Ihre-Vorsorge Logo

„Demografischen Wandel so weit wie möglich aktiv gestalten“

Forum der DRV Braunschweig-Hannover zur Zukunft der Rente: Arbeits-, Bildungs- und Migrationspolitik wirken sich auf das Rentensystem aus.

Artikel vorlesen

Tags

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlicht

„Demografischen Wandel so weit wie möglich aktiv gestalten“

© Nicht definiert

Laatzen (drv/sth). „Der demografische Wandel verändert das Gesicht unseres Landes. Diesen Prozess wollen wir nicht einfach passiv hinnehmen, sondern soweit wie möglich aktiv gestalten.“ Das erklärte Professor Michael Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Braunschweig-Hannover, am Montag in Laatzen bei einem hochkarätig besetzten Expertenforum zur Finanzierung der gesetzlichen Rente. Heutige und nachfolgende Generationen würden die Auswirkungen wirtschaftlich spüren, so Sommer. „Aber jungen Menschen Angst zu machen, dass die gesetzliche Rentenversicherung als größte und wichtigste Säule der Alterssicherung ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen könne, ist ein falscher und gefährlicher Weg, mit den anstehenden Problemen umzugehen“, zeigte er sich überzeugt.

Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sozialversicherung verfolgten die Brisanz versprechende Veranstaltung beim niedersächsischen Rentenversicherer. Aktuell sei die gesetzliche Rentenversicherung finanziell solide aufgestellt, sagte Sommer, und verwies zur Begründung auf aktuelle Zahlen: „Mehr als 34 Millionen Frauen und Männer sind derzeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt – das ist die bisher größte Anzahl an Beitragszahlern.“ Zudem werde der Beitragssatz in der Rentenversicherung bis 2026 nach neuester Finanzschätzung auf dem heutigen Niveau bleiben, sagte Sommer.

„Tragfähigkeit der Rente hängt von der Erwerbsbeteiligung ab“

Die Tragfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung hänge entscheidend von der Erwerbsbeteiligung ab, „aber nicht allein von der Anzahl der erwerbstätigen Menschen“, ist sich Professor Dr. Stephan Thomsen sicher. Der Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Leibnitz-Universität Hannover ist der Auffassung, dass Faktoren wie Arbeitsumfang, Art der Beschäftigungsverhältnisse und Produktivität ebenso wichtig seien. Deshalb wirkten sich Arbeits-, Bildungs- und Migrationspolitik auch direkt auf das Rentensystem aus. „Deren wirtschaftliche Folgen dürfen nicht emotional und isoliert betrachtet – oder gar ignoriert werden“, mahnt der Professor für Volkswirtschaftslehre. Insbesondere Bildung und Integration seien mittel- bis langfristige Investitionen.

„Die Erfahrungen der letzten 15 Jahre haben gezeigt, dass ein starker Arbeitsmarkt die demografische Entwicklung mehr als ausgleichen kann“, sagte Professor Dr. Hilmar Schneider, Lehrbeauftragter an den Universitäten Luxemburg und Potsdam, in der Veranstaltung. Für die Politik ergebe sich daraus die vordringliche Aufgabe, das Arbeitsplatzwachstum auch in Zukunft sicherzustellen, um die bevorstehenden demografischen Herausforderungen meistern zu können. „Statt der Vier-Tage-Woche bedarf es eher einer Flexibilisierung der bestehenden Arbeitszeitbeschränkungen und einer aktiv gesteuerten Zuwanderungspolitik“, meinte der Arbeitsökonom.

„Rentenversicherung für die nächsten Jahre gut vorbereitet“

Dr. Reinhold Thiede sieht die gesetzliche Rentenversicherung für die Aufgaben der nächsten Jahre gut vorbereitet. Der Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung der Deutschen Rentenversicherung Bund zeigte eindrucksvoll, wie sich das System Alterssicherung schon in der Vergangenheit immer neuen und scheinbar unüberwindbaren Herausforderungen gestellt hat und sagte: „Der demografische Wandel ist eine Herausforderung – wir haben ähnliche Belastungen aber in der Vergangenheit bereits bewältigt.“ Es gebe ein erprobtes Instrumentarium und verschiedene Ansatzpunkte, mit denen „zielgerichtet gehandelt sowie Rahmenbedingungen evidenzbasiert angepasst werden können“.

„Die gute Nachricht ist doch: Der demografische Wandel ist zu bewältigen“, zeigte sich auch Helga Schwitzer optimistisch. Schließlich gebe es dafür viele Stellschrauben. Schon jetzt werde die Arbeitswelt digitaler, flexibler und hybrider. Damit dürften die Menschen aber nicht allein gelassen werden: „Soziale Beziehungen, Teamstrukturen und gute Arbeitsbedingungen müssen für alle erhalten bleiben“, forderte die alternierende Vorstandsvorsitzende der DRV Braunschweig-Hannover. Auch Frauen, die Kinder oder ältere Angehörige betreuen, bräuchten Arbeits- und Lebensbedingungen, die ihnen die Chance auf eine volle Erwerbsbeteiligung ermöglichten. Dafür müssten Betreuungsmöglichkeiten ausgebaut und Beschäftigungsmodelle geschaffen werden, mit denen Beruf und Familie besser vereinbar seien, so Schwitzer.

Spezielle Programme helfen auch schon vor der Reha

Dennoch fühlt sich nicht jeder Mensch der Arbeitswelt gewachsen. „Mit den klassischen Leistungen zur Teilhabe unterstützen wir Versicherte bei der schnellen Rückkehr in die Beschäftigung“, berichtete Jan Miede, Geschäftsführer der DRV Braunschweig-Hannover. Viele Programme setzten sogar schon vorher an: etwa der Ü45-Check-up oder das Präventionsangebot RVFit. „Seit einigen Jahren stellen wir aber auch eine Komplexität der Bedarfe fest: psychische Erkrankungen, die häufig mit beruflichen und sozialen Problemlagen einhergehen“, erklärte der Rentenversicherungs-Chef. Mit speziellen, betreuungsintensiven Angeboten könnten fast alle der Teilnehmenden wieder im Berufsleben integriert werden. „Unser Ziel ist immer die Sicherung der Teilhabe“, betonte Miede. So könnten gut ausgebildete Fachkräfte dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben und der demografische Wandel letztlich auch bewältigt werden.

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
2 Minuten

Setzt die Koalition die Rentenreform um oder überlegt es sie sich bei der populären „Rente mit 63“ noch einmal anders? Die Sozialministerin will die Reform – und macht ein Versprechen.

Time
2 Minuten

Der Kanzler macht auch nach der CDU-Schlappe in Sachsen-Anhalt klar, dass große Gesetzesvorhaben weitergehen sollen. Bei der Rente signalisiert er Gesprächsbereitschaft über eine heikle Frage.

Time
2 Minuten

Gesellschaftsforscher haben sich eine wichtige Zahl zur Rente genauer angeschaut: die statistische Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren. Wie nah liegt sie an der Wirklichkeit?

Time
6 Minuten

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt mehren sich Stimmen in der Regierungskoalition, die viele Reformpakete wieder aufschnüren wollen. Im Zentrum der Kritik: die Vorschläge der Alterssicherungskommission.

Time
2 Minuten

Der erstmalige Bezug von Altersrente lag 2025 laut Jahresbericht der deutschen Rentenversicherung bei durchschnittlich 64,7 Jahren.

Time
1 Minuten

Angst vor Lücken in der Rentenbiografie durch lange Krankheit oder private Krankenversicherung? Das lässt sich vermeiden.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026