Wiesbaden (dpa). Die Teuerung in Deutschland hält sich trotz eines erneuten Rückgangs hartnäckig über der Sechs-Prozent-Marke. Im August lagen die Verbraucherpreise um 6,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Inflationsdaten errechnet hat. Volkswirte rechnen zwar mit einer Fortsetzung des jüngsten Abwärtstrends in den kommenden Monaten, von heute auf morgen verschwinden dürfte das hohe Preisniveau aber nicht.
„Die enttäuschenden August-Zahlen sollten nicht überbewertet werden“, meint Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. „Auf den Vorstufen der Konsumentenpreise, also bei Erzeugern und beim Import, gehen die Preise mittlerweile sogar zurück. Dieser nachlassende Preisdruck wird ab September auch bei den Verbraucherpreisen ankommen.“
Der Chefvolkswirt des Fondsanbieters Union Investment, Jörg Zeuner, erklärte, ein zügigerer Rückgang der Inflation werde einerseits durch die zuletzt gestiegenen Energiepreise verhindert, anderseits durch die nach wie vor solide Situation am Arbeitsmarkt: „Diese führt nämlich zu einer ordentlichen Lohndynamik und hat durch den starken Sommertourismus weitere Unterstützung erfahren.“
Zum Jahresende „Werte um vier Prozent möglich“
Viele Ökonomen rechnen jedoch mit weiter sinkenden Inflationsraten in den kommenden Monaten. „Im September dürfte die Inflationsrate um schätzungsweise 1,5 Prozentpunkte zurückgehen, weil dann der Effekt des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts aus dem Vorjahresvergleich herausfällt“, prognostizierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
Wegen dieses sogenannten Basiseffekt sagen auch die Ökonomen der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) von September an einen „deutlichen Rückgang“ der Teuerung voraus: „Gegen Ende des Jahres sollten Werte um vier Prozent möglich sein.“ Im vergangenen Sommer hatte das im Juni 2022 für drei Monate eingeführte 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr den Preisauftrieb in Deutschland gedämpft.
Mit einer Rückkehr zu einer Zwei vor dem Komma bei der allgemeinen Teuerungsrate rechnen Volkswirte erst im Schnitt des kommenden Jahres. Bei einer Inflation von mittelfristig 2,0 Prozent im Euroraum sehen die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) ihr Ziel stabiler Preise erreicht. Im August lag der sogenannte HVPI, den die EZB für ihre Geldpolitik heranzieht, in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland nach vorläufigen Zahlen bei 6,4 Prozent.
