Ihre-Vorsorge Logo

So helfen Sie Älteren durch die Corona-Zeit

Besuche in Seniorenheimen oder Krankenhäusern sind momentan oft nur eingeschränkt möglich. Eine große Belastung für viele Ältere.

Artikel vorlesen

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlicht

Seniorin sitzt in einem Sessel und schaut nachdenklich. Bild: IMAGO / Panthermedia

© Nicht definiert

Berlin (dpa/tmn). Nähe, Zuneigung und Vertrautheit – aufgrund des Coronavirus müssen Menschen, die in Pflege- oder Seniorenheimen leben oder längere Zeit im Krankenhaus liegen, auf einiges verzichten. Umso wichtiger ist, dass die Angehörigen immer wieder Kontakt aufnehmen – wenn es nicht persönlich geht, dann auf anderen Wegen. Denn die Einsamkeit, aber nicht nur die, belastet die Älteren.

Gelten Besuchseinschränkungen, fühlen sich Pflegebedürftige und Kranke momentan mitunter noch einsamer und isolierter als ohnehin schon. Dies kann schlimmstenfalls zu verheerenden gesundheitlichen Folgen führen. „Insbesondere in Bezug auf Depressionen, Angstzustände bis hin zu Suizidversuchen“, sagt Katrin Markus aus dem Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO).

Psychogerontologe Prof. Frieder R. Lang spricht von möglichen Stressreaktionen als Folge, die im weiteren Lebensverlauf belastend wirken können. „Zum Beispiel, kann dies Entzündungsprozesse auslösen und die Abwehrkräfte des Körpers mindern. Man kann dann sogar anfälliger für Erkrankungen werden“, sagt der Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg.

Ausgrenzung – auch durch Angehörige

Grund für das erhöhte Stresslevel bei Senioren im Alten- oder Pflegeheim während der Corona-Zeit ist laut Lang jedoch nicht nur Einsamkeit. Die hätten wir alle im Lockdown erlebt. „Das spezifische war die spezielle Ausgrenzung der in Altenheim oder Pflegeeinrichtung wohnenden Menschen. Und gezielte soziale Ausgrenzung macht Menschen krank“, sagt er.

Zu Beginn der Coronakrise hätten die Einschränkungen alle Menschen gleichermaßen betroffen. „Für die Menschen aber, die in Pflegeeinrichtungen oder Altenheimen lebten, wurden die Kontaktbeschränkungen verschärft“, sagt Lang. Er spricht von „Diskriminierung aufgrund der eigenen Wohnsituation“.

Die Ausgrenzung werde durch die Haltung vieler Angehöriger verschärft. „Sie verbieten ja teilweise ihren Großeltern, sich im sozialen Raum zu bewegen“, erläutert Lang. Es habe also nicht nur von institutioneller Seite eine Andersbehandlung in einzelnen Einrichtungen gegeben, sondern auch von familiärer Seite.

Päckchen mit Naschereien oder Spielen

Auch wenn der Besuch von Oma oder Opa im Pflegeheim oder Mama im Krankenhaus momentan eingeschränkt ist – eine Freude kann man immer machen. „Anrufen, anrufen, anrufen“, sagt Christa Roth-Sackenheim, die Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP).

Auch Briefe oder Päckchen mit kleinen Naschereien sorgen für Abwechslung im Alltag der Senioren. „Oder lassen Sie der Oma Spiele zukommen (...) und sprechen Sie mit ihr, wie sie damit umgeht, was sie damit gemacht hat“, rät die Expertin.

Auch über Videotelefonie könne man Andere am Leben teilhaben lassen und zusammen singen oder essen, sagt Roth-Sackenheim.

Videotelefonie braucht Übung

Für Katrin Markus von der BAGSO ist Videotelefonie zwar eine Alternative – sie müsse jedoch geübt werden, auch in guten Zeiten.

„Denn einen 95-Jährigen kann ich nicht einfach vor den Apparat setzen. Da kriegt er Angst, und es stresst ihn.“

Vor allem für dementiell erkrankte Menschen seien solche Telefonate oftmals kein Ersatz. „Bei ihnen läuft Kommunikation oft nonverbal. Man nimmt sich in den Arm oder gibt sich die Hand“, erklärt die Expertin für Gesundheit und Pflege.

Kein Patentrezept bei Demenzerkrankten

Rund 75 Prozent der Bewohner in stationären Pflegeeinrichtungen haben laut Katrin Markus in irgendeiner Form dementielle Veränderungen. Die jetzigen Einschränkungen stressen sie noch mehr als Nicht-Demente.

Selbst ein unscharfes Bild des Sohnes auf dem Handy oder technische Störungen während eines Videoanrufes können Stressreaktionen auslösen oder verstärken. Für Angehörige von Demenzerkrankten bedeutet das, im direkten Kontakt ruhig zu bleiben und das Stresslevel möglichst niedrig zu halten. Auf lange Diskussionen verzichtet man.

Ein Patentrezept, wie sich Angehörige von Demenzerkrankten in der Corona-Zeit verhalten sollten, gibt es jedoch nicht. „Denn Demenzen sind nicht alle gleich“, sagt Markus. Es gebe Menschen, die hätten Angst und wollten Abstand. Andere bräuchten genau das Gegenteil: Nähe, Zuneigung und Vertrautheit.

Weitere Informationen

www.bagso.de
Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen

www.bv-psychiater.de
Berufsverband Deutscher Psychiater




Weitere Artikel

Time
2 Minuten

Weil weniger Kinder geboren werden, besuchen auch weniger Kinder eine Kita. Das hat auch Folgen für die Einrichtungen.

Time
3 Minuten

Kinder krank, Anspruch erschöpft: Was Eltern tun können, wenn keine Kinderkrankentage mehr übrig sind – vom Übertragen bis zur unbezahlten Freistellung.

Time
3 Minuten

Große Pflege-Streitpunkte hat die Koalition in eine Kommission vertagt. Ein zentraler SPD-Vorschlag soll dort laut Gesundheitsminister aber kein Thema sein.

Time
3 Minuten

Statistisch sind die Vermögen in Ostdeutschland nur halb so groß wie im Westen. Die Ostbeauftragte will gegensteuern.

Time
4 Minuten

Wann Beschäftigte kommen und gehen, welche Internetseiten sie aufrufen, wie produktiv sie am Rechner sind: Technisch können Arbeitgeber heutzutage eine Menge kontrollieren. Aber dürfen sie das auch?

Time
2 Minuten

Kein Alkohol mehr an Bahnhöfen und die Uhren werden wieder umgestellt: Der neue Monat bringt Änderungen in verschiedenen Bereichen vom Garten bis zur Vorsorge.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026