München (tö). Die Preise für Nahrungsmittel haben sich mit dem Anstieg der Inflation in den vergangenen Jahren zum Teil deutlich erhöht. Bei Bio-Lebensmitteln war der Preisanstieg aber häufig weniger stark als bei konventionell erzeugten Nahrungsmitteln. Dies zeigt eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Das ändert allerdings nichts daran, dass Verbraucher und Verbraucherinnen für Bio-Lebensmittel in der Regel tiefer in die Tasche greifen müssen als für die konventionell hergestellten Produkte. Die IW-Auswertung beruht auf Preisdaten der Preisvergleichs-App smhaggle, die sowohl reguläre als auch Angebotspreise enthält. Genutzt wird die App laut IW monatlich von etwa 150.000 Konsumenten.
Demnach sind die Durchschnittspreise zwischen dem ersten Quartal 2022 und dem zweiten Quartal 2023 für konventionelle Produkte wie zum Beispiel Weizenmehl um 76 Prozent gestiegen, für Bio-Weizenmehl hingegen um 27 Prozent. Beim Joghurt betrug der Aufschlag 55 Prozent verglichen mit 34 Prozent bei der Bio-Ware, bei Hackfleisch 33 Prozent gegenüber 20 Prozent und bei Geflügel-Salami 29 Prozent verglichen mit 15 Prozent bei der Bio-Alternative. Bei Emmentaler, Vollmilch und Rapsöl gab es ähnliche Unterschiede. Nur bei der Butter und der Salatgurke war der Rückgang von der Preisspitze bei den konventionellen Produkten deutlich stärker als bei den Bio-Produkten.
Bio ist krisenfester
Zur Begründung für diese Unterschiede beim Preisanstieg verweisen die IW-Ökonomen darauf, dass der ökologische Landbau auf einer Kreislaufwirtschaft beruht, indem die eigenen Ressourcen für den Pflanzenbau und die Tierhaltung in einem möglichst geschlossenen Betriebskreislauf bleiben sollen. Artgerechte Tierhaltung, umweltschonende Anbaumethoden und Betriebskontrollen verursachen zwar Mehrkosten für den Betrieb und für die Verbraucher höhere Preise. Gleichzeitig mache es die Öko-Betriebe aber auch „unabhängiger von den aktuellen Krisen“. Die IW-Forscher stellen deshalb außerdem fest: „Regional ausgerichtete Wertschöpfungsketten sorgen nicht nur für kürzere Transportwege, sondern auch für stabilere Preise.“
Bislang werden 11 Prozent der Flächen in der Landwirtschaft für den Ökoanbau genutzt. Die Bundesregierung plant, 30 Prozent der Fläche bis 2030 auf Öko umzustellen. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln war vor allem während der Hochphase der Corona-Pandemie gewachsen. Der Anteil von Bio-Produkten am gesamten Lebensmittelmarkt beläuft sich jedoch bisher auf lediglich sieben Prozent.
