Ihre-Vorsorge Logo

Die Kluft zwischen deutschen Regionen wächst

Eine neue Studie zeigt, dass Deutschland von gleichwertigen Lebensverhältnissen weit entfernt ist. Was bedeutet das für die Zukunft?

Artikel vorlesen

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Sächsische Grenzstadt Görlitz an der Neiße. Bild: IMAGO / Panthermedia

© Nicht definiert

Berlin (dpa). Fast 30 Jahre nach dem Fall der Mauer bleibt Deutschland nach einer neuen Studie ein Land der Gegensätze. Anders als früher zeige sich eine Zerrissenheit bei Wirtschaftskraft und Demografie aber nicht mehr vorrangig in einem markanten Ost-West-Gefälle, sagte Mitautor Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung am Freitag in der Hauptstadt. Vielmehr entwickele sich neben einer Nord-Süd-Drift bundesweit ein starker Gegensatz zwischen Stadt und Land.

Studie „Die demografische Lage der Nation“

Die Studie mit dem Titel „Die demografische Lage der Nation“ ist die vierte Fortschreibung des unabhängigen Berlin-Instituts zu diesem Thema – nach 2004, 2006 und 2011. Nach der neuen Untersuchung erlebt Deutschland dank eines kleinen Babybooms und Zuwanderung gerade ein demografisches Zwischenhoch.

83 Millionen Menschen seien ein Rekord, der bis 2035 auch nicht groß dahinschrumpfen werde, sagte Klingholz. „Allerdings verschärfen sich die regionalen Verwerfungen zwischen den prosperierenden Großstädten und entlegenen strukturschwachen Regionen.“ Das neue „Armenhaus“ Deutschlands sei inzwischen das Ruhrgebiet, während ostdeutsche Städte wie Berlin, Leipzig oder Dresden durchstarteten.

Regionen mit sinkenden Bevölkerungszahlen

Klarer Verlierer mit Blick auf die reinen Bevölkerungszahlen bleibt der Osten. So werden weite Regionen zwischen Rügen und dem Erzgebirge nach der Prognose in den kommenden zwei Jahrzehnten jeden fünften Einwohner verlieren. Doch so schwarz-weiß wie früher ist das Bild nicht mehr. Die Abwanderung aus Ostdeutschland sei seit 2013 gestoppt, sagte Klingholz. Leipzig ist laut Studie heute die am schnellsten wachsende Stadt der Republik.

Dafür schwächelt der Westen. Einen Abstieg sehen die Autoren neben dem Ruhrgebiet auch im Saarland, dem zweiten großen ehemaligen Standort von Kohle- und Schwerindustrie. Dazu kämen ländliche Regionen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, in der Südpfalz und an den Küsten.

Verlagerung in die Großstädte und den wirtschaftsstarken Süden

Im Bundesländer-Ranking der Studie, das neben der Demografie auch Wirtschaft, Bildung und Familienfreundlichkeit als Parameter heranzieht, zeigen sich solche Verschiebungen: So zählt das wachsende Berlin, das viele junge Leute anzieht, zu den großen Aufsteigern – neben Thüringen und Sachsen. Auf dem Spitzenplatz behauptet sich Baden-Württemberg, doch auf Platz zwei hat Hamburg als Stadtstaat Bayern überholt. Schlusslicht bleibt Sachsen-Anhalt, den vorletzten Rang belegt das Saarland.

Denkanstoß an die Politik

Ihre Studie verstehen die Autoren als Denkanstoß an die Politik. „Die Förderung mit der Gießkanne ist Geldverschwendung“, urteilt Klingholz. „Die Realität ist eine Vielfalt. Gleichwertigkeit lässt sich nicht schaffen.“ Es gehe darum, das Schrumpfen von Landstrichen zu akzeptieren und es planvoll zu gestalten. Die Zukunft liege in den Städten. Und zu weiterer Zuwanderung gebe es allein schon wegen des künftigen Arbeitskräftemangels keine Alternative.

Weitere Informationen

www.berlin-institut.org
Studie „Die demografische Lage der Nation“ des Berlin-Instituts

Weitere Artikel

Time
4 Minuten

Wann Beschäftigte kommen und gehen, welche Internetseiten sie aufrufen, wie produktiv sie am Rechner sind: Technisch können Arbeitgeber heutzutage eine Menge kontrollieren. Aber dürfen sie das auch?

Time
2 Minuten

Kein Alkohol mehr an Bahnhöfen und die Uhren werden wieder umgestellt: Der neue Monat bringt Änderungen in verschiedenen Bereichen vom Garten bis zur Vorsorge.

Time
3 Minuten

Nach den jüngsten Landtagswahlen wollten Kanzler Merz und die Union eigentlich Tempo bei den angekündigten Sozialreformen machen. Bei der Pflege hakt es nun allerdings gewaltig.

Time
3 Minuten

Kommt sie früher oder später? Die geplante Pflegereform wird zu einem neuen großen Streitpunkt zwischen Union und SPD. Die Pflegekassen warnen vor den Folgen eines Reformstopps.

Time
2 Minuten

Wer sich das Wohnen nicht mehr leisten kann, kann einen staatlichen Zuschuss bekommen. Wie haben sich Haushalte und Ausgaben im vergangenen Jahr entwickelt?

Time
2 Minuten

Künftig soll es leichter werden, Kindergeld zu bekommen: In vielen Fällen soll der Antrag entfallen und die Leistung automatisch ausgezahlt werden.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026