München (tö). Millionen Menschen in Deutschland sind süchtig nach Arbeit. Sie sitzen nicht nur sehr lang am Schreibtisch, oft mit mehreren Aufgaben beschäftigt. Sie können auch nur mit schlechtem Gewissen freinehmen und fühlen sich oft unfähig, am Feierabend abzuschalten. Das zeigt eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Technischen Universität Braunschweig, die von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung vorgelegt wurde.
Demnach arbeitet jeder zehnte Erwerbstätige „suchthaft“. Vor allem Führungskräfte würden überdurchschnittlich oft an Symptomen von Arbeitssucht leiden, je höher die Führungsebene, desto verbreiteter das Phänomen. Basis der Untersuchung sind repräsentativen Daten aus einer Befragung von 8000 Erwerbstätigen, noch aus der Zeit vor Ausbruch der Corona-Krise.
Laut der Auswertung arbeiten weitere 33 Prozent „exzessiv – aber nicht zwanghaft“. Die Mehrheit, 54,9 Prozent der Erwerbstätigen, verdient hingegen „gelassen“ den eigenen Lebensunterhalt.
Selbstständige sind besonders oft „Workaholics“
Andere Ergebnisse wirken auf den ersten Blick überraschend: So sind die Berufssparten Informatik, Naturwissenschaft, Geografie am wenigsten betroffen. Am häufigsten neigen Berufstätige in Land-, Forst-, Tierwirtschaft und Gartenbau zu suchthaftem Arbeiten. Das könnte auch daran liegen, dass in dieser Branche besonders viele selbstständig sind. Unter Selbstständigen ist die Workaholic-Quote mit 13,9 Prozent besonders hoch.
Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich das Wort „Workaholic“ für einen arbeitssüchtigen Menschen etabliert. Es stammt vom US-Psychologen Wayne Oates. Er prägte 1971 den Begriff, um zu beschreiben, dass einige Menschen ein Verhältnis zu ihrer Arbeit haben wie Süchtige zum Alkohol.
