Berlin (dpa). Die Bundesregierung will 48 Millionen Bürger steuerlich entlasten, indem sie die Auswirkungen der hohen Inflation auf die Einkommensteuer abfedert. Das Kabinett beschloss am Mittwoch Pläne von Finanzminister Christian Lindner (FDP) zum Ausgleich der sogenannten kalten Progression. Damit sorge die Ampel-Regierung dafür, dass der Staat nicht auch noch steuerlich von den hohen Preisen profitiere, sagte Lindner.
Anpassungen im Steuertarif: Grundfreibetrag und Eckwerte
- Der Grundfreibetrag, also das Einkommen, bis zu dem keine Steuer gezahlt werden muss, soll steigen – von aktuell 10. 347 Euro auf 10.632 Euro im kommenden und 10.932 Euro im Jahr 2024.
- Zudem soll der Spitzensteuersatz von 42 Prozent im kommenden Jahr erst bei einem zu versteuernden Einkommen von 61.971 Euro greifen, 2024 dann erst bei 63.514 Euro.
Das Problem der vorläufigen Zahlen
Bei der Berechnung der neuen Eckwerte hat das Finanzministerium die Frühjahrsprognose zur Inflation genutzt. Seitdem jedoch sind die Preise weiter in die Höhe geschossen. Finanzminister Lindner will die jetzt vom Kabinett beschlossenen Zahlen daher vor Jahresende nochmal anpassen – wenn die Herbstprognose der Bundesregierung vorliegt.
Kindergeld soll zusätzlich steigen
Mit dem gleichen Gesetz will die Bundesregierung auch das Kindergeld und den steuerlichen Kinderfreibetrag anheben. Im kommenden Jahr soll es
- für die ersten drei Kinder einheitlich je 237 Euro pro Monat geben,
- ab dem vierten Kind 250 Euro.
Höhere Homeoffice-Pauschale
Wer von zu Hause arbeitet, soll eine höhere steuerliche Pauschale bekommen können.
- Künftig können statt 600 bis zu 1000 Euro Homeoffice-Pauschale angesetzt werden – auch wenn man vom Sofa aus und nicht im heimischen Arbeitszimmer arbeitet.
- Die Pauschale soll zudem nicht mehr befristet, sondern dauerhaft gelten.
- Pro Tag im Homeoffice kann man fünf Euro ansetzen – bisher maximal für 120 Tage, künftig für bis zu 200 Tage.
Wer davon wie stark profitiert
Ein großer Kritikpunkt von SPD und Grünen ist, dass Topverdiener in absoluten Zahlen mehr von der Reform haben als Geringverdiener. Je mehr Steuern man zahlt, desto größer der Effekt. Eine vierköpfige Doppelverdiener-Familie mit zwei Kindern und Jahreseinkommen von 56.000 Euro müsse 680 Euro weniger Steuern zahlen, sagte Lindner. „Hätten wir nichts gemacht, wäre diese Familie aus der Mitte der Gesellschaft im nächsten Jahr mit 680 Euro zusätzlich belastet worden, zu den steigenden Energiepreisen, steigenden Gaspreisen noch hinaus.“
