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Konjunktur-Dämpfer erwartet – Stimmungseinbruch in Branchen

Eigentlich sollte es in diesem Jahr wirtschaftlich bergauf gehen. Der Iran-Krieg aber bremst das Wachstum. Die Folgen des Konflikts dürften noch länger spürbar sein.

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Rote Verlaufskurve von Aktienkursen mit Zahlen, Strommasten und Industriesymbolen im Hintergrund.

© Nicht definiert

Berlin (dpa). Die Folgen des Iran-Kriegs drücken zunehmend auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland. Die Bundesregierung rechnet nach einem stärker als erwarteten Start ins Jahr mit einem deutlichen Konjunktur-Dämpfer im zweiten Quartal. Die Anzeichen für eine spürbare konjunkturelle Abschwächung verdichteten sich, schreibt das Wirtschaftsministerium in einem Bericht zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland im Mai. 

Vor mehr als drei Wochen hatte die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr bereits halbiert. Erwartet wird nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent. Die Eskalation im Nahen Osten habe Deutschland wie auch andere Länder wirtschaftlich zurückgeworfen, hatte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gesagt. Der Krieg im Iran treibe die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe.

Zu Jahresbeginn war die deutsche Wirtschaft noch deutlicher gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt legte nach Daten des Statistischen Bundesamts im ersten Quartal zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu. 

Preissprünge und hohe Unsicherheit

Im Monatsbericht des Ministeriums heißt es nun, aktuelle Indikatoren deuteten auf einen deutlichen Dämpfer im zweiten Quartal hin. „Steigende Preise, Lieferkettenprobleme und Unsicherheit belasten die Stimmung in Unternehmen und privaten Haushalten.“ In den kommenden Monaten werde weiterhin mit hoher Volatilität an den Energie-, Rohstoff- und Finanzmärkten zu rechnen sein.

Folgen länger spürbar

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hänge davon ab, wie lange der Konflikt im Nahen Osten andauere und Handelswege sowie Produktionskapazitäten beeinträchtigt bleiben. „Aber auch nach einer Entspannung der Lage dürften die Folgen bei Energie- und Rohstoffpreisen sowie Lieferketten noch länger spürbar sein.“

Die Stimmungsindikatoren in der deutschen Wirtschaft hätten sich seit dem Beginn des Iran-Kriegs deutlich eingetrübt, heißt es in dem Bericht. Die Furcht vor weiter steigenden Energie- und Rohstoffpreisen sowie zunehmend spürbare Anspannung bei Lieferketten belasteten Unternehmen.
Die Ölpreise sind seit Beginn des Iran-Kriegs stark gestiegen. Grund ist, dass die für den Ölhandel zentrale Straße von Hormus faktisch geschlossen ist. Verbraucher in Deutschland spüren das vor allem wegen der hohen Preise an den Tankstellen. Bis Ende Juni noch gilt ein „Tankrabatt“, den die Bundesregierung beschlossen hatte. Politiker der schwarz-roten Koalition hatten im Falle eines andauernden Konflikts im Nahen Osten weitere Entlastungen in Aussicht gestellt.

Jobabbau durch Produktionsrückgang

Hohe Energiepreise belasten besonders energieintensive Industriebereiche in Deutschland – und haben zu einer geringeren Produktion sowie Jobverlusten geführt: Seit Februar 2022 fiel der Produktionsrückgang in ausgewählten Branchen wie Chemie, Papier, Glas oder Metallerzeugung mit 15,2 Prozent deutlich größer aus als in der gesamten Industrie mit 9,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Werte schließen den März dieses Jahres mit ein.

Mit dem Produktionsrückgang gingen etliche Arbeitsplätze verloren. Im März 2026 arbeiteten 794.400 Menschen in energieintensiven Branchen, 6,3 Prozent weniger als im Februar 2022. Das entspricht einem Verlust von etwa 53.200 Stellen. 

Stimmung in Wohnungsbaubranche bricht ein

Belastet wird aktuell auch der Wohnungsbau. Im April brach laut einer Konjunkturumfrage die Stimmung in der deutschen Wohnungsbauwirtschaft so stark ein wie seit rund vier Jahren nicht mehr. Das Geschäftsklima fiel laut Münchner Ifo-Institut von minus 19,3 auf minus 28,4 Punkte – der stärkste Rückgang seit April 2022. 

Vor allem die Zukunftserwartungen der Unternehmen trübten sich derzeit deutlich ein, aber auch die Beurteilung der laufenden Geschäfte verschlechtere sich. „Die geopolitische Unsicherheit belastet inzwischen auch den Wohnungsbau in Deutschland“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. „Mit fragilen Lieferketten und steigenden Finanzierungskosten kommen mehrere Risiken gleichzeitig auf den Bau zu.“ 

Die Sorgen um Lieferengpässe nehmen den Angaben zufolge spürbar zu. Im April meldeten 9,2 Prozent der befragten Unternehmen Einschränkungen bei der Materialversorgung – vor allem bei Grundstoffen. Zuvor hatte dieser Wert über zwei Jahre hinweg bei lediglich rund einem Prozent gelegen.

Bundesregierung plant Reformpaket

Die Bundesregierung steht unter zunehmendem Druck, grundlegende Reformen auf den Weg zu bringen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat als Priorität genannt, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhöhen. Wirtschaftsverbände drängen mit Blick etwa auf steigende Sozialabgaben auf Entlastungen. Bis zur parlamentarischen Sommerpause Mitte Juli will die Koalition ein großes Reformpaket bei Rente, Steuern, Arbeitsmarkt und Bürokratieabbau auf den Weg bringen.


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