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Wohnungsbaukrise: Unter 200.000 neue Einheiten dieses Jahr

Wer in großen Städten eine Wohnung sucht, kennt das: wenig Angebot, horrende Preise. Die Lösung liege in mehr Neubau mit einfachen Standards, finden die Organisatoren des Wohnungsbau-Tags in Berlin.

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Modernes Mehrfamilienhaus in Ostfildern bei Stuttgart. Bild: IMAGO / Westend61

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Berlin (dpa). In Deutschland werden nach Schätzung der Baubranche dieses Jahr weniger als 200.000 neue Wohnungen fertig – nur die Hälfte des angenommenen Bedarfs und gut 100.000 Einheiten weniger als noch 2020. Dies erklärten Branchenvertreter beim Wohnungsbau-Tag in Berlin. Der Iran-Krieg berge neue Risiken mit steigenden Kosten für Baustoffe und Zinsen. Als Lösung sieht die Branche billigeres Bauen mit vereinfachten Standards – den sogenannten „Gebäude-Typ E“, den auch Bauministerin Verena Hubertz (SPD) in Planung hat. 

Das Problem 

Weil es zu wenig neues Angebot gebe, sei der Wohnungsmarkt eingefroren: „Wer umzieht, hat verloren“, erklärte das Bündnis von sieben Verbänden und Gewerkschaften, die den Wohnungsbau-Tag organisieren. Auch wer im Alter statt einer großen eine kleinere Wohnung wolle, zahle drauf. 

Familien mit Kindern fänden hingegen keine ausreichend große Bleibe. „Fast jedes fünfte Kind in Deutschland wächst in einer zu kleinen Wohnung auf“, heißt es in einer Studie, die zum Wohnungsbau-Tag vorgestellt wurde. Insgesamt hätten 9,9 Millionen Menschen nach EU-Definition zu wenig Platz in ihrem Zuhause.

„Der Druck auf dem Wohnungsmarkt wird hoch bleiben“, erklärte Arnt von Bodelschwingh vom Forschungsinstitut Regiokontext zu den Ergebnissen der Studie. „Vielen neuen Haushalten werden gar keine Wohnungen mehr angeboten werden können.“ 

Wolfgang Schubert-Raab vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes erinnerte daran, dass lahmender Wohnungsbau die Konjunktur dämpfe. Die Branche erwirtschafte 530 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung pro Jahr. „Es ist eine Wirtschaftslokomotive, und sie darf nicht stillstehen“, sagte der ZDB-Präsident. Noch im Jahr 2020 waren 306.000 Wohnungen fertig geworden, im Jahr 2024 immerhin noch gut 250.000. 

Die Forderungen 

Die Lösung aus Sicht des Wohnungsbau-Bündnisses: einfacher und damit schneller bauen. Der sogenannte Gebäude-Typ E ist schon länger im Gespräch und wird in Pilotprojekten in mehreren Bundesländern erprobt. Dabei geht es darum, nur die gesetzlichen Standards einzuhalten und nicht das, was bautechnisch möglich oder inzwischen üblich ist. Beispiele sind Schallschutz, Zahl der Steckdosen oder Stellplätze. 

„So könnten die durchschnittlichen Kosten im Wohnungsbau von rund 4.650 Euro pro Quadratmeter auf etwa 3.500 Euro gesenkt werden“, sagte der Chef der Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt, Robert Feiger, der Deutschen Presse-Agentur. 

Angesichts steigender Bauzinsen forderte Feiger zudem: „Ankurbeln lässt sich der Wohnungsbau ganz kurzfristig über reduzierte Zinsen. Konkret fordern wir ein Förderprogramm der KfW, das die Bauzinsen auf maximal ein Prozent senkt.“ Profitieren sollten davon Sozialwohnungen oder Quartiere mit einer Mietpreisbindung von 8 bis 12 Euro je Quadratmeter. Das Baubündnis drängt Bund und Länder, jährlich 100.000 neue Sozialwohnungen zu fördern. Darüber hinaus soll schneller geplant und genehmigt werden. 

Die politischen Antworten 

Bauministerin Hubertz betonte im Deutschlandfunk, das Gebäudetyp-E-Gesetz sei in Vorbereitung. „Meine Kollegin, die Justizministerin Stefanie Hubig, und ich arbeiten da mit Hochdruck dran“, sagte die SPD-Politikerin. Man habe einen Beteiligungsprozess aufgesetzt, damit der neue Vertragstyp auch in der Praxis funktioniere. Darüber hinaus solle mehr seriell und modular gebaut werden, also mit vorgefertigten Bauteilen. „Natürlich ist das ein großes Thema, die Baukosten müssen runter, wir sind zu teuer“, sagte Hubertz. 

Sie warnte aber auch: „Wir haben hohe Zinsen, wir haben Krieg, wir haben Unsicherheiten, und deswegen gibt es nicht den einen Knopf, den wir drücken müssen, und die Wohnungen sind schwuppdiwupp da. Deswegen arbeiten wir konzentriert an Gesetzen, aber auch an Investitionen in den Wohnungsbau.“ 

Linken-Chef Jan van Aken sagte, wichtig sei bezahlbarer Wohnraum: „Teure Eigenheime lösen hier kein einziges Problem. Wir fordern die Bundesregierung auf, ein Investitionsprogramm vorzulegen, um soziale und gemeinnützige Wohnungen zu bauen.“ Nur kommunaler und gemeinnütziger Wohnungsbau könne dafür sorgen, dass Mieten bezahlbar blieben, meinte der Linken-Politiker.


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