Nürnberg (dpa/sth). Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht gute Chancen für eine positive Trendwende am Arbeitsmarkt. Das monatlich erstellte Arbeitsmarktbarometer des IAB erreichte im Juli erstmals seit zehn Monaten wieder die neutrale Marke von 100 Punkten, wie das Institut in Nürnberg bekanntgab. Zuvor hatte es längere Zeit unterhalb dieses Wertes verharrt, was auf eine negative Entwicklung hindeutete.
Das Barometer besteht aus den Komponenten Arbeitslosigkeit und Beschäftigung und dient als Frühindikator für die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Komponente Arbeitslosigkeit verbesserte sich im Juli um 1,5 Punkte auf 99,6 Punkte deutlich und erreichte damit nach Angaben des Instituts den höchsten Stand seit Mai 2023. Die Zahl der Arbeitslosen werde zwar im August die Grenze von drei Millionen überschreiten, sagte der Leiter des IAB-Forschungsbereiches Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen, Enzo Weber: “Aber wenn sich die Trendwende durchsetzt, wird das eine kurze Episode bleiben.”
Die Beschäftigungskomponente liegt dem IAB zufolge mit 100,3 Punkten derzeit sogar leicht über der neutralen Marke. Für das Barometer werden alle deutschen Arbeitsagenturen monatlich nach ihren Erwartungen für die folgenden drei Monate gefragt.
Stagnation bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung
Im Juli ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Vergleich zum Vormonat um 65.000 auf 2,979 Millionen Menschen gestiegen. Das seien 171.000 mehr als im Juli 2024, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mit. Die Arbeitslosenquote stieg demnach im Vergleich zum Juni um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent. Ein Anstieg auf über drei Millionen, wie zuletzt im Februar 2015, wird von Arbeitsmarktexperten für August erwartet. “Die Unternehmen sind weiter zurückhaltend bei der Meldung neuer Stellen und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nimmt kaum noch zu”, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles.
Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sank den BA-Angaben zufolge von April auf Mai saisonbereinigt um 16.000. Im Vergleich zum Vorjahr lag sie allerdings mit 34,91 Millionen Beschäftigten um 24.000 höher, “wobei der Anstieg allein auf Personen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit beruht”, wie die BA betont.
