Ihre-Vorsorge Logo

Bürgergeld: Arbeitsmarktexperte warnt vor zu harten Strafen

Die Forderungen nach harten Sanktionen für sogenannte Totalverweigerer im Bürgergeld werden lauter. Arbeitsmarktforscher Weber warnt davor, Menschen als "schwarze Schafe" zu kategorisieren.

Artikel vorlesen

Lesezeit

2 Minuten

Veröffentlicht

Bürgergeld: Arbeitsmarktexperte warnt vor zu harten Strafen

© Nicht definiert

Berlin (dpa) - Der Arbeitsmarktexperte Enzo Weber warnt in der Debatte über Verschärfungen beim Bürgergeld vor einem Schwarz-Weiß-Denken und zu harten Sanktionen. Man solle sich “tunlichst hüten”, Arbeitslose unter den Bürgergeld-Beziehern “in einen Topf von mittlerweile sogenannten Verweigerern zu werfen”, sagte der Forscher vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im “Morgenecho” auf WDR 5.Von den 5,6 Millionen Menschen, die in Deutschland Bürgergeld beziehen, seien weniger als zwei Millionen Arbeitslose. Wiederum weniger als ein Prozent davon würden jährlich sanktioniert.

Die Probleme, die bei Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit und der Grundsicherung auftreten, seien vielfältig, sagte Weber. Es gebe gesundheitliche Einschränkungen, Pflegeverpflichtungen von Kindern, fehlende berufliche Abschlüsse oder etwa Sprachschwierigkeiten. “Also dieser Realität muss man sich stellen. Und diese Realität, die ist nicht schwarz-weiß. Also da kommt man nicht weiter mit, indem man Menschen kategorisiert als schwarze Schafe oder nicht”, sagte der Experte. Weber forderte, man solle nicht direkt “auf Totalsanktionen und Totalverweigerer schielen, sondern mit Augenmaß nachlegen”, etwa mit Sanktionen, die nicht so hart in die Lebensverhältnisse der Menschen eingreifen.

Zu harte Sanktionen nicht sinnvoll

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, mehr als 100.000 Menschen das Bürgergeld komplett zu streichen. “Die Statistik legt nahe, dass eine sechsstellige Zahl von Personen grundsätzlich nicht bereit ist, eine Arbeit anzunehmen”, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Grüne, Linke und Sozialverbände warfen ihm unter anderem Populismus und Volksverhetzung vor und stellten die von Linnemann genannte Größenordnung infrage.

Weber sieht in der Debatte über schärfere Sanktionen für sogenannte Totalverweigerer ein Problem, weil es “suggeriert, das wesentliche Problem, das wir hätten, wäre jetzt, eine kleine Gruppe von schwarzen Schafen zu sanktionieren”. Der Sinn von Sanktionen sei, dass Menschen ihr Verhalten anpassen - dafür brauche man aber das richtige Maß. Seien die Strafen zu hart, gebe es negative Folgen. “Menschen ziehen sich vom Arbeitsmarkt zurück, ich zerstöre Vertrauen. Ich drücke Menschen auch in wenig nachhaltige Jobs. Sie sind schnell in der Arbeitslosigkeit wieder zurück”, so Weber. 

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
3 Minuten

Lichtblick beim Wohnungsbau: Erneut wurden mehr Wohnungen in Deutschland bewilligt, seit Jahresanfang steht ein kräftiges Plus. Für Bauherren gibt es allerdings neue Hürden.

Time
2 Minuten

Ein Nebenjob hat in erster Linie meist nichts mit dem Arbeitgeber vom Hauptjob zu tun. Doch das heißt nicht, dass dieser gar kein Mitspracherecht hat.

Time
2 Minuten

Der Arbeitgeber stellt als Firmenwagen ein E-Auto oder ein Plug-in-Hybrid-Fahrzeug zur Verfügung. Aber wie können sich Arbeitnehmer die Ausgaben erstatten lassen, wenn sie auf eigene Kosten laden?

Time
5 Minuten

Workation klingt verlockend, bringt aber viele rechtliche und organisatorische Hürden mit sich. Was Beschäftigte vor und beim mobilen Arbeiten im EU-Ausland beachten müssen.

Time
3 Minuten

Bei Sozialbetrug geht es um kriminelle Machenschaften und viel Geld. Die Bundesregierung hat einen verstärkten Kampf dagegen bereits angekündigt. Nun sollen Taten folgen.

Time
2 Minuten

Die Beschäftigten in Deutschland müssen mehr arbeiten: So heißt es oft. Viele sind dazu bereit – und tun es bereits, ergab eine Umfrage.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026