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Diskriminierung von Senioren: Alt und abgehängt?

Altersdiskriminierung wird auf vielen verschiedenen Ebenen beklagt – von fehlenden Rollen für Schauspieler bis zur Altersgrenze für Schöffen.

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Senioren mit Kreuzworträtsel – Bildnachweis: wdv © Lauer, Jan

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München (dpa). Es sind nicht nur Thekla Carola Wied und Tony Marshall. Die 75-jährige Schauspielerin wünscht sich mehr Rollen für Ältere, der 81-jährige Sänger wähnt Alte gar vom Fernsehen vergessen. Sind Altersgrenzen ein verbreitetes Problem? Landesseniorenvertretungen hören oft Beschwerden über Diskriminierung. Ilka Dirnberger ist Schriftführerin bei deren Bundesvereinigung und sagt kurz vor dem Tag der älteren Generation am 3. April, am meisten seien Ältere davon betroffen, wenn sie keine Kredite mehr bekommen. Dabei gibt es etwa bei den Sparkassen in Bayern keine starre Altersgrenze, und beim Genossenschaftsverband Bayern heißt es, "die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken vergeben Kredite an Kunden aller Altersklassen."

Altersdiskriminierung im Kreditgeschäft zulässig

Altersgrenzen legen die Institute den Angaben zufolge bei der erforderlichen Bonitätsprüfung nicht zugrunde. Vielmehr werde die Kreditwürdigkeit anhand der individuellen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse geprüft. Dennoch: Senioren sähen die Kreditvergabe als Problem Nummer eins, sagt Dirnberger. "Das ist schon schwierig" – je nachdem, welche Höhe das Darlehen haben soll. Dabei dürfen Banken durchaus aufs Alter schauen.

"Im Kreditgeschäft darf Altersdiskriminierung stattfinden", sagt Sascha Straub, Referatsleiter Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Bayern. Senioren "bekommen dann keinen Dispo oder nicht in der Höhe" – doch es zählten auch andere Faktoren. "Sobald Sicherheiten vorhanden sind, sind Banken eher bereit, einen Kredit zu gewähren." Und wann wird das Alter zum Problem? "Das kann schon mit dem Renteneintritt sein. Je näher an der 80, desto schwerer wird's."

Alter ist auch bei Versicherungen ein Faktor

Auch bei Versicherungen ist das Alter ein Faktor – von mehreren. "Wenn es als Risikomerkmal berechnet werden kann, dann fließt es ein" – etwa bei der Schadenserwartung, sagt ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Bei einer Kfz-Versicherung etwa könne, wer jahrelang unfallfrei gefahren sei, im Alter von hohen Schadenfreiheitsrabatten profitieren. "Weil ältere Fahrer aber im Schnitt mehr Schäden verursachen, gibt es auch das Merkmal "Alter des Fahrers", das den Versicherungsbeitrag für Fahrer mittleren Alters senkt und für ältere Fahrer anhebt."

Bei Autovermietungen dagegen ist dem ADAC in Deutschland keine Altersgrenze für Fahrer bekannt. Anders im Ausland: Dort gebe es bei einzelnen Anbietern manchmal ein Höchstalter für die Anmietung.

Die "graue Wohnungsnot" droht

Ablehnung erfahren Senioren auch auf dem Wohnungsmarkt. "Wir steuern auf eine graue Wohnungsnot zu", sagt Monika Schmid-Balzert, Geschäftsführerin des Landesverbands Bayern des Deutschen Mieterbunds. Was sie häufig beobachtet: "Rentner haben eine bezahlbare Wohnung, dann kommt eine normale Mieterhöhung oder eine Modernisierungsmieterhöhung oder eine Eigenbedarfskündigung, und dann finden die Leute keine Wohnung."

Sebastian Bickerich, Sprecher der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, sagt dagegen: "Häufig wird eine Benachteiligung aufgrund des Alters angenommen, ist aber aus dem geschilderten Sachverhalt nicht unbedingt ersichtlich." So würden teilweise Probleme mit Vermietern wie nicht erbrachte Leistungen, mit Nachbarn oder Handwerkern auf ein hohes Alter der Anfragenden zurückgeführt. Auf den Wohnungsmarkt entfielen nur sehr wenige Anfragen wegen Altersdiskriminierung.

Keine seriöse Erhebung zu Gerichtsfällen wegen Altersdiskriminierung

Wie oft Streitigkeiten wegen Diskriminierung des Alters vor Gericht landen, ist unklar. "Es gibt keine seriöse Erhebung dazu", sagt Bickerich. Entscheidungen seien selten, weil etwa an Arbeitsgerichten oft Vergleiche geschlossen würden. Dabei gehe es oft um Urlaub oder Beförderungen – eher Bereiche, in denen Ältere bevorzugt werden.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso), kritisiert unter anderem Benachteiligungen Älterer bei Versicherungen und "fordert einen erweiterten rechtlichen Diskriminierungsschutz". Es gebe allerdings auch andere Bereiche, in denen Altersgrenzen und damit Diskriminierung Senioren belasteten – etwa im Bereich des Ehrenamts. Schöffen sollen bei Amtsantritt noch nicht 70 sein, begründet vor allem mit der Wahrung der Leistungsfähigkeit. Die Bagso kann das nicht nachvollziehen – und findet Unterstützung in Bayern.

Altersgrenze für Schöffinnen und Schöffen ist nicht mehr zeitgerecht

"Die derzeitige Altersgrenze für Schöffinnen und Schöffen ist nicht mehr zeitgerecht. Unsere Senioren sind heute fitter und aktiver als früher. Ihre Lebenserfahrung und ihr Engagement sind wertvolle Ressourcen für einen starken und menschlichen Rechtsstaat", findet Justizminister Georg Eisenreich (CSU). Bayern hat sich nach Angaben seines Hauses mehrfach für eine Abschaffung der Grenze eingesetzt, das Bundesjustizministerium habe aber abgelehnt. Man habe es erneut um Prüfung bis zum Herbst gebeten.

Weitere Informationen:

http://www.bagso.de

BAGSO

http://www.bagso.de https://www.bundestag.de/resource/blob/412584/e289e9406daf18acd60ca473df164727/wd-3-127-15-pdf-data.pdf

Bundestag zu gesetzlichen Höchstaltersgrenzen bei Amts- und Mandatsträgern

https://www.justiz.bayern.de/service/schoeffen/

Bayerisches Jusitzministerium zu Aufgabe von Schöffen

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