Berlin (dpa). Die Stimmung unter den Verbrauchern in Deutschland bleibt schlecht. Der Konjunkturklimaindex der Nürnberger Konsumforschungsunternehmen GfK und NIM erholte sich zwar im September dank höherer Einkommenserwartungen leicht um 0,7 Punkte. Er bleibt mit minus 21,2 Punkten aber weiterhin deutlich unter dem langjährigen Wert von plus zehn Punkten, wie die Institute am Donnerstag mitteilten.
Die Nürnberger Konsumexperten sehen darin keine entscheidende Wende. “Nach dem herben Rückschlag im Vormonat kann die leichte Verbesserung des Konsumklimas eher als Stabilisierung auf niedrigem Niveau interpretiert werden”, sagte NIM-Konsumforscher Rolf Bürkl. Seit Juni, als minus 21 Punkte gemessen wurden, sei das Konsumklima nicht vorangekommen. “Deshalb kann der geringe Anstieg auch nicht als Beginn einer spürbaren Erholung interpretiert werden”, sagte Bürkl. “Dazu ist die gegenwärtige Stimmungslage unter den Verbrauchern generell zu labil.”
Neben negativen Einflussfaktoren, wie Kriege, Krisen und Inflation komme seit einigen Monaten wieder der Arbeitsmarkt als Faktor dazu, der das Konsumklima belastet. Die Arbeitslosigkeit steige leicht, Meldungen über Unternehmensinsolvenzen nähmen zu und Ankündigungen zum Personalabbau bei großen Betrieben führten zu Zurückhaltung und Vorsicht bei Verbrauchern.
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute senken Konjunkturprognose
Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer blickt mit großer Sorge auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland. “Die Stimmung in einer wachsenden Zahl von Unternehmen in allen Regionen unseres Landes ist dramatisch schlecht”, sagte DIHK-Präsident Peter Adrian der Deutschen Presse-Agentur vor einer neuen Konjunkturprognose führender Wirtschaftsforschungsinstitute. “Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland machen unternehmerische Aktivitäten zunehmend unattraktiv. Produktionsverlagerung und Geschäftsschließungen nehmen zu, Investitionen bleiben aus. Wir verzeichnen Stillstand statt Wachstum.”
Erwartet wird, dass die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Konjunkturprognose senken. Wie vorab bekannt wurde, dürfte demnach das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,1 Prozent sinken. Im Frühjahr hatten die Institute noch ein minimales Plus von 0,1 Prozent erwartet. Für 2025 wird mit einem Wachstum von 0,8 Prozent gerechnet - statt mit einem ein Plus von 1,4 Prozent wie noch im Frühjahr.
Viele Unternehmen seien verärgert, verunsichert oder frustriert, so Adrian. “Das spiegeln uns die Industrie- und Handelskammern aktuell sehr eindringlich. Wir brauchen daher eine gemeinsame Anstrengung für eine gute Zukunft. Dazu gehört ein Verzicht auf alles, was wirtschaftliches Engagement von Betrieben und Belegschaften ausbremst.” Die Politik müsse die Wirtschaft wieder ganz oben auf die Prioritätenliste setzen. Adrian beklagte immer weitere Auflagen, Regulierungen und Kosten. Er sprach sich für spürbare Sofortsignale aus. So dürften das Energieeffizienzgesetz und das Gebäudeenergiegesetz - oft als Heizungsgesetz bezeichnet - in der bisherigen Form nicht weiterbestehen.
