nicht durchführen.

Grundsätzliche Ablehnung der Mammografie

Bei der Brustkrebs-Früherkennung per Mammografie wurden die Zeiträume von 2007 bis 2009 und 2014 bis 2016 verglichen, um ein realistisches Bild der Teilnahme im Zeitverlauf zu bekommen. In diesem Zeitraum stieg der Anteil der Frauen, die eine Mammografie erhielten, um fünf Prozentpunkte auf 61 Prozent an. Gleichzeitig belegt die Auswertung, dass 22 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen von 60 bis 69 Jahren zwischen 2007 und 2016 gar nicht an der Mammografie teilnahmen. So gibt jede fünfte Frau, die nach eigenen Angaben nicht zur Mammografie gegangen ist, grundsätzliche Ablehnung als Erklärung an.

Häufiger Grund für Nicht-Teilnahme: Beschwerdefreiheit

Im Falle der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs spielt Ablehnung dagegen nur bei 6 Prozent der Nicht-Teilnehmerinnen eine Rolle, im Falle der Darmkrebs-Vorsorge nur bei 5 Prozent der Nicht-Teilnehmer. Bei diesen beiden Untersuchungen nennen die Befragten sehr viel häufiger die Beschwerdefreiheit als Begründung für die Nicht-Teilnahme (45 Prozent bei Gebärmutterhalskrebs und 44 Prozent bei Darmkrebs), während diese Begründung bei der Mammografie deutlich seltener angegeben wurde.

Weitere Informationen:

 

Für die Umfrage im Auftrag des Wissenschaftlichen Instituts der AOK befragte das Institut Ipsos Public Affairs vom 1. Juni bis 3. August vergangenen Jahres 2012 gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren. Fragen lauteten u.a.: "Hat ein Arzt/eine Ärztin mit Ihnen über den Nutzen der Untersuchung gesprochen?"; "Haben Sie von möglichen Nachteilen erfahren?"

www.wido.de

„Versorgungs-Report Früherkennung“ zum kostenlosen Download

www.aok-bv.de

Pressematerial

www.aok-bv.de

Umfrageergebnisse

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Autor

 Deutsche Presseagentur