Rente und Kindererziehung

Die Deutsche Rentenversicherung rechnet für bestimmte Kindererziehungszeiten Versicherungsmonate auf dem Rentenkonto an.

Vater und Tochter schauen sich auf den Sofa zusammen ein Kinderbuch an. – Bildnachweis: wdv.de © Jan Lauer

Rentenversicherung wertet Zeiten

Kinder zu erziehen kostet Zeit – oft auch Arbeitszeit. Damit sich das nicht negativ auf die spätere Rente auswirkt, werden bestimmte Zeiten der Kindererziehung so gewertet, als hätten Mütter und Väter in dieser Zeit selbst Beiträge gezahlt.

Das Geburtsjahr zählt

Für Kinder, die ab 1992 geboren sind, werden bis zu 36 Monate als Kindererziehungszeiten (= drei Entgeltpunkte) anerkannt. Das entspricht drei Entgeltpunkten. Für Kinder, die vor 1992 geboren sind, sind bis zu 24 Monate Kindererziehungszeit (= zwei Entgeltpunkte). Das hat die „Mütterrente“ seit Juli 2014 neu geregelt: Bis dahin wurden für vor 1992 geborene Kinder nur zwölf Monate anerkannt und damit nur ein Entgeltpunkte.

Wer gleichzeitig mehrere Kinder erzieht, weil es sich um Zwillinge handelt oder während der Erziehungszeit weiterer Nachwuchs kam, für den verlängert sich die Kindererziehungszeit entsprechend.

So viel Rente gibt es

Pro Jahr Erziehungszeit kommt ein Entgeltpunkt aufs Rentenkonto, denn Mütter oder Väter werden während dieser Zeit so gestellt, als hätten sie das Jahresdurchschnittsgehalt aller Rentenversicherten verdient. Die Summe aller Entgeltpunkte auf dem Konto wird mit dem „Aktuellen Rentenwert“ multipliziert und ergibt die Höhe der monatlichen Rente. Die Kindererziehungszeiten wirken sich also direkt auf die Rentenhöhe aus.

Nicht nur Eltern haben Anspruch

Die Kindererziehungszeit gilt für Kinder, die in Deutschland leben und erzogen werden. Sie wird dem Elternteil angerechnet, der das Kind überwiegend erzieht oder erzogen hat. Teilen sich Mutter und Vater die Erziehungsarbeit, hat grundsätzlich die Mutter Anspruch auf die Kindererziehungszeit.
Sollen die Versicherungszeiten aufs Konto des Vaters gehen, müssen beide Elternteile das der Rentenversicherung schriftlich mitteilen. Diese Erklärung gilt nur für maximal zwei Monate rückwirkend. Bei eingetragenen Lebensgemeinschaften wird im Einzelfall entschieden. Dazu berät die Deutsche Rentenversicherung unter der kostenlosen Hotline 0800 1000 4800.

Anspruch haben auch:

  • Adoptiv-, Stief- und Pflegeeltern
  • Großeltern und Verwandte, wenn das Kind dort dauerhaft in häuslicher Gemeinschaft als Pflegekind wohnt. Ein Obhuts- und Erziehungsverhältnis zwischen den leiblichen Eltern und dem Kind darf in diesem Fall aber nicht mehr bestehen.

Nicht angerechnet werden Kindererziehungszeiten bei Personen, die während der Erziehung schon eine Altersvollrente, eine Pension oder eine berufsständische Altersversorgung bekommen.

Antrag stellen

Die Anerkennung der Kindererziehungszeit muss bei der Deutschen Rentenversicherung schriftlich beantragt werden – über das Formular V0800. Das ist eine reine Formsache, wenn man Geburtsurkunden oder ein Familienstammbuch vorlegen kann.

Dank Kindern zur Rente

Wer einen Anspruch auf eine gesetzliche Rente haben möchte, muss bestimmte Versicherungszeiten vorweisen. Das sind 60 Monate, also fünf Jahre. Das heißt, in einigen Fällen erlangen Elternteile allein durch die Erziehung ihrer Kinder einen Anspruch auf eine gesetzliche Rente – ohne jemals selbst eingezahlt zu haben.

Das ist vor allem für Eltern interessant, die von Berufs wegen nicht in der Deutschen Rentenversicherung, sondern beispielsweise in einem berufsständischen Versorgungswerk versichert sind. Voraussetzung: Die Kindererziehung wird in diesem Alterssicherungssystem nicht annähernd so gleichwertig berücksichtigt wie von der Deutschen Rentenversicherung. Für Beamte gelten die Kindererziehungszeiten deshalb nicht.

Nachzahlen lohnt sich

Wer knapp an der Fünf-Jahres-Hürde scheitert, für den lohnt sich in der Regel die Zahlung freiwilliger Beiträge, um auf die erforderliche Mindestversicherungszeit zu kommen. Der monatliche Mindestbeitrag dafür liegt derzeit bei 84,15 Euro (Stand 2017).

Ein Plus für arbeitende Eltern

Wer Kinder erzieht und arbeiten geht, sammelt doppelt Punkte: Die Kindererziehungszeiten werden zusätzlich zu dem angerechnet, was die arbeitenden Eltern selbst über die monatlichen Rentenbeiträge einzahlen. Das gilt allerdings nur bis zu Beitragsbemessungsgrenze.

Später relevant: Berücksichtigungszeiten

Die Erziehung von Kindern gilt auch als Berücksichtigungszeit, allerdings nur für den Elternteil, dem auch die Kindererziehungszeit anerkannt wurde. Die Berücksichtigungszeit beginnt am Tag der Geburt des ersten Kindes und endet zehn Jahre nach der Geburt des jüngsten Kindes.

Beispiel
Geburt des ersten Kindes 15.2.2005
Geburt des zweiten Kindes 11.2.2007
Kinderberücksichtigungszeit 15.2.2005 – 11.2.2017

Kinderberücksichtigungszeiten allein begründen noch keinen Rentenanspruch, aber in Kombination mit anderen Zeiten können sie sich positiv bemerkbar machen.

  • Sie erhalten die Anwartschaft auf eine Rente wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung aufrecht.
  • Sie werden sie auf die Mindestwartezeit für fast alle Altersrenten angerechnet, zum Beispiel für die 45 Jahre, die für eine „Rente mit 63“ notwendig sind.
  • Sie können sie sich bei der Bewertung der beitragsfreien Zeiten rentensteigernd auswirken.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Weitere Informationen gibt es auf www.deutsche-rentenversicherung.de oder unter der kostenlosen Servicenummer 0800 1000 4800.

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