Geringfügige Beschäftigung – Lexikon

Rente und Altersvorsorge: Erklärungen zu Fachbegriffen im Ihre Vorsorge-Lexikon

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Geringfügige Beschäftigung

Unter "geringfügige Beschäftigung" fallen zwei Beschäftigungsarten:

  • Zum einen Arbeitnehmer, die im Laufe eines Kalenderjahres nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage arbeiten  ("kurzfristige Beschäftigung" oder auch "kurzfristiger Minijob" genannt). Sie arbeiten nur gelegentlich - etwa im Rahmen eines Ferienjobs oder einer Ernte. 
  • Zum anderen Arbeitnehmer in einem "450-Euro-Minijob". Diese arbeiten meist regelmäßig und verdienen maximal 450 Euro im Monat.

Die in § 8 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV enthaltenen Zeitgrenzen von drei Monaten bzw. 70 Arbeitstagen für eine kurzfristige Beschäftigung wurden infolge der Coronakrise in der Zeit vom 1. März bis zum 31. Oktober 2020 auf fünf Monate oder 115 Arbeitstage und vom 1. März bis zum 31. Oktober 2021 auf vier Monate oder 102 Arbeitstage angehoben. Die entsprechende Regelung im § 132 SGV IV ist inzwischen entfallen. Für 2022 ist zurzeit (13.01.2022) noch keine entsprechende Verlängerung der Zeitgrenze vorgesehen. Hier wird wohl der weitere Verlauf der Corona-Pandemie abgewartet werden.

Für eine kurzfristige Beschäftigung werden keine Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt und somit auch keine Rentenanwartschaften erworben. Die Höhe des Verdienstes spielt keine Rolle. Maßgeblich ist, dass Ihre Beschäftigung von vornherein vertraglich oder aufgrund ihrer Eigenart - zum Beispiel bei Erntehelfern - befristet und nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Insbesondere mit Blick auf die Saisonkräfte in der Landwirtschaft werden die Zeitgrenzen befristet ausgeweitet, weil aufgrund der Corona-Pandemie diese voraussichtlich in deutlich geringerer Anzahl zur Verfügung stehen. Bisher betrugen die Grenzen drei Monate oder 70 Arbeitstage.

Eine weitere Unterscheidung ist wichtig: Handelt es sich um einen Minijob, der schon vor 2013 bestand, oder einen, der später startete. Denn in jenem Jahr wurden für geringfügige Beschäftigungen neue Regeln eingeführt:

  • Anhebung der geringfügigen Verdienstgrenze von 400 auf 450 Euro für die  "Mini-Jobs"
  • Einführung einer generellen Versicherungspflicht in der Rentenversicherung für "Mini-Jobber"
  • Möglichkeit, sich von dieser neuen Versicherungspflicht befreien zu lassen.
  • Für bereits vor dem 01.01.2013 bestehende Mini-Job-Beschäftigungen bleibt fast alles beim Alten.

Minijobber zahlen jetzt neben dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers auch eigene Beiträge zur Rentenversicherung. Sie erwerben damit Ansprüche auf das volle Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung, wie z. B. die Absicherung bei Erwerbsminderung oder den Anspruch auf eine medizinische oder berufliche Rehabilitation. Zudem können Rentenversicherungsbeiträge dabei helfen, dass Versicherte überhaupt eine Rente erhalten (zum Beispiel die "Mütterrente"). Mit einem versicherungspflichtigen Minijob kann man auch die Riester-Förderung in Anspruch nehmen (Riester-Rente).

Wie hoch die Pauschalabgaben zur Rentenversicherung für Arbeitgeber und Minijobber ausfallen, hängt unter anderem davon ab, ob sie in Privathaushalten (5 Prozent Arbeitgeber, 13,6 Prozent Arbeitnehmer) oder im gewerblichen Bereich (15 Prozent Arbeitgeber, 3,6 Prozent Arbeitnehmer) arbeiten. Die Minijob-Zentrale schlüsselt die Abgaben in einer übersichtlichen Tabelle stets aktuell auf.

Für Arbeitsentgelt aus geringfügiger Beschäftigung, für die sich Beschäftigte nach § 6 Absatz 1b SGB VI von der Versicherungspflicht haben befreien lassen, werden bei der Rentenberechnung nach § 76 b SGB VI Zuschläge an Entgeltpunkten aus dem Beitragsteil ermittelt, den der Arbeitgeber getragen hat. Rentenrechtliche Zeiten wie bei einer eigenen Beitragsleistung erwirbt der Versicherte dadurch aber nicht.

Neue Entgeltgrenze ab Oktober 2022: Mit der von der Bundesregierung geplanten Erhöhung des Mindestlohnes auf 12 Euro pro Stunde ab Oktober 2022 soll auch die bisherige Einkommensgrenze für die geringfügigen Beschäftigungen von diesem Zeitpunkt an auf 520 Euro angehoben werden. Hintergrund ist, dass anderenfalls die 450-Euro-Jobber ihre Arbeitszeit verringern müssten, um nach der Erhöhung des Mindestlohnes nicht über die 450-Euro-Grenze zu geraten.

Tipp: Die Minijob-Zentrale bietet eine Reihe von Rechnern an, die die Höhe von Sozialversicherungsbeiträgen für Arbeitgeber und Minijobbern ausweisen (direkter Link: www.minijob-zentrale.de).

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