Altersvorsorge und Steuern

Heute sparen – morgen zahlen. Staatlich geförderte Altersvorsorge funktioniert nach dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Das hat Vor- und Nachteile....

Sparschwein, Taschenrechner und mehrere Geldmünzenstapel. – Bildnachweis: gettyimages.de © Sawitreel.yaon

Nachgelagerte Besteuerung

Wie das Gehalt aus dem Arbeitsleben oder Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit werden auch für Renten (und auch für andere Altersbezüge) Steuern fällig. Zu 100 Prozent werden die Renten aber erst ab 2040 besteuert. Bis dahin erhöht sich der Anteil der Rente, von dem Steuern abgezogen werden, Schritt für Schritt. Dabei gilt das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Zwar werden Renten versteuert, dafür sind für Berufstätige die Beiträge zur Basis-Altersvorsorge bis zu einem Höchstbetrag steuerfrei.

Das gilt nicht nur für die Auszahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch für

  • Renten aus berufsständischen Versorgungseinrichtungen,
  • Bezüge aus einer privaten kapitalgedeckten Leibrentenversicherung (Rürup-Rente) und
  • Renten aus landwirtschaftlichen Alterskassen.

Wer 2017 in den Ruhestand geht und zum ersten Mal Renten aus einer Basisversorgung bezieht, muss diese zu 74 Prozent versteuern. Für jeden neuen Rentnerjahrgang steigt der Besteuerungsanteil zunächst um zwei Prozentpunkte: Wer also 2018 in Rente geht, muss 76 Prozent seiner Basisversorgung versteuern. Ab dem Jahr 2020 steigt der Besteuerungsanteil in Ein-Prozent-Schritten, bis 2040 Renten zu 100 Prozent besteuert werden.

Ganz wichtig: Wie viel von der Rente besteuert wird, wird für jeden Rentner individuell bis zum Lebensende festgeschrieben – und zwar in Form eines Freibetrags in Euro und Cent.

Andere Rentenarten

Für Renten, die schon vor 2006 begonnen haben, beträgt der Besteuerungsanteil 50 Prozent. Als Rente im Sinne des Finanzamtes gilt die Bruttorente; also vor Abzug des Eigenanteils zur Kranken- und Pflegeversicherung. Ebenfalls nachgelagert besteuert werden Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten.

Auszahlungen aus Risikoversicherungen – also beispielsweise aus Risikolebensversicherungen, privaten Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen – werden dagegen mit dem günstigeren Ertragsanteil besteuert. Hier gilt: Je früher die Rente beginnt und je jünger man ist, desto höher der steuerpflichtige Ertragsanteil. Rentenzahlungen aus der staatlich geförderten Riester-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge sind in voller Höhe steuerpflichtig.

Tipp: In puncto Kapitallebensversicherung gilt: Wurde der Vertrag vor dem 31.12.2004 geschlossen, ist die Auszahlung in voller Höhe steuerfrei. Bei Neuverträgen ab 2005 müssen die Zahlungen (Versicherungsleistung abzüglich eingezahlter Beiträge) als Einkünfte aus Kapitalvermögen versteuert werden.

Steuerfrei bleiben dagegen

  • Zahlungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung,
  • Kriegs- und Schwerbeschädigtenrenten,
  • Wiedergutmachungsrenten,
  • Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB XII).

Steuererklärung für Rentner

Zwar sind Renten nach den nun geltenden Steuervorschriften steuerpflichtig; das heißt aber noch lange nicht, dass jetzt alle Rentner Steuern zahlen müssen. Als Ruheständler kann man wie jeder andere Steuerpflichtige einiges von seinen Einkünften abziehen: zunächst einmal einen Grundfreibetrag, den es für alle Steuerzahler gibt. Derzeit beläuft sich dieser Freibetrag auf 8.820 Euro, 2018 steigt er um 180 Euro auf 9.000 Euro.

Wer über diesem Freibeträgen liegt, muss eine Steuererklärung abgeben. Ob ein Rentner künftig Steuern zahlen muss, hängt auch davon ab, welche sonstigen Einkünfte er noch hat. Denn mancher Ruheständler hat neben den Bezügen aus der gesetzlichen Rentenversicherung Einnahmen aus einer Eigentumswohnung, einem privaten Vorsorgeprodukt oder Zinserträgen.

Ausfüllen der Anlage R

Da Renten unterschiedlich besteuert werden, ist die Anlage R in drei Teile aufgeteilt: In den Zeilen 4 bis 13 (auf der Vorderseite) tragen Sie die Zahlungen aus

  • gesetzlichen Renten,
  • berufsständischen Versorgungswerken,
  • Rürup-Renten oder
  • landwirtschaftlichen Alterskassen

ein. In die Zeile „Rentenanpassungsbetrag“ gehören mögliche jährliche Rentenerhöhungen (diese sind in voller Höhe steuerpflichtig und nicht nur mit dem Besteuerungsanteil). In die Zeilen 14 bis 19 (auf der Vorderseite des Formulars) schreiben Sie die Beträge, die Sie aus privaten Renten- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen erhalten.

In die Zeilen 31 bis 49 (auf der Rückseite der Anlage) gehören Leistungen aus

  • Betriebs-Renten,
  • Riester-Renten,
  • Zusatzversorgungen des öffentlichen Dienstes.

Bei den Beträgen kann man sich nach den Leistungsmitteilungen der jeweiligen Rentenstelle richten.

Steuertipps für Rentner

Genau wie Arbeitnehmer und andere Steuerzahler dürfen auch Rentner Werbungskosten von ihren Einkünften abziehen. Für Rentner gibt es einen Werbungskosten-Pauschbetrag von 102 Euro pro Jahr. Wenn man in der Anlage R keine Werbungskosten einträgt, berücksichtigt der Finanzbeamte den Pauschbetrag automatisch.

Werbungskosten im Zusammenhang mit Renten können beispielsweise sein:

  • Ausgaben für einen Renten- oder Versicherungsberater,
  • Kontoführungsgebühren,
  • Steuerberatungskosten (soweit sie Ihre steuerpflichtigen Einkünfte betreffen),
  • Ausgaben für Rechtsberatung und Prozesskosten (im Zusammenhang mit der Rente, etwa bei der Beantragung).

Wichtig: Wenn für den letzten Punkt Kosten angefallen sind, ist dies meist schon Jahre vor der ersten Rentenzahlung der Fall. Man kann diese Beträge dann als „vorweggenommene Werbungskosten“ für die späteren Renteneinkünfte ansetzen.

Für eine Übergangszeit gibt es außerdem noch den sogenannten Altersentlastungsbetrag, der jeweils nach Geburtsjahren gestaffelt ist. Diese Vergünstigung gilt jedoch nur für andere Einkünfte, nicht für Renten und Pensionen. Man muss also alle sonstigen Einkünfte ermitteln – wie Zinsen aus Kapitalvermögen, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung etc. – und darf davon den Altersentlastungsbetrag abziehen.

Ob mit oder ohne Altersentlastungsbetrag: Von der Gesamtsumme der Einkünfte hat man noch weitere Abzugsmöglichkeiten, nämlich bei den Sonderausgaben und den außergewöhnlichen Belastungen:

Sonderausgaben
Versicherungsbeiträge für Kranken- und Pflegeversicherung kann man als sonstige Vorsorgeaufwendungen geltend machen. Weitere Sonderausgaben sind zum Beispiel:

  • Spenden
  • gezahlte Kirchensteuer

Außergewöhnliche Belastungen

Hier kann man beispielsweise ansetzen:

  • Ausgaben für eine Haushaltshilfe,
  • Kosten für das Alters- oder Pflegeheim,
  • Krankheitskosten,
  • Ausgaben, die durch eine Behinderung entstehen (zum Beispiel für Hilfsmittel).

Wichtig: Bei den außergewöhnlichen Belastungen wird ein zumutbarer Eigenanteil angerechnet. Die Eigenbelastung beträgt zwischen 1 und 7 Prozent, je nach dem Gesamtbetrag der Einkünfte und nach der Zahl der noch unterhaltsberechtigten Kinder beziehungsweise des Familienstandes.

Wer in einem Wohnheim einen eigenen kleinen Haushalt führt – etwa im Betreuten Wohnen –, kann auch 20 Prozent der Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen bei der Steuererklärung abziehen, und zwar bis zu einem Höchstbetrag von 20.000 Euro (also maximal 4.000 Euro Steuerabzug).

Vorsorgen und Steuern sparen

Die Vorsorgeaufwendungen für die Basisversorgung, also die Einzahlungen, sind für Berufstätige auch erst im Jahr 2025 komplett steuerfrei. Bis dahin steigt er alle zwei Jahre um zwei Prozent und liegt 2017 bei 84 Prozent. Die Absetzbarkeit ist allerdings bei einem Maximalbetrag gedeckelt.

Der Höchstbetrag lag bis 2014 noch bei 20.000 Euro für Alleinstehende oder 40.000 Euro für Eheleute. Seit 2015 ist der Altersvorsorgehöchstbetrag variabel und gekoppelt an den Höchstbeitrag in der knappschaftlichen Rentenversicherung, aufgerundet auf einen vollen Euro-Betrag. Im Jahre 2017 gilt der Höchstbetrag von 23.362 Euro – 84 Prozent davon wirken sich steuermindernd aus, also 19.624 Euro.

Das gilt für:

  • Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung,
  • Rürup-Renten,
  • berufsständische Versorgungswerke (bei Selbstständigen),
  • landwirtschaftliche Alterskassen

Für die Beiträge zur Altersvorsorge gibt es ein extra Formular, die Anlage „Vorsorgeaufwand“. Hier können Steuerzahler auch ihre sonstigen Vorsorgeaufwendungen geltend machen, etwa für

  • Erwerbs- und Berufsunfähigkeitspolicen,
  • Unfall-, Haftpflicht- und Risikolebensversicherungen,
  • Renten- und Kapitallebensversicherungen (Altverträge vor 2005).

Nicht abziehbar sind dagegen

  • Beiträge zu Renten- und Kapitallebensversicherungen ab 2005,
  • Kosten für Bausparverträge oder auch
  • Beiträge in eine Direktversicherung oder
  • Pensionskasse, wenn sie steuerlich gefördert sind.

Beiträge für die Riester-Rente werden auf der Rückseite des neuen Formulars eingetragen. Das Finanzamt prüft dann jeweils, ob die staatliche Zulage oder der Sonderausgabenabzug bei der Steuer günstiger ist.

Tabelle: Übersicht Besteuerung von Alterseinkünften

Übersicht Besteuerung von Alterseinkünften
Rentenart Produkt Steuern
(sofern Einkünfte über dem Grundfreibetrag)
Sozialabgaben (Kranken- und Pflegeversicherung)
Gesetzliche Rente x 1) x
Riester-Rente x -
Betriebsrenten (ab 2005)


Brutto-Entgeltumwandlung x x
Netto-Entgeltumwandlung x -
Mit Riester-Förderung (bis 2018) x x
Mit Riester-Förderung (ab 2018) x -
Betriebsrenten (vor 2005 geschlossene Verträge)

Direktversicherung x 2) x
Pensionskasse x 3) x
Rürup-Rente x 1) - 4)
Ungeförderte Vorsorgeverträge


Lebensversicherungen (vor 2005 abgeschlossen) - 5) - 4)
Lebensversicherung (ab 2005 abgeschlossen) x 6) - 4)
Private Rentenversicherungen x 7) - 4)
Beamtenpension x x
Kapitalerträge aus Fondsparplänen, Aktien etc. x -
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung x -


1) Nachgelagerte Besteuerung; stufenweise Steigerung des zu versteuernden Anteils der Rente bis 2040 (dann 100 Prozent)
2) Bei Kapitalauszahlung nach mindestens 12 Jahren Laufzeit steuerfrei; bei Auszahlung als monatliche Leibrente wird der Ertragsanteil versteuert.
3) Voll steuerpflichtig für Zahlung aus steuerfreien Beiträgen; für Auszahlungen aus pauschal besteuerten Einzahlungen (bis 2004 pauschal 20 %) wird der Ertragsanteil versteuert.
4) Außer freiwillig gesetzlich Krankenversicherte
5) Steuerfrei bei Einmalzahlung, wenn die Versicherung bei Auszahlung mindestens zwölf Jahre lief und mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt wurden. Bei Auszahlung als Leibrente wird der Ertragsanteil besteuert.
6) Erträge bei Auszahlung zur Hälfte steuerfrei, wenn der Vertrag 12 Jahre lief und die Summe frühestens mit Vollendung des 60. Lebensjahrs (bei Vertragsabschluss nach 2012 erst nach dem 62. Geburtstag) ausgezahlt wird. Bei Auszahlung als Leibrente wird der Ertragsanteil besteuert.
7) Da Auszahlung als Leibrente, wird der Ertragsanteil besteuert.
8) Abgeltungssteuer von 25 Prozent, sofern die Erträge über dem Sparerfreibetrag liegen. Freistellungsaufträge einreichen!

Steuerhilfen

  • Die BroschüreInformationen zum Steuerrecht“ von der Deutschen Rentenversicherung gibt es kostenlos in jeder Beratungsstelle oder im Internet (www.deutsche-rentenversicherung.de).
  • Steuer-Software kostet je nach Leistungsumfang zwischen 15 und 50 Euro. Meist müssen Jahres-Lizenzen gekauft werden. Der Vorteil der Programme ist der Datenübertrag ins nächste Jahr – das erspart in der Praxis viel Arbeit.
  • Aus dem Haus der Stiftung Warentest stammt der gut verständliche Ratgeber „Steuererklärung für Rentner 2016/2017“. Preis: 14,90 Euro (ISBN: 978-3-86851-391-2 ). Zu bestellen bei der Stiftung Warentest und unter www.test.de.
  • Lohnsteuerhilfevereine helfen bei der Abfassung der Steuererklärung. Mehr Infos gibt es unter www.bdl-online.de oder www.nvl.de.

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