Hamburg (dpa/tmn). Endlich weniger Überstunden machen! Endlich die Gehaltserhöhung ansprechen! Endlich kündigen? Zum neuen Jahr kommen auch berufliche Dinge auf die Vorsatzliste. So befreiend das sein mag, nachhaltige Veränderungen im Arbeitsleben sollten wir anders angehen, sagt Julia Glöer, die ein Buch zum Thema „Berufsglück“ verfasst hat.
Und dann bauen sich gute Karrieren fast immer Schritt für Schritt auf. Wenn der Erfolg daran gemessen wird, dass morgen schon alles fantastisch ist, stellt sich schnell Frustration ein. Dann wird die Power von kleinen Schritten in die richtige Richtung unterschätzt und die Freude an Minierfolgen unmöglich.
Zufriedenheit stellt sich dann ein, wenn meine Beschäftigung in vielen Aspekten meinen persönlichen Bedürfnissen annähernd entspricht: Tue ich eigentlich den lieben langen Tag Dinge, die mir angenehm sind und bei denen die Zeit wie im Fluge vergeht? Komme ich gut mit meinen Vorgesetzten, Kollegen und Kunden klar? Sind Ort, Räumlichkeiten und das Gehalt stimmig? Und: Kann ich mich mit dem Angebot, Produkt und den Werten der Firma identifizieren?
Wenn ich aber das Gefühl habe, in der völlig falschen Firma oder im völlig falschen Beruf gelandet zu sein, dann muss ich vermutlich früher oder später den Job wechseln. Ist man unglücklich – und das ist eher eine Gefühlsbilanz als ein Abwägen auf einer Pro- und Kontraliste – und immer schlecht drauf, 40 Stunden in der Woche, dann muss man etwas unternehmen.
Viele junge Menschen investieren fünf bis acht Jahre in ein Studium oder eine Ausbildung und merken erst hinterher, dass der Job in der Realität ganz anders ist, als sie sich ihn ausgemalt haben. Das hätten sie in kurzen Interviews mit Experten vorher klären können. Was Wechselwillige meiner Ansicht nach lernen sollten, ist die Stellensuche auf dem verdeckten Arbeitsmarkt.
Ein Beispiel: Jemand hat den internationalen Einkauf im Bereich Lebensmittel als mögliches Ziel definiert. Soll die Frau da tätig werden? Jetzt würde sie als erstes mit Menschen sprechen, die das machen und Fragen stellen: Wie sind Sie dazu gekommen? Was gefällt Ihnen gut, was weniger gut? Welche Änderungen kommen Ihrer Meinung nach auf diesen Bereich zu? Welche Fähigkeiten sind gefragt?
Und sie erkundigt sich nach weiteren Kontakten. So findet sie vielleicht heraus, dass gerade das Thema Lebensmittelsicherheit an Bedeutung gewinnt. In weiteren Gesprächen erfährt sie, dass die Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln sich zunehmend auf den Wachstumsmarkt Asien verlagern wird. Wenn ihr die gesammelten Informationen zusagen, findet sie so eine vielversprechende Nische – in der es künftig Bedarf gibt. Denn ganz nebenbei macht sie sich durch diese Gespräche bekannt im und mit dem Themenfeld – und das wiederum führt in vielen Fällen zu einem guten und passenden Job.
Mein Rat: An Silvester lieber mal schön feiern ohne große Neujahrsvorsätze. Und wenn eine berufliche Veränderung zwingend wird, erst einmal mit Methode langfristige Berufswünsche festlegen und dann kleine To-dos definieren, die man jedes Mal sofort in die Tat umsetzen kann.
Zur Person: Julia Glöer hat unter anderem Betriebswirtschaftslehre studiert und gibt Seminare zur Berufsberatung in Hamburg.
