München (tö). Auch nach der Zulassung von Bitcoin-ETFs durch die amerikanische Börsenaufsicht und dem Kursanstieg des Bitcoins sollten sich private Anleger mit Investitionen in Kryptowährungen zurückhalten. Nach Auffassung der Verbraucherzentralen sind Bitcoins nicht zum Vermögensaufbau geeignet. „Der Bitcoin hat keinen inneren Wert, und man erhält anders als bei Aktien auch keine Dividende“, sagte Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, dem Spiegel. Der Wert des Bitcoins hänge allein davon ab, „ob sich künftig jemand findet, der einen noch höheren Preis dafür bezahlen will“. Nauhausers Warnung an alle Anlegerinnen und Anleger: „Jedem, der Bitcoin kauft, sollte klar sein: Es kann gut sein, dass der Bitcoin eines Tages völlig wertlos ist.“
Der Bitcoin, zum ersten Mal 2009 gehandelt, gilt als die größte und älteste digitale Währung der Welt. Streng genommen ist es aber keine Währung, weil er von Staaten und Notenbanken nicht gedeckt wird. Auch als Zahlungsmittel ist die Kryptowährung kaum geeignet, solange sie im Wert so wie bisher kräftig schwankt. Trotzdem hatte die US-Börsenaufsicht SEC vergangene Woche börsengehandelte Bitcoin-ETFs genehmigt, also von Indexfonds, die die Kursentwicklung des Bitcoins widerspiegeln sollen. Darauf hatten große Investmentfirmen gedrängt, darunter der auch auf dem deutschen Markt tätige, weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock. Die SEC bleibt aber skeptisch: „Wir haben Bitcoin in keiner Weise anerkannt oder gutgeheißen“, teilte der Chef der Behörde, Gary Gensler, mit.
In Deutschland ist noch kein Bitcoin-ETF zugelassen
Hierzulande hat die deutsche Finanzaufsicht Bafin bislang keinen Bitcoin-ETF zugelassen. Das würde dem Sinn von ETFs widersprechen, die ja einen bestimmen Aktien- oder Anleihenindex mit verschiedenen Wertpapieren nachbilden sollen – und nicht einen Wert wie den Bitcoin. Wer nicht den komplizierten Umweg über spezielle Kryptobörsen nehmen will, kann aber über ETF oder andere Finanzprodukte wie börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen in einen Korb von Kryptounternehmen oder in verschiedene Kryptowährungen investieren. Auf Kryptowährungen zu setzen, heißt allerdings mental auf Achterbahnfahrt zu gehen. Beispiel Bitcoin: Der Kurs der Digitalwährung stieg 2021 auf über 60.000 Dollar, um bis Januar 2023 auf unter 20.000 Dollar zu fallen und dann wieder auf mehr als 40.000 Dollar zu steigen (Stand: 15.01.2024). Manche Marktbeobachter erwarten nach der Entscheidung der SEC nun einen erneuten Kursaufschwung und träumen von Kursen von weit über 100.000 Dollar. Nicht nur die Verbraucherzentralen warnen aber die Anleger in Deutschland:
- Bitcoins sind wegen der starken Kursturbulenzen nicht für die langfristige Altersvorsorge geeignet.
- Kryptoanlagen sind nicht nötig, um ein Wertpapierportfolio zu diversifizieren, also das Risiko auf „verschiedene Eier im Korb“ zu verteilen. Dies lässt sich auch anders bewerkstelligen, etwa über Investitionen in Immobilien-, Anleihen-, Rohstoff- oder Goldfonds.
- Kryptowährungen haben anders als Gold keine jahrhundertalte Geschichte als Wertspeicher. Verlässliche Aussagen über Rendite und Risiko sind nicht möglich.
- Sie sind auch nicht als Krisenwährung nutzbar, dafür braucht man immer Strom und eine funktionierende Internetverbindung.
- Immer wieder fallen Verbraucher auf Betrüger herein, die ihren Opfern mit vermeintlichen Kryptoanlagen Geld aus der Tasche ziehen.
