Flexirente: Rente und Nebenjob

Die Flexirente soll den Übergang in die Rente flexibler und das Weiterarbeiten über die reguläre Altersgrenze hinaus attraktiver machen.

Flexirente

Video: So funktioniert die Flexirente

Was die Flexirente bringt

Im Herbst 2016 hat der Bundestag das "Gesetz zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand und zur Stärkung von Prävention und Rehabilitation im Erwerbsleben" – kurz: Flexirentengesetz – beschlossen. Das Flexirentengesetz bietet älteren Beschäftigten seit Anfang 2017 mehr Anreize als zuvor, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten: mit einer flexiblen Teilrente (auf Wunsch bis zu 99 Prozent der Vollrente) oder mit der Möglichkeit, ab der Regelaltersgrenze neben dem Bezug der vollen Rente noch weiterzuarbeiten und in dieser Zeit zusammen mit dem Arbeitgeber weitere Rentenbeiträge zu zahlen. Dadurch steigt der Rentenanspruch zusätzlich zur jährlichen Rentenanpassung. Zudem können Beschäftigte jetzt bereits ab dem 50. Lebensjahr freiwillige Sonderbeiträge an die Rentenversicherung zahlen, um eventuell schon vor der Regelaltersgrenze ohne Abschläge in Rente gehen zu können. In den folgenden Abschnitten erläutern wir die neuen Möglichkeiten.

Vorzeitiger Rentenbeginn und Nebenjob

Wer das frühestmögliche Rentenalter erreicht hat – derzeit bei langjährig Versicherten in der Regel den Monatsersten nach dem 63. Geburtstag –, kann ab diesem oder einem persönlich gewünschten späteren Zeitpunkt eine Vollrente (mit Abschlägen) oder eine Teilrente mit verbesserten Hinzuverdienstmöglichkeiten in Anspruch nehmen.

Konkret heißt das: Seit 1. Juli 2017 können Versicherte, die vor der persönlichen Regelaltersgrenze in Rente gehen, bis zu 6.300 Euro (= 14 x 450 Euro) brutto pro Kalenderjahr hinzuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Dieser Hinzuverdienst ist auch innerhalb weniger Monate eines Kalenderjahres erlaubt. Wer mehr verdient, bekommt 40 Prozent der Differenz von Verdienst und Freibeitrag angerechnet.

  • Beispiel: Ein Rentner mit einer Jahresrente von 12.000 Euro (also 1.000 Euro monatlich) verdient 9.000 Euro jährlich hinzu. Von der Differenz zwischen dem Hinzuverdienst von 9.000 Euro und dem Freibetrag von 6.300 Euro (= 2.700 Euro) werden 40 Prozent (= 1.080 Euro) von der Rente gekürzt.

Ist die Summe aus der gekürzten Rente und dem Hinzuverdienst höher als das bisherige Arbeitseinkommen, gilt: Der darüber liegende Hinzuverdienst wird zu 100 Prozent auf die verbliebene Rente angerechnet. Dabei wird das höchste Einkommen der letzten 15 Kalenderjahre zugrunde gelegt.

 

Vorteile

Bis Juni 2017 waren die Möglichkeiten zum Bezug einer Teilrente sehr eingeschränkt. Sie richteten sich u.a. nach der individuellen Höhe des im Berufsleben durchschnittlich erzielten Verdiensts und nach dem Anteil der Rente, die man in Anspruch nehmen wollte. Das war ohne eine Beratung bei der Rentenversicherung kaum zu berechnen.

Die neue Regelung schafft hier "gleiches Recht für alle": Jede und jeder Versicherte, die oder der bereits Anspruch auf eine Altersrente hat, darf jetzt bis zu 6.300 Euro jährlich ohne Rentenkürzung zur Rente hinzuverdienen; bei einem höheren Verdienst werden 40 Prozent des darüber liegenden Betrags angerechnet.  

Arbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus

Wer seine Regelaltersgrenze erreicht hatte, konnte zwar schon vor 2017 neben der Rente unbegrenzt hinzuverdienen. Die für den Nebenverdienst gezahlten Rentenbeiträge des Arbeitgebers (der arbeitende Rentner war nicht mehr beitragspflichtig) erhöhten die Rente jedoch nicht mehr. Jetzt steigern die Arbeitgeberbeiträge für den Nebenverdienst die Rente, wenn auch der Arbeitnehmer selbst nach einer entsprechenden Erklärung gegenüber dem Chef Rentenbeiträge zahlt. Durch diese Rentenbeiträge erhöht sich die Rente ab der Rentenanpassung im darauffolgendem Jahr zusätzlich.

Diese Möglichkeit gibt es weiterhin: Wer den Rentenbeginn über die Regelaltersgrenze hinaus verschiebt, bekommt pro Monat einen Rentenzuschlag von 0,5 Prozent. Im Jahr sind das also sechs Prozent. Zudem erhöht sich die Rente durch die während der weiteren Beschäftigung gezahlten Beiträge.

 

Vorteile:

In der Vergangenheit verfielen die – gesetzlich vorgeschriebenen – Rentenbeiträge der Arbeitgeber für Rentner, die neben der vollen Altersrente noch weiter einer Beschäftigung nachgingen. Jetzt können sie die Rente weiter steigern, wenn der Rentner selbst für seinen Nebenverdienst noch eigene Rentenbeiträge zahlt. Der Effekt: Während der Beschäftigung steigen die Bezüge arbeitender Rentner zur Jahresmitte doppelt – einmal durch die jährliche Rentenanpassung, zudem durch die weiter gezahlten Rentenbeiträge.

Ausgleich von Abschlägen

Schon vor Juli 2017 konnten Arbeitnehmer die bei einem vorzeitigen Rentenbeginn anfallenden Abschläge – 3,6 Prozent pro Jahr des vorgezogenen Rentenbeginns – ganz oder teilweise ausgleichen. Dafür mussten sie, frühestens ab dem 55. Lebensjahr, Sonderbeiträge an die Rentenversicherung zahlen (Einmalzahlung oder zwei Teilzahlungen pro Jahr).

Diese Zahlungen sind jetzt ab dem 50. Lebensjahr möglich. Dann können Arbeitnehmer bei der Rentenversicherung auch eine gesonderte Auskunft darüber anfordern, wie hoch die Zusatzbeiträge sein müssen. Wer nach der Zahlung der Beiträge beschließt, doch nicht vorzeitig in Rente zu gehen, erhält für die Zusatzbeiträge eine entsprechend höhere Rente. Eine Erstattung der Zusatzbeiträge ist aber nicht möglich.

Beispiel: Bernd K. will zwei Jahre vor der für ihn geltenden Regelaltersgrenze in Rente gehen. Bei einer Rente von 1.000 Euro (brutto) würde sich seine Monatsrente um 7,2 Prozent oder 72 Euro verringern. Zusätzliche Rentenbeiträge zum vollen Ausgleich des Abschlags würden derzeit in den alten Ländern etwa 17.000 Euro kosten.

 

Vorteile:

Angesichts der schrittweise auf 67 Jahre steigenden Regelaltersgrenze dürfte es für manche Beschäftigte eine reizvolle Vorstellung sein, dennoch auch weiterhin ohne Abschlag vorzeitig in Rente zu gehen. Die jetzt verlängerte Zeitspanne, um die dann meist fälligen Rentenabschläge durch Sonderbeiträge an die Rentenversicherung zu vermeiden, reduziert bei jährlicher oder halbjährlicher Zahlung die dafür anfallenden Kosten auf ein überschaubares Maß. 

Steuern sparen durch Teilrente

Für viele ältere Arbeitnehmer kann die Flexirente auch aus steuerlicher Sicht interessant sein: Alle Altersrenten können mit einem beliebig hohen Anteil ab 10 Prozent in Anspruch genommen werden.

Arbeitnehmer, die frühzeitig eine 10-Prozent-Teilrente beantragen, werden zu Flexirentnern und verlegen den Renteneintritt sozusagen nach vorn. Wer 2019 schon eine Teilrente bezieht, muss diese nur zu 78 Prozent versteuern. Wartet der gleiche Arbeitnehmer/die gleiche Arbeitnehmerin mit dem Renteneintritt noch ein paar Jahre, muss schon ein deutlich höherer Anteil der Rente versteuert werden. 2023 sind es für Neurentner also beispielsweise 83 Prozent.

Damit kann beispielsweise ein 61-jähriger Schwerbehinderter 10 Prozent seiner Rente beziehen – und weiterarbeiten, gegebenenfalls unverändert oder auch mit einer geringfügig verkürzten Arbeitszeit. Der Bezug der Minirente bringt zwei weitere Vorteile: Rentenabschläge gibt es dann nur auf die bereits bezogene Minirente, auf die 90 Prozent der noch nicht bezogenen Rente jedoch nicht. Zudem steigern die Rentenbeiträge, die der Arbeitnehmer weiter zahlt, die spätere Voll-Rente.

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