Gesundheit / 12.08.2021

Zuversicht antrainieren

In einer schwierigen Lebenssituation wieder Hoffnung zu schöpfen, ist leichter gesagt als getan. Wie gelingt es trotzdem, wieder Mut zu fassen?

Zuversicht antrainieren. – Frau sitzt auf einem Klappstuhl im Freien und schaut in den Abendhimmel.

Mannheim/Berlin (dpa/tmn). Ein Schicksalsschlag oder eine schwere Erkrankung: Beides kann einem Menschen stark zusetzen. In der Tat ist es schwer, etwa den unerwarteten Tod eines nahen Angehörigen oder beispielsweise einen Jobverlust zu verarbeiten. Für Betroffene ist es oft, als fielen sie in ein tiefes Loch. Dort gilt es wieder herauszukommen und neue Lebensfreude zu schöpfen. „Hoffnung und Zuversicht können enorm viel bewirken“, sagt die Mannheimer Psychotherapeutin Doris Wolf. Beides sind Machtfaktoren. „Sie beeinflussen unsere Gefühle, unseren Körper und unser Verhalten positiv.“

Schicksalschlag oder Krankheit verursachen Stresszustand

So sieht es auch Karsten Noack, Coach und Berater aus Berlin. „Ein Schicksalsschlag oder eine schwere Erkrankung versetzen den eigenen Körper in eine Art Stresszustand“, sagt er. Hoffnung und Zuversicht tragen dazu bei, aus diesem Zustand herauszukommen. „Sie lassen uns das Leid leichter ertragen“, beschreibt es Doris Wolf. Denn da ist der Glaube, dass es einem wieder besser gehen wird.

So entstehen Hoffnung und Zuversicht

Hoffnung und Zuversicht sind Stimmungsaufheller, Betroffene sind motiviert. „Sie verspüren Energie, die notwendigen Schritte auf dem Weg zur Besserung und Heilung zu machen“, sagt Wolf. Man habe ein Bild vor Augen, wie es sein könnte, wenn es besser sei, erklärt Karsten Noack. Aus seiner Sicht stehen sich Menschen mitunter auch selbst im Weg. „Die Entscheidung, wie wir uns fühlen, treffen wir selbst.“

Mitunter reicht es schon, sich nicht einfach als Opfer zu sehen, sondern gegenzusteuern und aktiv zu werden. Dadurch, dass man das Ruder in die Hand nimmt, bestärkt man sich selbst in der Zuversicht, zu einer Lösung zu kommen. „Hoffnung entsteht durch unsere Gedanken“, erklärt Wolf. Man spricht mit sich, sagt sich, dass man durchhalten kann, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt.

Helfen kann, sich an brenzlige Situationen zu erinnern, die gut ausgegangen sind – oder an entsprechende Erlebnisse von anderen. Auch indem man den Blick auf die eigenen Kräfte und Möglichkeiten lenkt, entsteht Mut. „Man macht sich klar, was man schon alles bewältigt hat“, so Wolf. Ebenfalls wichtig: Sich Gründe geben, warum es sich lohnt, weiterzukämpfen. Für die Kinder, für den Ehemann oder die Ehefrau, für den Freund oder die Freundin.

Verstärkung suchen

Hoffnung schöpfen, sich zuversichtlich zeigen – das lässt sich antrainieren. Im Laufe eines Lebens können immer wieder Situationen auftreten, die Krisenpotenzial haben. Um sich für solche Situationen zu wappnen oder auch um einen Weg aus einem aktuellen Tief zu finden, kann es hilfreich sein, sich etwa einen Psychotherapeuten oder eine Mental-Trainerin zu suchen. „Mit ihm oder ihr lassen sich beispielsweise bestimmte Visualisierungstechniken erlernen“, sagt Noack.

Wer eine solche Technik oder zum Beispiel Selbst-Hypnose beherrscht, kann sich in schweren Lebenssituationen oft selbst helfen. Auch Achtsamkeitsübungen in Form von „Den Blick in sich hinein richten“ können ein Weg sein.

Karsten Noack nennt ein Beispiel: Jemand ist frustriert, weil etwas nicht funktioniert hat. Jetzt heißt es, den Fuß vom Gaspedal nehmen und reflektieren, was passiert ist. Wie konnte es sein, dass es so schlecht lief? Was sind meine Ziele, welche Werte habe ich und welche Fähigkeiten?

„Wer sich das alles bewusst macht und daran anknüpft, setzt Energie frei, die zu Hoffnung und Zuversicht führen kann“, so Noack. Darüber hinaus kann das kritische Hinterfragen der eigenen Gedanken zielführend sein. „Mitunter reicht es schon, die geringste Wahrscheinlichkeit als Grund zu nehmen, an seine Rettung zu glauben“, sagt Doris Wolf. Oder sich darauf zu konzentrieren, welche Handlungsmöglichkeiten in dieser Situation noch zur Verfügung stehen.

Kleine Ziele setzen

Gemeinsam stark sein und es schaffen: Auch das Zusammentun und der Austausch mit anderen Betroffenen kann Kraft geben. „Wer sich lebendig in der Fantasie ausmalt, dass man bereits die Situation überwunden hat, macht sich ebenfalls selbst zuversichtlich“, sagt Wolf. Das kann auch gelingen, wenn man sich ganz kleine Ziele setzt, die er oder sie bewältigen kann, und sich dann den Erfolg vor Augen führt. Vielleicht findet man auch etwas Positives an der Situation.

Warum es sich lohnt, stets Hoffnung und Zuversicht zu bewahren? „Einfach ausgedrückt: Wunder gibt es immer wieder“, sagt Wolf. Manchmal geschehe, was man für unwahrscheinlich oder gar unmöglich gehalten habe. „Es wurde beispielsweise festgestellt, dass Menschen, die trotz unheilbarer Krankheit noch unbedingt die Hochzeit ihres Kindes miterleben wollen, tatsächlich bis zu dem Ereignis leben.“

Autor

 Deutsche Presseagentur