Magdeburg (dpa/sa/drv). Jeder zweite Rentner in Sachsen-Anhalt mit mindestens 40 Beitragsjahren hat eine monatliche Rente von weniger als 1200 Euro. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion hervor. Den Angaben zufolge gab es am 31. Dezember 2020 in Sachsen-Anhalt etwa 389.000 Rentner, die mindestens 40 Jahre lang Beiträge für die Rentenversicherung gezahlt hatten. Rund 203.000 Senioren von ihnen mussten mit weniger als 1200 Euro pro Monat auskommen. Bei rund 97.000 Menschen reichten auch 45 und mehr Beitragsjahre nicht aus, um über die Schwelle von 1200 Euro Rente zu kommen.
In der Statistik gibt es deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. In den alten Bundesländern bleibt etwa jeder Dritte bei 40 Versicherungsjahren unter 1200 Euro, im Osten ist jeder Zweite betroffen. Insgesamt hatten in den neuen Bundesländern Ende 2020 rund 1,13 Millionen Rentner mit mindestens 40 Versicherungsjahren weniger als 1200 Euro Rente. Ebenfalls etwa 1,13 Millionen Rentner hatten 1200 Euro und mehr. Im alten Bundesgebiet überwies die Rentenkasse an rund 1,54 Millionen Senioren mit mindestens 40 Versicherungsjahren monatlich weniger als 1.200 Euro, 3,21 Millionen Rentner erhielten mehr.
Der Rentenschätzer hilft Ihnen zu schätzen, wie hoch Ihre spätere Rente in unterschiedlichen Szenarien ausfallen kann.
„Ostdeutschland ist Minirentenland“, kritisiert Eva von Angern, Fraktionschefin der Linken im Landtag von Sachsen-Anhalt. Dies sei „ein Ergebnis jahrzehntelang fehlgeleiteter Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik“. Die Zahlen würden belegen, dass die eingeführte Grundrente im Kampf gegen Altersarmut „völlig unzureichend“ sei. Die Bundesregierung müsse „eine neue Haltelinie“ einziehen. „Niemand darf mit 40 Versicherungsjahren unter 1200 Euro Rente fallen“, sagte von Angern.
Rentner haben oft weitere Einkünfte
Die Betrachtung individueller Ansprüche alleine aus der gesetzlichen Rentenversicherung besitzt nur eine begrenzte Aussagekraft hinsichtlich der generellen Einkommenssituation von Rentnerinnen und Rentnern. Darauf weist die Deutsche Rentenversicherung hin. Rentnerinnen und Rentner haben in zahlreichen Fällen Alterseinkünfte aus weiteren Quellen, beispielsweise Betriebsrenten, Einkünfte eines Partners oder daraus abgeleiteten Ansprüchen auf Hinterbliebenenleistungen. Die Einkommenslage kann daher immer nur im Haushaltskontext bestimmt werden.
Ein Gesamtbild der Einkommenslage von Rentnerinnen und Rentnern vermittelt der aktuelle Alterssicherungsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2020. Danach erreichen Ehepaare in Deutschland ein durchschnittliches Netto-Gesamteinkommen aus Alterssicherungsleistungen und zusätzlichen Einkommen in Höhe von 2907 Euro im Monat. Unter den alleinstehenden 65-Jährigen und Älteren beziehen Männer im Durchschnitt ein Gesamteinkommen von 1816 Euro, bei Frauen sind es 1607 Euro.
