Ihre-Vorsorge Logo

Brexit drückt Einkommen in Deutschland

Wie wirkt sich ein Brexit auf die Einkommen der Deutschen aus? Mit Verlusten in Milliardenhöhe, prognostiziert eine Studie.

Artikel vorlesen

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Die europäische Flagge weht an einem Fahnenmast vor dem europäischen Parlament. Bild: IMAGO / YAY Images

© Nicht definiert

Gütersloh (dpa). Auch wenn keiner weiß, wie der Brexit aussehen und wann er vollzogen wird – das Bruttoeinkommen in Deutschland schmälert er einer Studie zufolge wohl in Milliardenhöhe. Komme es zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens ohne Vertrag, müssten sich die Deutschen auf einen Einkommensverlust von fast 10 Milliarden Euro jährlich einstellen.

Pro Kopf bedeute das rein statistisch gesehen rund 115 Euro weniger, schätzt eine Berechnung der Bertelsmann Stiftung, die am Donnerstag in Gütersloh veröffentlicht wurde.

Nach Großbritannien selbst wäre demnach das exportorientierte Deutschland bei den Bruttoeinkommen am stärksten belastet, gefolgt von Frankreich und Italien. Auf das Vereinigte Königreich käme laut Simulation bei einem No-Deal-Austritt ein jährlicher Einkommensverlust von 57 Milliarden Euro zu – umgerechnet etwa 875 Euro pro Einwohner. Auf fast 8 Milliarden Euro weniger müssten sich die Franzosen und auf gut 4 Milliarden Euro weniger die Italiener gefasst machen, sagt die Studie voraus.

Ein geregelter Brexit hätte weniger negative Folgen

Ein geordneter Brexit mit Austrittsabkommen würde die negativen Auswirkungen deutlich abmildern, betonen die Autoren. Sie hatten auf Basis von amtlichen Handelsdaten in zwei Szenarien – Brexit mit oder ohne Vertrag – Einkommensentwicklungen geschätzt, auf Grundlage erwarteter Veränderungen beim Bruttoinlandsprodukt. Als Gründe für die erwarteten Verluste nennen sie Zölle, die Waren verteuerten, aber auch einen wohl sinkenden Wettbewerb in Europa mit negativen Folgen für Preis- und Lohnentwicklung.

Einkommensverluste für die deutsche Wirtschaft

Fast 10 Milliarden Euro absoluter Einkommensverlust für Deutschland jedes Jahr sei ein hoher Wert, entspreche aber nur etwa 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erläuterte Mitautor Dominic Ponattu. Es sei von regional unterschiedlichen Auswirkungen auszugehen.

Nordrhein-Westfalen wäre voraussichtlich besonders stark betroffen, auch weil Großbritannien für den NRW-Export eine große Rolle spiele. Bayern würde bei den absoluten Einkommensverlusten ebenfalls recht deutlich verlieren. Zudem treffe der Brexit stark Regionen mit einem hohen Anteil an mittelständischen Unternehmen – etwa das Umland von Stuttgart und Hamburg oder das Rheinland.

Bei einem vertraglich geregelten Austritt sieht die Simulation weit weniger negative Auswirkungen. Für Deutschland nehme man dann Einkommensverluste von rund 5 Milliarden Euro an. Auch für die gesamte EU (ohne Großbritannien) würde sich der Verlust in etwa halbieren – auf geschätzte 22 Milliarden Euro.

China und die USA könnten profitieren

Profitieren könnten wohl die USA und China mit jährlichen Milliarden-Einkommenszuwächsen, einen leichten Anstieg erwartet die Studie auch für Russland. Ponattu sagte, werde der Handel innerhalb Europas teuer, würden die „Wirtschaftsbeziehungen mit dem Rest der Welt“ attraktiver. Stiftungsvorstand Aart de Geus mahnte, London und Brüssel sollten den Ausstieg unbedingt vertraglich regeln. Das Fundament des weltweit größten gemeinsamen Wirtschaftsraums drohe schwer beschädigt zu werden.

Experten warnen vor drastischen Folgen eines chaotischen Brexit

Zahlreiche Stimmen aus Politik, Wirtschaft und auch Verbraucherschützer hatten vor drastischen Folgen gewarnt, sollte es zu einem chaotischen Brexit kommen. Die britische Premierministerin Theresa May hatte die EU am Mittwoch um einen Aufschub bis 30. Juni gebeten – ohne Teilnahme an der Europawahl zuvor im Mai.


Weitere Artikel

Time
3 Minuten

Frankfurt und München galten lange als gefährdet in Sachen Immobilienblasen. Eine neue Studie sieht die Lage nun deutlich entspannter. Dahinter stecken mehrere Gründe.

Time
2 Minuten

Es zeichnet sich ab, dass Haushalte in diesem Jahr fürs Heizen oft mehr bezahlen müssen als 2025. Wer mit Gas heizt, könnte erstaunlicherweise aber noch Glück haben. Eine neue Studie nennt Gründe.

Time
3 Minuten

Steigende Energiepreise belasten viele Haushalte. Doch gerade beim Heizen sehen Fachleute noch viel Sparpotenzial – Hunderte Euro bei Wohnungen, in Einfamilienhäusern noch mehr. So gelingt es.

Time
4 Minuten

Die Neuauflage des Tankrabatts soll Autofahrer kurzfristig entlasten, stößt aber auf Kritik. Verbraucherschützer und Sozialverbände fordern gezieltere Maßnahmen für Haushalte mit geringem Einkommen.

Time
2 Minuten

Erst wurde den Krankenkassen die Pflicht erlassen, bei einer Beitragserhöhung jeden Versicherten zu informieren. Doch es gab heftige Kritik. Nun reagiert der neue Minister.

Time
6 Minuten

Der niedrige Füllstand der Gasspeicher in Deutschland beunruhigt viele Menschen. Aber wie funktioniert eigentlich das System der Gasspeicher?

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026