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Tariflöhne steigen 2019 um 3,2 Prozent

Besonders die großen Tarifbranchen profitieren von guten Abschlüssen. Steigende Tariflöhne sind auch für Rentner eine gute Nachricht.

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Automobilfabrik Karosseriebau E-Auto VW. Bild: IMAGO / Rainer Weisflog

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Düsseldorf (dpa/mjj) Die Tariflöhne in Deutschland werden in diesem Jahr nach einer aktuellen Studie voraussichtlich um durchschnittlich 3,2 Prozent steigen. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Auswertung der im 1. Halbjahr 2019 abgeschlossenen Tarifverträge und der in den Vorjahren für 2019 vereinbarten Erhöhungen durch das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Zum Vergleich: Im Jahr 2018 lagen die Tariferhöhungen bei rund 3,0 Prozent.

Tarifabschlüsse höher als Inflationsrate

"Insgesamt bestätigen die Tarifabschlüsse im 1. Halbjahr 2019 den Trend des Vorjahres zu deutlich höheren Lohnzuwächsen", sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. Auch real würden die Beschäftigten damit mehr Geld in der Tasche haben, denn der Lohnanstieg liege deutlich über der Inflationsrate von aktuell rund 1,6 Prozent.

Trotz Schwächephase positive Einkommenserwartung

Dies könne die Binnennachfrage in Zeiten einer sich abkühlenden Konjunktur stärken, so das WSI. Konjunkturforscher und Volkswirte gehen derzeit davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach Jahren des Wachstums in eine Schwächephase schlingert. So leidet die Exportindustrie unter massiven Unsicherheiten auf dem Weltmarkt. "Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindikator im freien Fall", urteilte das Info-Institut letzte Woche. Das Institut wertet rund 9 000 monatliche Meldungen zur aktuellen und   künftigen Geschäftsentwicklung aus. Selbst im Dienstleistungssektor und im Handel sieht man die künftige Entwicklung merklich skeptisch. Allein im Baugewerbe stieg der Geschäftsklimaindex. 

Auch bei den Bürgern schwant, dass die fetten Jahren vorbei sind: Laut dem Marktforschungsinstitut GfK sank die Kauflaune der Verbraucher - und das nun schon zum dritten Mal in Folge. Bei der Konjunkturerwartung und der Anschaffungsneigung seien die Befragten ebenfalls pessimistischer. Nur bei der Einkommenserwartung geben sich die Deutschen weiter zuversichtlich. Dank guter Tarifabschlüsse können sie das auch. Denn oft werden heute zweistufige Lohnerhöhungen vereinbart.

Spitzenreiter Metallindustrie

Besonders hoch fallen die Tarifzuwächse in diesem Jahr laut WSI in den großen Tarifbranchen aus. Zu den Spitzenreitern zählt die Metallindustrie: Hier beträgt die jahresbezogene Tariferhöhung 4,1 Prozent. 

  • Eisen- und Stahlindustrie: 3,9 Prozent
  • Öffentlichen Dienst (Länder): 3,6 Prozent
  • Bauhauptgewerbe: 3,3 Prozent
  • Textilindustrie: 3,2 Prozent
  • Privaten Verkehrsgewerbe: 3,2 Prozent
  • Hotel und Gaststättengewerbe: 2,8 Prozent
  • Deutsche Bahn: 2,5 Prozent
  • Gebäudereinigerhandwerk: 2,3 Prozent

Gute Tarifabschlüsse lassen auch Renten steigen

Von steigenden Tariflöhnen profitiert nicht nur der Staat über die Einkommenssteuer, sondern auch die Sozialkassen: Mehr Einkommen bedeutet mehr Beiträge für Krankenkassen, Arbeitslosen-, Pflege- und Rentenversicherung. Und so werden auch Rentner zu "Trittbrettfahrern" guter Tarifabschlüsse: Weil die Renten über das so genannte Umlageverfahren an die Löhne gekoppelt werden, sind die Aussichten auf eine Rentenerhöhung im nächsten Jahr gut. Zuletzt stiegen die Renten in Ostdeutschland um 3,91 Prozent, in Westdeutschland um 3,18 Prozent. Wie hoch das Rentenplus 2020 ausfällt, wird erst am Ende des Jahres absehbar. Es kommt nicht nur darauf an, wie viel verdient wird, sondern auch wie viele Menschen sozialversicherungspflichtig arbeiten. 

Michael John mit Material von dpa




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