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Ökonomen erwarten heftigen Konjunktureinbruch

Die Coronavirusepidemie versetzt der Wirtschaft einen Schock. Wie hart könnte es Deutschland treffen?

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Skyline in Frankfurt mit Bankenviertel und Gebäude der Europäischen Zentralbank im Vordergrund. Bild: IMAGO / Westend61

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Frankfurt/Main (dpa). Die Konjunktur in Deutschland wird nach Einschätzung von Volkswirten infolge der Coronavirus-Krise in diesem Jahr massiv einbrechen. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 2,5 Prozent. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) erwartet für das Gesamtjahr sogar ein Minus um 4 bis 5 Prozent.

Zuletzt war die deutsche Wirtschaft 2009 in der Folge der globalen Finanzkrise geschrumpft, damals um mehr als 5 Prozent.

Dramatisch, aber kein Weltuntergang

Ab dem dritten Quartal 2020 könnte sich die Konjunktur nach heutiger Einschätzung allmählich wieder erholen, sagte Stefan Schneider, Deutschland-Chefökonom der Deutschen Bank am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. „Das sind dramatische Zahlen, aber das ist sicherlich nicht der Weltuntergang“, sagte Schneider. Insgesamt funktioniere die deutsche Wirtschaft recht gut.

Im Jahr 2021 halten die Ökonomen bereits wieder ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland um gut 2 Prozent für möglich.

Schrumpfende Wirtschaftsleistung, steigende Arbeitslosigkeit

Die Virusepidemie belastet die gesamte Weltkonjunktur schwer. Die deutsche Wirtschaft sei über Liefer- und Produktionsketten wie auch über Absatzmärkte betroffen, erklärte das HWWI. Mit der schrumpfenden Wirtschaftsleistung werde auch eine steigende Arbeitslosigkeit einhergehen.

Die Prognose steht allerdings unter Vorbehalt: „Die ökonomischen Auswirkungen sind schon wegen des nicht absehbaren Ausmaßes der Epidemie schwer abschätzbar“, heißt es in der Mitteilung der Hamburger Forscher. „Die Gefahr einer längeren und noch ausgeprägteren Rezession, was Tiefe wie Dauer betrifft, ist bei Ausweitung der Pandemie hoch“

EZB rechnet mit Konjunktureinbruch im Euroraum

Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ rechnet EZB-Päsidentin Christine Lagarde mit einem Konjunktureinbruch im Euroraum. Grundlage sei eine Kalkulation der Folgen, die ein einmonatiges Herunterfahren der Wirtschaft hätte. Das könnte das Wachstum um 2,1 Prozentpunkte verringern. Dann würde das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr im Euroraum um 1,3 Prozent schrumpfen.

Wenn der Lockdown drei Monate betrage, könnte die Wirtschaft um 5 Prozent schrumpfen. Das wäre mehr als im Zuge der Finanz- und Eurokrise. 2009 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum um 4,4 Prozent.

EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel forderte angesichts der Krise eine engere Zusammenarbeit in Europa. „Es braucht jetzt europäische Solidarität, auch finanziell. Das ist im Interesse aller Länder Europas“, sagte die Ökonomin in einem von der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlichten Interview. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession sei „spürbar“ gestiegen. „Wir erleben einen sehr schweren ökonomischen Schock“, sagte Schnabel.

EU-Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis erwartet einen Wirtschaftseinbruch in vielen EU-Ländern. „Es ist klar, dass es Probleme geben wird. Sie werden ziemlich ernst sein. Wir sehen, dass es in vielen EU-Mitgliedstaaten sehr wahrscheinlich eine Rezession geben wird“, sagte Dombrovskis im lettischen Fernsehen. Die EU-Kommission rechnete zuletzt damit, dass die Wirtschaft in der EU insgesamt um etwa ein Prozent schrumpft.

Kleinere Unternehmen sind besonders insolvenzgefährdet

Viele kleinere Unternehmen in Deutschland erwischt die Krise einer Studie zufolge in einer ungünstigen Ausgangslage. Viele hätten eine schwache Bewertung ihrer Bonität, hieß es in einer Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Einige Branchen weisen demnach überdurchschnittlich hohe Anteile an insolvenzgefährdeten Unternehmen auf. Dazu wurde vor allem die Gastronomie gezählt.

Demnach haben 16 Prozent der kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten eine schwache Bonitätsbewertung. Bei kleineren Automobilzulieferern seien es 15 und in der chemisch/pharmazeutischen Industrie 14 Prozent.


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