Berlin (dpa). Wegen der gesunkenen Großhandelspreise für Strom und Gas sind nach Einschätzung von Branchenexperten Neukundenverträge derzeit tendenziell günstiger als Bestandskundenverträge. Damit sei ein Wechselanreiz gegeben, sagte der Energiemarktexperte Mirko Schlossarczyk von der Beratungsfirma Enervis der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Die Vergleichs- und Vermittlungsportale Check24 und Verivox, die ihr Geld unter anderem mit Provisionen der Energieunternehmen verdienen, bestätigen das: „In jüngster Zeit sind die Neukundenpreise für Strom und Gas regelrecht eingebrochen“, sagt Verena Blöcher von Verivox. Gleichzeitig seien die Preise der Grundversorger deutlich gestiegen. „Mit der Rückkehr des Sparpotenzials beobachten wir auch wieder eine deutliche Zunahme der Wechselaktivitäten.“
Wieder 50 bis 60 Angebote verfügbar
Doch wie groß ist das Angebot? Aus wie vielen Tarifen können Haushalte durchschnittlich bei Strom und Gas wählen? Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen schätzt die aktuelle Zahl auf 50 bis 60 verschiedene Tarife nach nur rund 20 auf dem Höhepunkt der Energiekrise im vergangenen Jahr. Vor der Krise seien es allerdings 120 bis 130 verschiedene Tarife gewesen, bei Strom sogar noch mehr, sagt der Energieexperte.
Check24 sieht auch eine gestiegene Anbieterzahl: „Es sind wieder mehr als doppelt so viele Anbieter bei uns im Vertrieb tätig als noch vor einem Jahr“, sagt Energie-Geschäftsführer Steffen Suttner. Auch Verivox stellt „wieder viel mehr Angebote als noch vor zwei Monaten“ fest. Die Anbieterzahl für Strom und Gas sei aber noch nicht wieder auf dem Vorkrisenniveau, „sondern bei rund 80 Prozent“. Das Angebot sei allerdings je nach Region sehr unterschiedlich.
Bei einem Wechsel solle man sich gut überlegen, zu welchem Anbieter man geht, mahnt Verbraucherschützer Sieverding. „Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte ein größeres Unternehmen oder die Tochter eines Stadtwerks wählen.“
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