Ihre-Vorsorge Logo

„Faule Jugend“? Daten widersprechen dem Vorwurf

Die Generation Z gilt als anspruchsvoll, unzuverlässig oder sogar arbeitsunwillig. Doch Studien und Arbeitsmarktdaten zeichnen ein anderes Bild. Warum sich das Klischee trotzdem hält.

Artikel vorlesen

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlicht

Junger Mann am Schreibtisch zuhause mit Notebook stellt Bewerbungsunterlagen zusammen.

© Nicht definiert

Berlin (dpa). Will die Jugend von heute nicht mehr arbeiten? Kaum ein Vorwurf taucht in Debatten über die Generation Z so regelmäßig auf wie dieser. Vier-Tage-Woche, Work-Life-Balance oder Sabbatical gelten manchen als Beleg dafür, dass junge Menschen weniger leistungsbereit seien als frühere Generationen. Doch passt dieses Bild wirklich zur Realität? Zum Internationalen Tag der Jugend (12. August) ein Blick auf die Datenlage.

Was die Arbeitsmarktforschung zu dem Vorwurf sagt

„In der Tat gibt es gegenüber der Generation Z das Klischee der Arbeitsunwilligkeit. Nach allen harten Indikatoren, die wir haben, trifft das nicht zu“, erklärt Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Sein Befund stützt sich auf mehrere Entwicklungen: Die Erwerbsbeteiligung junger Menschen sei so hoch wie seit Jahrzehnten nicht, ihre Arbeitszeit entwickle sich ähnlich zu der älterer Beschäftigter und sie wechselten ihren Arbeitsplatz nicht häufiger als frühere Generationen. „Das Bild von jungen Leuten, die entweder im Sabbatical oder in der Dreitagewoche sind, ist keine treffende Beschreibung der Generation Z“, sagt Weber.

Die Generation Z umfasst je nach Definition ungefähr die zwischen Ende der 1990er- und den frühen 2010er-Jahren Geborenen. Einheitliche Geburtsjahrgänge gibt es nicht.

Andere Erwartungen sind nicht gleich Arbeitsunwilligkeit

Warum hält sich diese Vorstellung trotzdem? Nach Einschätzung von Weber hat sich weniger die Bereitschaft zu arbeiten verändert als die Erwartung an gute Arbeit. Als mögliche Ursachen verweist er auf Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, eine stärkere Erwerbstätigkeit beider Partner und den Wunsch nach mehr Selbstbestimmung. Diese Entwicklungen hätten die Ansprüche an Flexibilität erhöht, bedeuteten aber nicht, dass junge Menschen grundsätzlich weniger arbeiten wollten.

Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie „Jugend in Deutschland 2026“, für die gut 2.000 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren den Angaben nach repräsentativ befragt wurden. Sie beschreibt – trotz schwieriger Lage – eine hohe Leistungsbereitschaft der jungen Generation. Die große Mehrheit ist demnach bereit, zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig würden Zweifel wachsen, ob sich Leistung in Deutschland noch lohnt. Für Jugendforscher Klaus Hurrelmann, fachlicher Begleiter der Studie, müsse deshalb das Ziel sein, „der jungen Generation mehr Vertrauen und mehr Verantwortung zu geben“.

Welche Geschichte die Arbeitsmarktdaten erzählen

Ob das verbreitete Bild einer arbeitsunwilligen Generation zutrifft, lässt sich anhand von Arbeitsmarktdaten überprüfen. Das IAB hat dafür auf Basis des Mikrozensus und der Arbeitskräfteerhebung gerade erst die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen ausgewertet: Diese stieg demnach zwischen 2015 und 2025 um mehr als sieben Prozentpunkte auf knapp 77 Prozent – laut IAB der höchste Stand seit Jahrzehnten. Gemeint ist der Anteil der jungen Erwachsenen, die erwerbstätig sind oder aktiv nach Arbeit suchen. Ein Rückzug junger Menschen aus dem Arbeitsleben lässt sich daraus nicht gerade ableiten.

Auch unter Studierenden ist die Teilnahme am Arbeitsmarkt deutlich gestiegen. Zwischen den Jahren 2015 und 2023 erhöhte sich die Erwerbsquote der 20- bis 24-jährigen Studierenden nach IAB-Daten um mehr als 19 Prozentpunkte auf 56 Prozent.

Ein Vorwurf, der älter ist als die Generation Z

Dass ältere Generationen den Jüngeren mangelnden Arbeitseifer vorwerfen, ist kein neues Phänomen. Schon früher galten nachfolgende Generationen als anspruchsvoller oder weniger belastbar. Neu ist dabei weniger das Vorurteil als die Arbeitswelt selbst: Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und der Fachkräftemangel haben die Erwartungen an gute Arbeit verändert.

Auch die 19. Shell-Jugendstudie 2024 kommt zu dem Schluss, dass Arbeit für junge Menschen weiterhin wichtig bleibt. Verändert haben sich vor allem die Vorstellungen davon, was einen guten Arbeitsplatz ausmacht: Flexibilität, eine gute Arbeitsatmosphäre und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben spielen eine größere Rolle als für frühere Generationen. Die Umfrage basiert den Angaben nach auf einer repräsentativen Stichprobe von 2.509 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren, die zu ihrer Lebenssituation und ihren Einstellungen und Orientierungen persönlich befragt wurden.

Statt Arbeit: Junge Leute drücken oft noch die Schulbank

Der Vorwurf, jüngere Menschen arbeiten weniger als ältere, ist wegen eines weiteren Faktors schief: Viele 15- bis 24-Jährige stehen nämlich noch gar nicht vollständig im Berufsleben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts befinden sich viele noch in Schule, Ausbildung oder Studium. Eine geringere Erwerbstätigkeit in dieser Altersgruppe bedeutet deshalb nicht automatisch mangelnde Arbeitsbereitschaft.

Bereitschaft für Arbeit ist nach wie vor vorhanden

Die Daten zeichnen ein differenzierteres Bild als das verbreitete Klischee: Sie liefern keinen Hinweis darauf, dass sich junge Menschen vom Arbeitsmarkt zurückziehen oder grundsätzlich weniger arbeiten wollen. Verändert haben sich vor allem ihre Erwartungen daran, unter welchen Bedingungen Arbeit stattfinden soll – nicht ihre grundsätzliche Bereitschaft, zu arbeiten.

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
4 Minuten

Krieg, Klimawandel, Sorgen um den Job: Junge Erwachsene haben Zukunftsängste. Das ist ein Grund, weshalb die erhoffte Zahl an Kindern je Frau hierzulande auf rund 1,7 gefallen ist.

Time
1 Minuten

Jede neunte Erwerbsperson in Deutschland will mehr oder aber weniger arbeiten. Und eine Mehrheit derjenigen, die gern reduzieren möchten, würde dafür auch die entsprechenden Lohneinbußen in Kauf nehmen.

Time
1 Minuten

Die Zahl der Arbeitslosen ist zuletzt gestiegen. Zugleich fehlen in Deutschland vielerorts Fachkräfte. In drei Jahren dürften es einer Untersuchung zufolge noch weit mehr sein.

Time
5 Minuten

Plötzlich der Gedanke, das Gefühl: Ist es das jetzt, das Alter? Die Psychologie-Professorin Jana Nikitin verrät, wie aus dem Schreck ein Gewinn wird und neue Klarheit und Freiheit entstehen.

Time
3 Minuten

Betriebsräte haben gesetzlich festgelegte Rechte, im Unternehmen mitzubestimmen. Den Arbeitgebern geht vieles zu langsam, manches auch zu weit. Sie dringen auf eine Reform.

Time
4 Minuten

Der Arbeitgeber bietet Geld für die einvernehmliche Trennung. Wann ist so ein Aufhebungsvertrag ein gutes Geschäft? Wann sagt man besser Nein?

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026