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Forscherin: Rentenalter steigt schneller als die Lebenserwartung ab 60

Mit einer besonderen Berechnungsmethode glaubt eine Datenexpertin nachweisen zu können, dass die gestiegene Altersgrenze die Zeit des Rentenbezugs deutlich verkürzt hat.

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Ältere Arbeiterin und ihr männlicher Kollege in einem Holzlager. Bild: IMAGO / MASKOT

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Frankfurt am Main (sth). Die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) sind eindeutig: Der Zeitraum, in dem Menschen eine gesetzliche Erwerbsminderungs- oder Altersrente beziehen, ist in den vergangenen Jahrzehnten nahezu ununterbrochen gewachsen. Nach jüngsten DRV-Daten, die ihre-vorsorge.de vorliegen, bekamen Frauen im Jahr 2023 im Durchschnitt 22,1 Jahre lang eine Rente gezahlt, Männer 18,8 Jahre lang. Die gemeinsame durchschnittliche Rentenbezugsdauer von Frauen und Männern stieg demnach zwischen 1993 und 2023 von 15,6 auf 20,5 Jahre - nahezu um ein Drittel. 

Auch die sogenannte fernere Lebenserwartung ab 65 Jahren wuchs bei gesetzlich rentenversicherten Seniorinnen und Senioren den DRV-Statistikern zufolge in den vergangenen 25 Jahren im Schnitt um knapp zweieinhalb Jahre bei den Frauen (auf 21 Jahre) und fast drei Jahre bei den Männern (auf 17,5 Jahre). Da die sogenannte Regelaltersgrenze seit 2012 schrittweise auf 67 Jahre steigt und es die frühere Möglichkeit zu einem besonders frühen Rentenstart heute nicht mehr gibt, kletterte zudem das durchschnittliche Alter von Frauen und Männern bei Rentenbeginn laut DRV auf zuletzt einheitlich 64,4 Jahre.  

Berechnungen mit der Sullivan-Methode

Zu einem ganz anderen Ergebnis ist jetzt die Datenspezialistin Dagmar Pattloch vom Forschungsdatenzentrum bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Berlin gekommen. Nach ihren Berechnungen, die auf der sogenannten Sullivan-Methode beruhen, lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter im Jahr 2022 bei 64,9 Jahren und damit ein halbes Jahr höher als nach den DRV-Daten - “mit einer zu erwartenden Dauer von 16,6 Jahren bei Männern bzw. 20,2 Jahren bei Frauen”. Zwischen 2012 und 2022, also im Jahrzehnt seit dem Einstieg in die Rente mit 67, zeigte sich Pattlochs Ergebnissen zufolge zudem ein “merklicher Aufschub des Beginns von Altersrente um 1,0 Jahr bei Männern und um 1,4 Jahre bei Frauen”. 

Nach der Sullivan-Methode wird laut Pattloch die Lebenserwartung von 60-Jährigen (statt üblicherweise 65-Jährigen, d. Red.) in den Abschnitt vor und nach Rentenbeginn aufgeteilt. Besonderheiten des Verfahrens sind nach Angaben der Forscherin eine sogenannte Rentenprävalenz und eine Sterbetafel. Unter Rentenprävalenz sei der Anteil der Bevölkerung zu verstehen, der “zum jeweiligen Jahresende tatsächlich die entsprechende Art der Rente von der DRV erhält”. Die Prävalenz werde ab dem 60. und bis zum 85. Lebensjahr ”jahresweise nach Alter und Geschlecht berechnet", so Pattloch. 

Sterbetafel und “adjustierte Rentenprävalenz”

Die Sterbetafel wiederum sei eine “Excel-Tabelle mit einzelnen Zeilen für jedes Altersjahr (60 bis 85 und älter)”, schreibt die Forscherin. Die Sullivan-Methode verknüpfe in jeder Zeile die Sterbetafel mit einer sogenannten “adjustierten" Rentenprävalenz. Die Rentenprävalenz im Alter 70 könne dabei “als Schätzwert für die Abdeckung der Bevölkerung mit Rentenansprüchen dienen” und lasse sich somit als Adjustierungsfaktor verwenden. Das Ergebnis: “Die Bevölkerung wird mit Hilfe des Adjustierungsfaktors geschrumpft, d.h. verkleinert auf den Anteil, der jemals eine Altersrente der DRV bekommt oder bekommen wird”, so Pattloch.

Die Folgen der so ermittelten Ergebnisse sind für die Rentenversicherung erheblich: Die durchschnittliche Dauer des Altersrentenbezugs hat sich laut Pattloch im vergangenen Jahrzehnt nicht verlängert, sondern deutlich verkürzt - um 0,8 Jahre bei Männern und um 1,3 Jahre bei Frauen. Die Anhebung der Regelaltersgrenze seit 2012 habe damit “tatsächlich die beabsichtigte Wirkung, die Inanspruchnahme von Rente zu reduzieren”, so die Wissenschaftlerin. Mit Blick auf die anhaltende Debatte um ein künftig womöglich weiter steigendes Rentenalter stellt sie jedoch ernüchtert fest: “Das Problem ist, dass diese Wirkung bisher weitgehend unbemerkt blieb."

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