Berlin (bd). Wer in nachhaltige Aktienfonds investiert, tut etwas Gutes für die Umwelt und kann dabei mitverdienen – das verspricht etwa der Fondsanbieter DWS. Laut der Bürgerbewegung Finanzwende sind solche Aussagen oft irreführend. Der Verein hat über 300 Fonds mit einem Volumen von etwa 100 Milliarden Euro auswerten lassen. Das Fazit: „Greenwashing im großen Stil“.
Das Ergebnis der Studie sei „ein vernichtendes Urteil für den Boom grüner Geldanlagen“, heißt es in der Mitteilung. Zwar gäben die meisten nachhaltigen Fonds vor, sich an die ESG-Kriterien zu halten, also besonders auf Umwelt (Environment), Sozialstandards (Social) und Unternehmensführung (Governance) zu achten. Vermeintlich nachhaltiges Geld werde aber in Wirklichkeit kaum anders angelegt als konventionelles.
Ölmultis und Versandriesen
So lägen 70 Prozent der nachhaltigen Investitionen tatsächlich in fossilen Energien. Allein 100 Millionen Euro davon in der Kohlewirtschaft. Ölkonzerne wie Shell, ExxonMobile, BP, Chevron und Total, die maßgeblich für den Klimawandel und für Umweltkatastrophen verantwortlich gemacht werden, seien ebenso vertreten wie der weltgrößte Online-Händler Amazon, der immer wieder wegen seiner Arbeitsbedingungen in der Kritik steht. Sogar Wirecard als Negativbeispiel für Unternehmensführung sei lange in nachhaltigen Fonds vertreten gewesen.
Am Beispiel zweier Deka-Fonds zeigen die Studienautoren auf, dass sich die Zusammenstellung der nachhaltigen von der konventionellen Variante kaum unterscheidet. Die zehn größten Positionen seien in beiden Fonds identisch.
„Nachhaltig investieren ist möglich“
Das niederschmetternde Ergebnis bedeute aber nicht, dass nachhaltiges Investieren unmöglich ist. „Insbesondere auf Nachhaltigkeit spezialisierte Anbieter bieten bereits heute Fonds an, die nur in sorgfältige Firmen investieren“.
Finanzwende fordert ein einheitliches Label für nachhaltige Geldanlagen, eine strenge europäische Definition von nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten sowie mehr Transparenz von Engagement-Strategien.
