Berlin (dpa/sth). Die Bundesregierung hat sich auf neue Regeln für die Einwanderung von Fachkräften geeinigt. Der am Mittwoch dazu vom Kabinett beschlossene Gesetzentwurf soll Deutschland für qualifizierte Arbeitskräfte attraktiver zu machen. Neben verschiedenen Erleichterungen – etwa beim Familiennachzug und der Anerkennung von Berufsabschlüssen – enthält der Entwurf die Einführung einer sogenannten „Chancenkarte“, auch Basis eines Punktesystems. Zu den Kriterien, die bei der Errechnung der Punktzahl berücksichtigt werden, zählen Sprachkenntnisse, Berufserfahrung, Alter und Deutschlandbezug.
Die „Chancenkarte“ bietet zudem Möglichkeiten zu Probearbeit oder Nebenbeschäftigung. Der Wechsel in Aufenthaltstitel zu Erwerbs- oder Bildungszwecken ist erlaubt. „Auch dies dient dazu, neue Potenziale von geeigneten Arbeitnehmern für den deutschen Arbeitsmarkt zu erschließen, denen bislang die Arbeitsplatzsuche nicht möglich war“, heißt es in dem Entwurf. Die Voraussetzungen für einen Aufenthaltstitel zum Zweck der Ausbildungsplatzsuche werden deutlich abgesenkt. „Nach jahrelangem Drängen bekommt Deutschland endlich ein modernes Einwanderungsrecht mit einem Punktesystem nach kanadischem Vorbild“, sagte die FDP-Bundestagsabgeordnete Ann-Veruschka Jurisch.
Beim Staatsangehörigkeitsrecht besteht noch Abstimmungsbedarf mit der FDP
Bei der geplanten Reform des Staatsangehörigkeitsrechts, die Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) gerne zusammen mit dem Gesetzentwurf zur Fachkräfte-Einwanderung ins Kabinett gebracht hätte, gibt es allerdings noch Abstimmungsbedarf mit der FDP. Die Liberalen sind zwar nicht dagegen, die doppelte Staatsbürgerschaft auch für Nicht-EU-Bürger grundsätzlich zu ermöglichen. Die Verkürzung der Mindestaufenthaltszeit im Regelfall von acht Jahren auf fünf Jahre findet ebenfalls ihre Zustimmung. Bei den sonstigen Voraussetzungen für die Einbürgerung - Sprache und Sicherung des eigenen Lebensunterhalts – wollen die Liberalen jedoch keine Abstriche machen und weniger Ausnahmen zulassen.
Die Zuwanderung von Fachkräften gilt unter Fachleuten auch als ein zentraler Schlüssel, um das deutsche Rentensystem langfristig zu stabilisieren. Nach Schätzungen aus dem Jahr 2020 gehen hierzulande bis 2030 allein etwa sechs Millionen Beschäftigte mit Universitätsabschluss in Rente. Durch Innovation und Digitalisierung erhöht sich gleichzeitig der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Obwohl mehr als ein Drittel der jüngeren Generation einen Universitätsabschluss erwirbt, stellt der Strukturwandel den Arbeitsmarkt nach Expertenansicht vor große Probleme. Auch wenn sich der Anteil der Bevölkerung, der im Ausland geboren wurde, in den letzten 20 Jahren ungefähr verdoppelt hat (von acht auf rund 16 Prozent), wird Migration ein wichtiger Weg sein, die Lücke der benötigten Arbeitskräfte zu schließen.
