Krankenversicherung der Rentner (KVdR)

Rentner sind in der Regel in Krankenversicherung der Rentner (KVdR) ihrer Krankenkasse pflichtversichert. Dadurch sparen sie Beiträge. Dafür müssen sie aber einige Voraussetzungen erfüllen.

Bild zum Thema Krankenversicherung der Rentner: Älterer Patient sitzt mit einem Arzt am Tisch und unterhält sich.

Weniger Beitrag zur Krankenversicherung

Die große Mehrheit der Rentner ist in der „Krankenversicherung der Rentner“ versichert. Dabei handelt es sich nicht um eine gesonderte Krankenkasse. Die Versicherten sind auch als Rentner weiterhin Mitglied ihrer bisherigen gesetzlichen Kasse (also zum Beispiel der AOK, der TK oder einer Betriebskrankenkasse). Sie haben auch die gleichen Leistungsansprüche wie Jüngere, nur nicht auf Krankengeld.

Es gelten für sie jedoch besonders günstige Regeln für die Beitragserhebung: Der Beitrag zur Krankenversicherung fällt für KVdR-Mitglieder nur auf die gesetzliche Rente, die Betriebsrente und Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit an. Auf alle anderen Alterseinkünfte wie Mieten, Privatrenten oder Zinsen aber nicht. Außerdem zahlt die Deutsche Rentenversicherung – wie vorher der Arbeitgeber – die Hälfte des Beitrags auf die gesetzliche Rente.

Voraussetzungen zur KVdR

Nicht jeder Rentner kommt automatisch in die Krankenversicherung der Rentner. Es gibt zwei Voraussetzungen:

  • Man muss eine gesetzliche Rente beziehen. Das kann eine Rente wegen Alters, eine Erwerbsminderungsrente oder eine Hinterbliebenenrente sein. An dieser Voraussetzung scheitern zum Beispiel Selbstständige, die nur kurze Zeit oder gar nicht gesetzlich rentenversichert waren.
  • Man muss die Anwartschaft für die KVdR erfüllen. Diese ist nämlich für diejenigen vorgesehen, die in ihrem Arbeitsleben weitgehend treue Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung waren. Dabei kommt es auf die Treue in der zweiten Hälfte des Arbeitslebens an. Wer Mitglied der KVdR werden will, muss in dieser Zeit zu 90 Prozent gesetzlich krankenversichert gewesen sein. Ob freiwillig-, pflicht- oder kostenlos familienversichert, spielt dabei keine Rolle. Salopp spricht man hier von der 9/10-Regelung.

Tipp: Entscheiden Sie sich am besten vor ihrem 40. Geburtstag, ob Sie langfristig gesetzlich oder privat versichert sein wollen.

Pflichtversichert oder freiwillig versichert?

Sie sind freiwillig gesetzlich krankenversichert, wenn Sie selbstständig sind oder Ihr Einkommen als Angestellter so hoch ist, dass Sie von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln könnten. Derzeit liegt die Versicherungspflichtgrenze bei 60.750 Euro pro Jahr (Stand 2019). Arbeitnehmer gelten zunächst immer erst als pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Kinder zählen mit

Seit dem 1. August 2017 haben Versicherte mit Kind(ern) noch bessere Chancen, im Alter in die KVdR aufgenommen zu werden. Bei ihnen werden nun nämlich einige zusätzliche Jahre mit gesetzlichem Versicherungsschutz zugeschlagen. Anders formuliert: Jahre mit privater Krankenversicherung oder ohne Versicherungsschutz in der zweiten Hälfte des Arbeitslebens werden „gestrichen“. Auf „die erforderliche Mitgliedszeit wird für jedes Kind, Stiefkind oder Pflegekind ... eine Zeit von drei Jahren angerechnet“, bestimmt Paragraf 5 Abs. 2 des fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V). Ob die Kinder in der ersten oder zweiten Hälfte des Arbeitslebens geboren wurden, spielt dabei keine Rolle.

Krankenkassenbeiträge

Krankenkassenbeiträge zahlen KVdR-Mitglieder nur auf die gesetzliche Rente, die Betriebsrente und Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit. Bei der gesetzlichen Rente übernimmt die Rentenversicherung – wie vorher der Arbeitgeber – die Hälfte des Beitrags, seit 2019 auch die Hälfte des Zusatzbeitrags, den die Krankenkasse erhebt. Beträgt die Rente brutto 1.500 Euro, so gehen davon bei einem Krankenversicherungsbeitrag von 15,6 Prozent 7,8 Prozent an die Krankenkasse, das sind 117 Euro. Wer zusätzlich Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit hat, muss hierauf den vollen Beitrag alleine schultern. Das gilt derzeit in der Regel auch noch für die Betriebsrente.

Pflegeversicherung der Rentner

Wer die Voraussetzungen der KVdR erfüllt, ist zugleich auch automatisch in seiner (bisherigen) gesetzlichen Pflegeversicherung pflichtversichert.

Krankenkassenwechsel

Ein Wechsel in eine andere gesetzliche Krankenkasse (und Pflegekasse) ist für Rentner genau wie für alle anderen Versicherten möglich.

Freiwillige Krankenversicherung als Alternative

Rund 450.000 Rentner sind derzeit freiwillig gesetzlich krankenversichert, weil sie die Anwartschaft für die KVdR nicht erfüllen. Sie müssen vielfach mit einer deutlich höheren Beitragsbelastung rechnen. Denn Beiträge werden bei ihnen – anders als bei KvdR-Versicherten – auch auf Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Privatrenten und Zinsen erhoben.

Antrag auf Mitgliedschaft in der KVdR stellen

Wenn Sie Ihre Rente beantragen, können Sie auch das Formular R0810 ausfüllen – die „Meldung zur Krankenversicherung der Rentner“. Ihre Krankenkasse prüft dann, ob Sie die Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft in der KVdR erfüllen. Den Antrag stellen Sie zusammen mit ihrem Rentenantrag am besten drei Monate vor Rentenbeginn.

Magazin

Artikel zum Thema

Soziales   / 

Altersarmut: Nur 3 Prozent der Senioren beziehen Grundsicherung im Alter

Die Debatte um die Grundrente wird von der Angst vor Altersarmut befeuert. Schon heute können Menschen ab etwa 65 Jahren mit geringen Alterseinkünften...