Die fünf Zweige der gesetzlichen Sozialversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung ist Teil des deutschen Sozialversicherungssystems. Es besteht aus fünf Versicherungszweigen mit unterschiedlichen Aufgaben.

Personenkreis legt in der Mitte Hände aufeinander. – Bildnachweis: fotolia.de © ave_mario

Gründung zu Kaisers Zeiten

Bereits 1883 wurde im wilhelminischen Kaiserreich die gesetzliche Krankenversicherung geschaffen. Ein Jahr später folgte die gesetzliche Unfallversicherung und 1891 die gesetzliche Arbeiterrentenversicherung. Erst 1911 wurden die Angestellten in die Rentenversicherung einbezogen. 1927 kam die gesetzliche Arbeitslosenversicherung und 1995 die gesetzliche Pflegeversicherung hinzu.

Die fünf Zweige der gesetzlichen Sozialversicherung gewähren Schutz gegen Einkommensausfall durch Krankheit, Unfall, verminderte Erwerbsfähigkeit, Alter und Arbeitslosigkeit. Außerdem tragen sie die Kosten von Pflegebedürftigkeit. Für den Anspruch auf Leistungen aus der Sozialversicherung zahlen Versicherte und ihre Arbeitgeber Beiträge. Versicherte sind alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Die Sozialversicherung erhält zur Erfüllung ihrer zusätzlichen Aufgaben auch Mittel aus dem Bundeshaushalt.

Rentenversicherung

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung beträgt derzeit 18,7 Prozent des Bruttoeinkommens bis zur monatlichen Beitragsbemessungsgrenze von 6.350 Euro in den alten Bundesländern und 5.700 Euro in den neuen Bundesländern (Stand 2017). Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils die Hälfte.

Weitere Informationen: www.deutsche-rentenversicherung.de

Arbeitslosenversicherung

Die gesetzliche Arbeitslosenversicherung zahlt Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld, Konkursausfallgeld und Schlechtwettergeld an davon betroffene Arbeitnehmer. Außerdem fördert sie Maßnahmen zur Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen.

Der Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung liegt bei 3,0 Prozent des Bruttoeinkommens. Auch diesen Beitrag teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer hälftig.

Die Höhe des Arbeitslosengeldes richtet sich nach dem letzten Monatsverdienst als Arbeitnehmer. Aus dem Bruttogehalt wird dazu nach einem bestimmten Rechenverfahren das sogenannte „pauschalierte Nettoentgelt“ ermittelt. Arbeitslose, die mindestens ein Kind im Sinne der Steuervorschriften haben, erhalten 67 Prozent dieses Betrages, Kinderlose 60 Prozent.

Wie lange Arbeitslosengeld gezahlt wird, hängt davon ab, wie lange Betroffene vor der Arbeitslosigkeit als sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren und vom ihrem Alter. Wer jünger ist als 50, bekommt höchstens zwölf Monate lang Arbeitslosengeld; wer 50 und älter ist, kann bis zu 24 lang Arbeitslosengeld bekommen. Weitere Informationen zur Zahldauer des Arbeitslosengeldes auf www.arbeitsagentur.de

Arbeitslosengeld II

Wer nach Ablauf dieser Zeit keine neue Beschäftigung gefunden hat, muss in der Regel das wesentlich niedrigere Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beantragen. Arbeitslosengeld II erhalten bei Bedürftigkeit alle Arbeitslosen im Alter von 15 bis unter 65 Jahren, die keinen Anspruch auf das reguläre Arbeitslosengeld haben oder deren Anspruchszeit abgelaufen ist. Für nicht erwerbstätige Familienangehörige im gemeinsamen Haushalt gibt es das Sozialgeld, das dem Regelsatz des Arbeitslosengeldes II entspricht.

Tabelle Arbeitslosengeld II / Sozialgeld ab 1.Januar 2017
Personenkreis Euro
Alleinstehende 409
volljährige Partner in einer Bedarfsgemeinschaft 368
unter 25-Jährige im Haushalt der Eltern
(gilt auch bei Auszug ohne Zustimmung)
327
Kinder 14 bis 17 Jahre 311
Kinder 6 bis 13 Jahre 291
Kinder 0 bis 5 Jahre 237

Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt die notwendigen Leistungen bei Krankheit und finanziert Maßnahmen zur Früherkennung und Vermeidung von Krankheiten. Außerdem zahlt sie bei längerer Krankheit Krankengeld als Lohnersatz.

Der allgemeine Beitragssatz zur Krankenversicherung liegt seit 1. Januar 2015 bei 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 52.200 Euro jährlich (4.350 Euro pro Monat, Stand 2017). Den Beitragssatz von 14,6 Prozent zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte. Allerdings können Krankenkassen zur Finanzierung ihrer Ausgaben einen frei wählbaren Zusatzbeitrag erheben, den Arbeitnehmer allein tragen.

Versicherungspflichtig sind unter anderem Arbeitnehmer, deren Jahresarbeitsverdienst die Versicherungspflichtgrenze von 57.600 Euro (4.800 Euro im Monat, Stand: 2017) nicht übersteigt. Diese Grenze entspricht drei Vierteln der Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung. Wer mehr verdient, kann in eine private Krankenversicherung wechseln.

Pflegeversicherung

Der Beitragssatz in der Pflegeversicherung liegt bei 2,55 Prozent. Allerdings müssen hier Kinderlose ab 23 Jahre 0,25 Prozentpunkte mehr an Beitrag zahlen als Versicherte mit Kindern. Auch hier teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge hälftig. Eine Ausnahme gilt für Sachsen: Dort zahlt der Arbeitgeber nur 0,775 Prozent. Und: Rentner müssen ihre Pflegeversicherungsbeiträge allein tragen.
In der gesetzlichen Pflegeversicherung wird das Risiko der Pflegebedürftigkeit durch Hilfen zur häuslichen und zur stationären Pflege abgedeckt. Die Höhe der Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung staffelt sich nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit. Bis 2017 unterschied man drei Pflegestufen (Pflegestufe I: Leichtpflegebedürftige, Pflegestufe II: Schwerpflegebedürftige und Pflegestufe III: Schwerstpflegebedürftige).

Seit Januar 2017 wird die Pflegebedürftigkeit in den Pflegegraden 1 bis 5 gemessen. Dadurch sollen alle Pflegebedürftigen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung erhalten, unabhängig davon, ob sie von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen betroffen sind.

Weitere Informationen: www.pflegestaerkungsgesetz.de oder in unserem Erklärvideo

Unfallversicherung

Die gesetzliche Unfallversicherung schützt alle Arbeitnehmer vor den wirtschaftlichen Folgen von Arbeits- und Wegeunfällen sowie von Berufskrankheiten.

Die Beiträge für die gesetzliche Unfallversicherung tragen die Arbeitgeber allein. Die Beitragshöhe richtet sich nach dem Entgelt der Versicherten und nach dem Grad der Unfallgefahr im jeweiligen Betrieb. Zu den Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung zählen neben Heilbehandlung und Rehabilitation auch Pflegegeld, Verletztengeld, Berufshilfe, Übergangsgeld und Verletztenrente.

Weitere Informationen: www.dguv.de

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