München (tö). Egal ob es um den altersgerechten Umbau der eigenen vier Wände geht, eine zweite Immobilie als Kapitalanlage oder die Modernisierung des eigenen Zuhauses – auch wer 55 Jahre oder älter ist, hat noch gute Chancen, ein Hypothekendarlehen zu bekommen. Das zeigt eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung bei großen Kreditvermittlern und drei Verbraucherzentralen. Demnach schauen die Banken und Sparkassen bei Immobilienkrediten für ältere Kunden aber schon genauer hin.
Wer wenige Jahre vor der Rente oder sogar im Rentenalter sich noch einmal Geld von seiner Bank leihen wollte, hatte es früher schwerer. Geld gab es dann nur, wenn die Kreditnehmer das Darlehen zu Lebzeiten abbezahlen konnten. Das lag an den strengen Vergaberegeln der Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie von 2016. Inzwischen hat sich die Situation verbessert. Laut der neuen Leitlinien vom Mai 2018 soll das Alter genauso wie die statistische Lebenserwartung nicht mehr maßgebend sein, ob es einen Kredit gibt oder nicht. So liegt den Verbraucherzentralen Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg auch keine auffällige Zahl von Beschwerden vor, die auf eine Benachteiligung von älteren Menschen oder Rentnern bei der Kreditvergabe hindeuten.
Mehrere Angebote einholen
Auch die Kreditvermittler Dr. Klein und Interhyp haben keine Hinweise darauf, dass sich Banken und Sparkassen bei älteren Kunden systematisch sperrig zeigen. Kunden im Alter von 55 plus, die ein Hypothekendarlehen aufnehmen wollen, müssten aber flexibel sein. Sie sollten sich bei einer Absage ihrer Hausbank nicht damit zufriedengeben, sondern weitere Angebote einholen. Dabei hilft es zu wissen, worauf die Kreditinstitute bei der Vergabe von Hypothekendarlehen an über 55-Jährige besonderen Wert legen.
Tipp 1: Je höher das Alter, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Kreditinstitute auf mehr Sicherheiten bestehen.
Dazu können zählen: Möglichst viel Eigenkapital, eine hohe Mindesttilgung, mindestens drei Prozent ab einem bestimmten Alter und eine Vorausberechnung, wie hoch die Rente oder die Zusatzrenten sein werden, wenn das Darlehen nicht bis zum Renteneintritt zurückbezahlt werden kann (zu finden in der jährlichen „Renteninformation“ der gesetzlichen Rentenversicherung und den Standmitteilungen der Lebensversicherer).
Tipp 2: Hilfreich kann oft auch ein zweiter jüngerer Darlehensnehmer sein, der den Kreditvertrag mitunterzeichnet.
Oder die Nennung von Kindern bis hin zur Vorlage eines Testaments, damit die Bank sieht, dass die Nachfolge geregelt ist. Deshalb ist es gut, gerade bei hohen Kreditsummen das Projekt mit den zukünftigen Erben im „Familienrat“ zu besprechen.
Tipp 3: Die staatliche KfW-Bank vergibt zinsgünstige Kredite und Zuschüsse für Bau, Kauf und Modernisierung von privaten Immobilien.
Fördergeld gibt es auch, um Barrieren abzubauen – unabhängig von Alter und Einkommen. Die Stiftung Warentest rät, sich rechtzeitig zu erkundigen, welche Programme für das geplante Vorhaben infrage kommen. Wichtig sei auch, die Fördermittel rechtzeitig zu beantragen. Die Arbeiten dürften erst losgehen, „nachdem die Förderzusage da ist“, so die Stiftung.
