Gesundheit / 09.04.2018

Zweifel an Zukunft der Gesundheitskarte

AOK-Bundesverband hält Technik für veraltet und will Datenhoheit beim Patienten, ähnlich wie beim Online-Banking.

Bad Homburg/Berlin (kjs). Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) hat aus Sicht des AOK-Bundesverbandes keine Zukunft mehr. Das erklärte kürzlich der AOK-Vorstandsvorsitzende Martin Litsch in einem Gespräch mit der „Rheinischen Post".

Hintergrund für dieses Urteil ist nach seiner Ansicht, dass die Technologie für die eGK aus den 90er Jahre stamme, viel koste und nur wenig nutze. Das ganze Vorhaben sei längst überholt.

In den vergangenen 20 Jahren habe die Entwicklung der eGK den Krankenkassen und damit den Beitragszahlern rund 2 Milliarden Euro gekostet.

Sicherheit und Transparenz

Zur Steuerung und Koordinierung des Entwicklungsprozesses hatte der Gesetzgeber eigens die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte „gematik“ gegründet.

Nach Meinung von Litsch sollte die „gematik“ künftig nur die Rahmenbedingungen für Sicherheit, Transparenz und Anschlussfähigkeit schaffen und darauf hinwirken, dass internationale Standards inhaltlich beispielsweise für Patientenakte und Medikationsplan genutzt werden.

Daten-Souveränität

Auch die vorgesehene Verwaltung der Daten wird aus Sicht der AOK modernen Anforderungen nicht mehr gerecht. Es sei unrealistisch, dass die Patienten ihre Daten nur in Arztpraxen einsehen könnten.

Litsch fordert die volle Souveränität der Patienten, so dass sie jederzeit Zugriff auf ihre Daten haben müssen, auch mobil über ihr Smartphone.

Digitales Netzwerk im Test

Die AOK entwickelt zurzeit ein digitales Gesundheitsnetzwerk, das in Mecklenburg-Vorpommern pilotiert werde. Ähnlich wie beim Online-Banking sind die Gesundheitsdaten von Versicherten geschützt.

Die Datenhoheit liege ausschließlich beim Patienten. Der Versicherte bekomme zudem die Möglichkeit, die Informationen für andere Ärzte freizugeben.

Autor

Karl-Josef Steden