Entgeltpunkte für pflegende Angehörige

Wer Angehörige ehrenamtlich pflegt, bekommt Entgeltpunkte auf dem Rentenkonto gutgeschrieben. Die Rentenversicherung rechnet die Pflegezeit als Beitragszeit.

Rente und Pflege

Pflegekasse zahlt Rentenbeiträge

Kommt es in der Familie zu einem Pflegefall, übernehmen meist Angehörige die Pflege – und geben dafür nicht selten ihren Beruf auf oder reduzieren ihre Arbeitszeit. Damit die Pflege nicht zulasten der eigenen Alterssicherung geht, zahlt die Pflegekasse der Pflegebedürftigen unter Umständen Rentenbeiträge für pflegende Angehörige, aber auch für andere ehrenamtliche Pflegepersonen, wie Nachbarn oder Bekannte.

Seit dem 1. Januar 2017 können häuslich Pflegende, die bereits vor der Regelaltersgrenze eine (volle) Altersrente beziehen, durch Erwerbstätigkeit oder nicht erwerbsmäßige häusliche Pflege ihre Rente weiter erhöhen. Grund dafür ist, dass in solchen Fällen jetzt auch der Zeitraum zwischen dem Beginn der vorzeitigen Altersrente (in der Regel ab dem 63. Lebensjahr möglich) und der persönlichen Regelaltersgrenze rentenversicherungspflichtig ist. Darum zahlt die Pflegekasse des Pflegebedürftigen bei weiterer häuslicher Pflege in diesem Zeitraum jetzt weitere Rentenversicherungsbeiträge – und erhöht damit die Rente jeweils zum 1. Juli eines Jahres weiter.

Ihre Rente weiter erhöhen können jetzt auch Rentnerinnen oder Rentner, die nach der Regelaltersgrenze eine oder einen Pflegebedürftigen in häuslicher Umgebung ehrenamtlich pflegen. Allerdings müssen diese Pflegenden zur Steigerung ihres Rentenanspruchs vorläufig auf die volle Altersrente verzichten und z.B. eine 99-Prozent-Teilrente wählen. Bei einem bestehenden vollen monatlichen Rentenanspruch von z.B. 800 Euro müssten die Betroffenen also nur auf 8 Euro Monatsrente verzichten. Sie bekommen im Gegenzug aber jeweils zum 1. Juli einen Zuschlag zu ihrer Rente und können damit den kleinen Verzicht in aller Regel mehr als kompensieren. Wenn diese Pflegenden ihre Rente nicht weiter steigern wollen oder können – z.B. weil die oder der Pflegebedürftige verstorben ist –, können sie problemlos die Rückkehr zur 100-Prozent-Rente beantragen.

Voraussetzungen

  • Die zu pflegende Person hat Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung und mindestens den Pflegegrad 2. Das hat der Medizinische Dienst der Krankenkasse entsprechend festgestellt.
  • Die Pflege ist keine berufliche erwerbsmäßige Tätigkeit.
  • Sie umfasst mindestens zehn Stunden pro Woche in häuslicher Umgebung, die auf regelmäßig mindestens zwei Wochentage verteilt sein müssen und das mindestens für zwei Monate im Jahr.
  • Die Pflegeperson arbeitet neben der Pflege maximal 30 Stunden in der Woche.
  • Der Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthaltsort der Pflegeperson ist in Deutschland, im Europäischen Wirtschaftsraum (EU-Staat, Norwegen, Liechtenstein, Island) oder in der Schweiz.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Pflegeperson eine finanzielle Anerkennung von dem oder der Pflegebedürftigen erhält. Je nach Höhe kann die Pflegekasse allerdings prüfen, ob eine nicht erwerbsmäßige Pflege oder ein echtes Beschäftigungsverhältnis vorliegt.

So rechnet die Rentenversicherung

Die Rentenversicherung zählt die Pflegezeit als Beitragszeit. Sie wird als Wartezeit auf dem Versicherungskonto angerechnet und kann so dazu beitragen, die Mindestwartezeit für verschiedene Altersrenten zu erfüllen.

Zusätzlich zahlt die Pflegekasse die Rentenbeiträge der Pflegeperson. Laut Bundesgesundheitsministerium werden Pflegepersonen so gestellt, als bekämen sie ein monatliches Arbeitseinkommen zwischen 621,81 und 3.290,00 Euro (Werte 2022 – alte Bundesländer).

Daraus ergibt sich der Rentenanspruch. Die monatliche Rente für ein Jahr Pflege beträgt je nach Aufwand und Grad derzeit etwa 6,50 bis zu knapp 35 Euro. Die Werte dafür werden jährlich neu festgelegt und entsprechend berechnet.

Wie hoch der persönliche Rentenanspruch genau ist und wie sich das auf die eigene Rente auswirkt, hängt davon ab, wie viele Stunden die Pflege umfasst und welchen Pflegegrad der oder die Pflegebedürftige hat. Dazu berät die Deutsche Rentenversicherung unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 1000 4800.

Kein Antrag bei der Rentenversicherung nötig

Einen Antrag müssen Pflegepersonen bei der Rentenversicherung nicht stellen. Ob alle Voraussetzungen erfüllt sind, entscheidet die Pflegekasse. Sind sie erfüllt, werden Pflegende automatisch versicherungspflichtig. Sie müssen dann nur den Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen ausfüllen.

Additionspflege und Mehrfachpflege

Additionspflege bedeutet, dass eine Person mehrere Pflegebedürftige pflegt, zum Beispiel eine Tochter sowohl Mutter wie auch Schwiegervater. Kommt sie dabei auf insgesamt mindestens 10 Stunden Pflege an mindestens zwei Tagen und arbeitet nebenbei nicht mehr als 30 Stunden, zählt das für die eigene Rente.

Mehrfachpflege heißt, dass sich mehrere Angehörige, Nachbarn und Bekannte die Pflege eines Pflegebedürftigen teilen, zum Beispiel teilen sich Geschwister die Pflege des Vaters. Auch das zählt für die Rente, wenn eines der beiden Geschwisterteile die Voraussetzungen erfüllt oder beide.

Nicht jeder wird anerkannt

Pflegende sind nicht rentenversichert, wenn sie

  • jünger als 15 Jahre sind
  • im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres oder Bundesfreiwilligendienstes pflegen
  • die eigentliche Pflegeperson wegen Urlaub oder Krankheit vertreten
  • die Pflege wegen einer Ordenszugehörigkeit ausüben
  • eine Altersrente, Pension oder ähnliche Altersversorgung beziehen.

Von der Rentenversicherung anerkannt sind Pflegepersonen auch dann, wenn sie neben ihrer Pflegetätigkeit Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld oder Ähnliches beziehen oder in Elternzeit sind. Wer Erwerbsminderungsrente bekommt, kann durch die Pflegetätigkeit die spätere Altersrente erhöhen.

Leistungen bei der Pflegekasse beantragen

Pflegebedürftige sollten frühzeitig einen Antrag auf Leistungen bei der Pflegekasse stellen. Je früher das geschieht, desto früher bekommen pflegende Angehörige Rentenbeiträge für ihren Pflegeaufwand. Außerdem haben Pflegebedürftige die im häuslichen Umfeld von Angehörigen gepflegt werden, Anspruch auf Pflegegeld von der Pflegekasse.


Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

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Weitere Informationen gibt es auf www.deutsche-rentenversicherung.de oder unter der kostenlosen Servicenummer 0800 1000 4800.

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