München (tö). Die Preise für Eigentumswohnungen und Häuser dürften in Deutschland weiter tendenziell zulegen, aber längst nicht überall. In knapp mehr als der Hälfte aller 401 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte müssen Haus- und Wohnungsbesitzer damit rechnen, dass die Immobilienpreise stagnieren oder sogar zurückgehen. Dies zeigt der jährliche Wohnatlas der Postbank, den das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) erarbeitet hat. Rückschläge sind demnach vor allem im Osten der Republik wahrscheinlich.
Der Süden boomt
Weitere Zuwächse bei den Kaufpreisen erwartet das HWWI vor allem für den süddeutschen sowie den Hamburger und Berliner Raum und das Weser-Ems-Gebiet. Im westlichen Mitteldeutschland dürften laut der Prognose die Kaufpreise überwiegend lediglich stabil bleiben. Für weite Teile Ostdeutschlands – mit Ausnahme von Berlin, Potsdam, Leipzig, Jena, Erfurt und Weimar – sei hingegen von sinkenden Kaufpreisen für Immobilien auszugehen.
Die neue Prognose reicht bis ins Jahr 2035. Sie beruht unter anderem auf Annahmen zur demografischen Entwicklung, Haushaltsstruktur, Erwerbstätigkeit, Alter und verfügbaren Einkommen in den untersuchten Kreisen und Städten.
Der Analyse zufolge ist mit weiteren Wertzuwächsen vor allem in wachsenden und wirtschaftlich starken Regionen mit hohen Anteilen jüngerer, gutverdienender Erwerbstätiger an der Bevölkerung zu rechnen. In München, bereits heute teuerste Großstadt Deutschlands, prognostiziert das HWWI einen realen Preisanstieg um durchschnittlich mehr als zwei Prozent pro Jahr.
Überdurchschnittlich starke Zuwächse sieht das Expertenteam aber nicht nur in Bayerns Metropole und dessen Einzugsgebiet. Zu den zehn Regionen mit den höchsten erwarteten jährlichen Preisanstiegen bis 2035 zählen etwa auch der an Hamburg grenzende Landkreis Herzogtum Lauenburg, der Landkreis Lüneburg in Niedersachsen, Heilbronn in Baden-Württemberg, Miesbach in Oberbayern oder Landshut in Niederbayern.
Wo Wertverlust droht
Doch es wird auch Verlierer-Regionen geben. Wertverluste bei Wohnimmobilien sind laut der Prognose vor allem in strukturschwachen Regionen wahrscheinlich, wo die Bevölkerung schrumpft und die Zahl der älteren Bürger überdurchschnittlich stark zunimmt. Das treffe besonders Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen und das Saarland, aber auch Ruhrgebietsstädte wie Herne, Gelsenkirchen, Hagen, Duisburg oder Bochum.
Aber selbst für solche Regionen gilt der Grundsatz: Wer keine Kapitalanlage sucht, sondern langfristig ein Eigenheim selbst nutzen will, kann sich auch in diesen Regionen eine Immobilie kaufen. Ist das Eigenheim erst einmal abbezahlt und mietfreies Wohnen im Alter möglich, gilt das als wichtiger Baustein für die Altersvorsorge.