Erwerbsminderungsrente bei Krankheit oder Behinderung

Wer wegen eines Unfalls oder einer chronischen Krankheit nicht mehr als sechs Stunden arbeiten kann, kann Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente haben.

Ein Mann im Rollstuhl. Bildnachweis: wdv © Lauer. Jan

Die Bedingungen im Überblick

Welche Erwerbsminderungsrente Betroffenen zusteht, hängt von ihrem verbliebenen Leistungsvermögen ab. Das beurteilen Experten der Deutschen Rentenversicherung, nachdem man dort einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente gestellt hat.

Volle Erwerbsminderungsrente

Wer weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann, erhält die volle Erwerbsminderungsrente. Wer zusätzlich zur Rente ein Gehalt bekommt, muss die Hinzuverdienstgrenzen beachten. Bei der vollen Erwerbsminderungsrente liegt diese bei 6.300 Euro brutto im Jahr (14 mal 450 Euro). Wenn das Gehalt darüber liegt, wird die Rente gekürzt oder – je nach Gehalt – möglicherweise nicht mehr gezahlt. Berechnet wird die Höhe der Hinzuverdienstgrenze von der Deutschen Rentenversicherung. Dort kann man sich auch kostenlos beraten lassen (Telefon 0800 1000 4800).

Teilweise Erwerbsminderungsrente

Die teilweise Erwerbsminderungsrente bekommt, wer zwischen drei und weniger als sechs Stunden arbeiten kann. Arbeitslose, die wegen Krankheit oder Behinderung nur zwischen drei und weniger als sechs Stunden arbeiten könnten, haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sie bekommen deshalb auch die volle Erwerbsminderungsrente.

  • Tipp: Für die Deutsche Rentenversicherung gilt der Grundsatz Reha vor Rente“. Das heißt: Die Rentenversicherung prüft zunächst, ob eine medizinische oder berufliche Reha die Erwerbsfähigkeit der Betroffenen wieder herstellen kann. Ziel ist es, Betroffene möglichst lange im Berufsleben zu halten.

Hinzuverdienstgrenze: Was man nebenbei verdienen darf

Die Hinzuverdienstgrenze für Erwerbsminderungsrentner wird individuell berechnet und richtet sich nach der Höhe der Beiträge, die in den vergangenen drei Jahren an die Rentenversicherung gezahlt wurden (Entgeltpunkte). Wer mehr verdient, bekommt nur einen Teil der vollen Rente. Unter Umständen fällt die Rentenzahlung sogar ganz weg. Weil die Berechnung komplex ist, sollte man sich in den Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung oder am Service-Telefon unter 0800 1000 4800 beraten lassen – bevor man einen Arbeitsvertrag schließt.

Alle Erwerbsminderungsrenten werden höchstens bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze gezahlt. Diese steigt je nach Geburtsjahr bis zum 67. Lebensjahr an.

Auch auf die Beiträge kommt es an

Neben den medizinischen gibt es auch versicherungsrechtliche Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente.

  • Wer einen Antrag stellt, muss die Wartezeit von mindestens fünf Jahren in der Rentenversicherung erfüllt haben, also fünf Jahre rentenversichert sein. Davon müssen mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt worden sein.
  • Beitragszeiten können der Bezug von Kranken-, Arbeitslosen- oder Übergangsgeld sein, im Zeitraum vom Januar 2005 bis Dezember 2010 auch Arbeitslosengeld II, außerdem Kindererziehungszeiten oder Pflege von Angehörigen.
  • Zeiten aus einem Versorgungsausgleich bei Scheidung oder aus einem Minijob zählen genauso wie Zeiten aus dem Rentensplitting.
  • Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Wartezeit auch vorzeitig erfüllt sein.

Zurechnungszeit erhöht Rente

Damit auch jüngere Leute mit entsprechend weniger Beitragsjahren eine ausreichend hohe Erwerbsminderungsrente bekommen, wird für sie eine Zurechnungszeit zur tatsächlichen Versicherungszeit hinzugerechnet. Das heißt, Erwerbsgeminderte werden so gestellt, als ob sie mit ihrem bisherigen durchschnittlichen Einkommen bis zum 62. Geburtstag weitergearbeitet hätten. Für Renten, die ab Januar 2018 beginnen, steigt die Zurechnungszeit bis 2024 stufenweise bis zum 65. Lebensjahr. Betroffene sollen stufenweise bis 2024 so gestellt werden, als wenn sie bis zum Alter von 65 Jahren gearbeitet hätten.

Außerdem werden die letzten vier Jahre vor Eintritt der Erwerbsminderung bei der Bewertung der Zurechnungszeit nicht berücksichtigt, wenn dies für den Versicherten günstiger ist. Das heißt: Wer wegen seiner Erkrankung keine Überstunden mehr machen konnte, in Teilzeit gewechselt ist oder lange Krankheitszeiten hat, muss sich keine Sorgen machen, dass sich dies negativ auf die Rentenhöhe auswirkt.

Nicht nur im erlernten Beruf arbeiten

Im Unterschied zu älteren Versicherten gilt für alle, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind: Es gibt keinen Berufsschutz mehr. Bis Ende 2000 hatten qualifizierte Arbeitnehmer, die ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben konnten, einen Anspruch auf Berufsunfähigkeitsrente. Ungelernte Arbeitnehmer hatten diese Möglichkeit nicht.

Seit 2001 gilt für alle Arbeitnehmer das gleiche Recht: Für die Bewilligung der Rente ist nur noch die verbliebene Leistungsfähigkeit ausschlaggebend – unabhängig vom ausgeübten Beruf. Unter Umständen muss daher ein qualifizierter Arbeitnehmer, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann, auch einen weniger qualifizierten Job annehmen.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Weitere Informationen gibt es auf www.deutsche-rentenversicherung.de oder unter der kostenlosen Servicenummer 0800 1000 4800.

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